Traunstein – Mit neuen Impulsen und Angeboten will der Verband Chiemgau Tourismus künftig vor allem die Vermieter noch stärker mit ins Boot holen und fit machen für künftige Herausforderungen. Wohin die Reise geht, behandelten beim Tourismustag im Kloster Seeon zwei Vorträge über die Buchungsplattform AirBnB und die Servicekultur. Der Tourismus sei nach wie vor unverzichtbar im Landkreis Traunstein, so Landrat Siegfried Walch als wiedergewählter Vorsitzender des Chiemgau Tourismus. Auf die immer noch diskutierte Fusion mit dem Tourismusverband Rosenheim angesprochen, erklärte Walch: „Wir halten nach wie vor die Hand ausgestreckt, wie der Bräutigam, der vor dem Altar wartet“. Auf Arbeitsebene werde längst unbürokratisch kooperiert. Eine Fusion gelinge aber nur, wenn es alle wollen. Deshalb sei es besser, wenn man sie „nicht darennt, sondern dawart“. Mit 4,1 Millionen Übernachtungen, über sechs Millionen Tagesgästen und mehr als einer halben Milliarde Euro Wertschöpfung sei der Tourismus ein wichtiger Baustein des Erfolgs für die Region. Durch die gute Infrastruktur sei er auch für die Unternehmen in Sachen Lebensqualität ein Standortvorteil im Ringen um Fachkräfte, so Walch. Den Weg in die Zukunft des Chiemgau Tourismus, die Digitalisierung und die „Vision 2030“ stellte Geschäftsführer Stephan Semmelmayr ins Zentrum seines Jahresberichts. Gut angekommen seien bei den Gästen die neuen Golf-, Brauerei- und Bergbahnkooperationen. Ebenso erfreulich sei die Resonanz auf das neue Logo. Mit der Siegsdorfer Petrusquelle und dem Anderlbauer aus Frasdorf werben bereits zwei Unternehmen auf ihren Etiketten damit als „Botschafter der Region“. Trotz der leicht gestiegenen Aufenthaltsdauer der Gäste von durchschnittlich 4,1 Tagen bereite der e Rückgang an Betten Kopfzerbrechen. Dieser sei vor allem darin begründet, „dass die betreffenden Angebote nicht mehr der Zeit entsprechen“, so Semmelmayr. Als Anregung an die Vermieter, wie man Gäste als Stammgäste gewinnen kann, hatte der Chiemgau Tourismus zusammen mit den Heimatzeitungen im Sommer die Portraitserie „Gesichter der Gastfreundschaft“ initiiert. Die Beispiele belegten, wie Gäste und Einheimische zueinander finden und beide von den persönlichen Begegnungen profitieren. Einige dieser „Gesichter“ stellten sich beim Tourismustag auf der Bühne vor. Als wesentliche Säulen der neuen „Vision 2030“ hob Semmelmayr vier Schwerpunkte hervor. So baue der Verband Netzwerke zu Experten und Unternehmen aus, um Kernzielgruppen besser zu erreichen. So geschehen etwa bei der Outdoormesse „Globeboot“ in Übersee, die 6000 Besucher für Produkttests nutzten. Ebenso seien fokussierte Weiterbildungsangebote für alle Betriebe bis hin zu einer Akademie, eine vertiefte Weiterentwicklung der Tourismus-Marke und neue Mobilitätskonzepte gerade für jüngere Urlauber wichtige Bausteine. Dass der Tourismus im Chiemgau auch von neuen Buchungsplattformen wie dem 2008 in San Francisco gegründeten Airbnb profitieren kann, erläuterte Carola Klampt aus Berlin. Die Managerin ist für Süddeutschland zuständig. Das aus einer Studenten-WG entstandene Unternehmen vermittelt heute in 191 Ländern rund 260 Millionen Gästeankünfte. In 30 Orten im Chiemgau gebe es Angebote für junge, technikaffine und erlebnishungrige Urlauber, bei denen „Authentizität“ hoch im Kurs steht. Klampt stellte als Beispiele ein Heu-Hotel in Inzell, ein „Bankversteck“ in einem alten Tresor in Waging oder das „Haus am See“ in Breitbrunn als gefragte Übernachtungsziele mit Mehrwert vor. Wie man mit einer zukunftsfähigen Servicekultur Kunden binden und einen deutlichen Mehrwert für Gäste und sich selbst als Gastronom schaffen kann: Dieser Betrachtung widmete sich Sabine Hübner, Managementberaterin, Buchautorin und Service-Expertin in ihrem praxisnahen und unterhaltsamen Vortrag. Ihre Kernaussage lautet, dass in einer zunehmend digitalisierten Welt künftig der Anspruch an persönliche Begegnungsqualität, Empathie und Servicekultur steigen und ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal sein wird. Als gegensätzliche Beispiele nannte Hübner ein nur von Robotern betriebenes „perfektes“ Hotel in New York und ein bereits in die Jahre gekommenes Hotel einer Kette, das vor allem aufgrund der Charme- und Ser-vice-Offensive des Personals immer noch ständig ausgebucht sei. Ein ausführliches Interview zu diesem Thema it Sabine Hübner folgt. eff