Mangfalltal

Komplett neue Schule

von Redaktion

Bad Aibling – Auch wenn nach dreistündiger Sondersitzung noch viele Fragen offen waren: Was die Zukunft der St. Georg-Grund- und -Mittelschule betrifft, tendiert der Stadtrat nun mehrheitlich zu einem Neubau anstelle einer Sanierung samt Um- und Erweiterungsbau. Die Kosten werden auch hier auf rund 30 Millionen Euro geschätzt. Eingehend und sehr detailliert stellte Architekt Wolfgang Obel die Alternativplanung für einen Neubau sowie die Vergleichsdaten zum bisherigen Entwurf vor. Beantragt worden war dies, wie berichtet, von SPD-Fraktionssprecher Richard Lechner, nachdem das Gremium für alle völlig überraschend zuletzt mit Kosten von knapp 30 Millionen Euro für die ursprünglich geplante Sanierung samt Um- und Erweiterungsbau konfrontiert worden war (wir berichteten). Nach den Kostenberechnungen des Büros Obel käme ein Neubau zwar geschätzt um eine knappe Million Euro teurer, brächte jedoch eine Reihe von Vorteilen technischer und (langfristig) finanzieller Natur mit sich. Zudem würde er noch stärker als ein Um- und Erweiterungsbau gefördert – mit mindestens 50 Prozent. Wie Bürgermeister Felix Schwaller mehrfach versicherte, seien die für die Stadt verbleibenden Kosten von 15 Millionen Euro, verteilt auf die kommenden Jahre, zu stemmen, wenn sich die Kommune ansonsten absolute Ausgabendisziplin auferlegt. In Ermangelung anderer verfügbarer Grundstücke soll der Neubau ebenfalls auf dem Schul-Areal an der Sonnenstraße errichtet werden. Nach Wunsch der Stadtratsmehrheit allerdings weiter im Norden. Um überdies zu vermeiden, dass die Schüler während des Abbruchs und Neubaus für rund drei Jahre in Container westlich des Schulzentrums (Kosten: rund 18,5 Millionen Euro) ausweichen müssen, soll der Unterrichtsbetrieb in dem Schulhaus, dessen Baukörper aus den Jahren 1964, 1972 und 1996 stammen, möglichst weitergeführt werden. Der Abbruch wäre dann erst nach dem Umzug in das neue Schulgebäude fällig. Würde das Schulgebäude nach Norden rücken, lägen die Sport- und Freiflächen künftig im Bereich Richtung Sonnenstraße. Hier forderten einige Stadträte erneut, die Parkplätze nicht wie in Obels Planung im Osten, sondern im Westen anzulegen, um wie bisher eine Doppelnutzung für Schule und Kirche zu ermöglichen. Gegen einen Abbruch und Neubau der Fahrradunterstellhalle wehrte sich Richard Lechner (SPD). Diese könne weiterhin ihre Funktion erfüllen. Von Plänen, auf einem neuen Radunterstand auch noch die Hausmeisterwohnung zu errichten, wollte er Abstand nehmen. „Räder, Müll und Hausmeister zusammenzustecken und dann noch direkt an der Straße – da ist keine gute Idee.“ Wenig Gefallen fand er zudem an Obels Vorschlag, den Haupteingang zur Schule künftig zentral und mittig anzulegen. „Jetzt geht man von der Straße aus links zum Eingang. Das ist angeblich ein Problem. Künftig muss man dann rechts abbiegen. Und das ist dann kein Problem?“ Zu weiteren Kritikpunkten aus den Reihen des Gremiums zählte eine eventuelle Ausführung des Neubaus mit einem Flachdach: „Das wollen wir ganz klar nicht und es gäbe dadurch auch Nachteile beim Aufständern einer Fotovoltaikanlage.“ Obel zufolge hätte das Dach eine Neigung von drei Grad. Bei der vorgelegten Planung sei eben eine spätere Aufstockungsmöglichkeit berücksichtigt. Er sah jedoch auch kein Problem, eine andere Dachform zu wählen. Dass der erst 1996 errichtete Gebäudeteil der Schule ebenfalls abgebrochen werden soll, erzürnte mehrere Gemüter. Ebenso wurde daran erinnert, dass man vor nicht allzu langer Zeit eine Schulküche für rund 100 000 Euro eingebaut hatte. Wenig Begeisterung rief die vorgestellte Planung bei CSU-Rat Johann Schweiger hervor: „Ich bin erschrocken, als ich das gesehen habe. Ich hatte mir etwas Schöneres vorgestellt.“ Seinem Wunsch, den Bau nach Norden zu drehen, um auf drei Seiten „schöne und helle Schulräume“ zu bekommen, hielt Obel entgegen, dass man mittlerweile die meisten Klassenräume gerade im Norden situiere. „Denn so schön die Sonne auch sein mag, die Überhitzung des Inneren stellt ein Riesenproblem dar.“ „Überrascht vom Verlauf der Sitzung“ zeigte sich Florian Weber (Bayernpartei): „Wir wollten ein neues Konzept, um zu erfahren, wo man einsparen kann. 30 Millionen Euro sind eine Summe, die wirklich jeden Rahmen sprengt.“ Obel sieht Einsparungsmöglichkeiten allerdings nur in einer Reduzierung des Raumprogramms, etwa wenn man 600 Quadratmeter für moderne Unterrichtsgestaltung, die auch von der Regierung von Oberbayern als „absolut wertvoll“ erkannt würden, nicht umsetzt. „Aber das wird die Schule zurückwerfen, denn irgendwann werden Sie das brauchen“, zeigte er sich überzeugt. Hier hakte auch die GOL ein. „Natürlich ist das eine Riesensumme, Aber die Planung ist so wohltuend schnörkellos und ohne Luxus, dass ich keine Einsparungsmöglichkeiten sehe“, betonte Heidi Benda. Martina Thalmayr verwehrte sich gegen Einsparungen auf Kosten der Unterrichts- und Bildungsqualität und gab zudem zu bedenken: „Die Kurhausdiskussion hat uns gelehrt, was Sanierung bedeuten kann, nämlich immerfort weitere Kosten.“ Als „einzig vernünftige Lösung“ bezeichnete auch Rudolf Hofschneider (SPD) einen Neubau. Mit 18:3 Stimmen beschloss der Stadtrat nach eingehender Debatte „aus Gründen“ der Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit“ den Neubau der Schule und Sporthalle. Er gab dem Planer aber noch diverse Aspekte mit auf den Weg, die geprüft werden müssen. Wichtigste Vorgabe ist es nun, zu prüfen, ob der Schulneubau auf dem Norden des Areals errichtet werden kann, während der Schulbetrieb im bestehenden Gebäude bis zu dessen Fertigstellung weiterläuft. Des Weiteren soll planerisch dargestellt werden, ob die vorgesehenen Flächen für Radstellplätze und die Hausmeisterwohnung im Westen sowie die Parkplätze im Osten getauscht werden können. Hinzu kommt der Vorschlag von Johann Schweiger (CSU), den 1996 errichteten Gebäudeteil nicht abzureißen und an diesen den Neubau anzugliedern. Geprüft wird des Weiteren, ob die bestehende „Fahrradhalle“ erhalten bleiben kann. Für all diese Maßnahmen sind die Mehr- oder Minderkosten aufzuführen. Einen eigenen Themenkomplex bildete zudem das Willinger Schulhaus (Bericht folgt), zu dem Petra Keitz-Dimpfelmeier (SPD) bereits im vergangenen August einen Antrag gestellt hatte.

Artikel 6 von 11