Prien – Eine Erbengemeinschaft will auf der früheren Mülldeponie des Landkreises in Urschalling mit einer Bad Reichenhaller Genossenschaft als Partner einen „Photovoltaik- (PV-) Park“ bauen. Der Bauausschuss des Marktgemeinderats hatte dieses Vorhaben zur regenerativen Energieerzeugung vor einem Jahr ausdrücklich begrüßt und die Bauvoranfrage befürwortet. Dann aber signalisierte das Landratsamt als Genehmigungsbehörde, dass eine Baugenehmigung im Außenbereich so nicht möglich sei. Der Antrag wurde zurückgezogen. Nun starteten die Eigentümer des eineinhalb Hektar großen Grundstücks, auf dem der PV-Park entstehen soll, einen neuen Anlauf. Mit einer Änderung des Flächennutzungsplans und der Aufstellung eines Bebauungsplans soll der rechtliche Rahmen für das Vorhaben geschaffen werden. Der Marktgemeinderat leitete beide Verfahren in seiner jüngsten Sitzung einstimmig und ohne Diskussion ein. Zweiter Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster durfte nicht mitstimmen. Er gehört zur Eigentümergemeinschaft. Die Mülldeponie westlich von Urschalling ist seit 1988 stillgelegt. Auf dem 33 000 Quadratmeter großen Areal wurden nach Angaben aus dem Landratsamt in Rosenheim 630 000 Kubikmeter Müll abgelagert. Die Eigentümer wollen den PV-Park mit der VR EnergieGenossenschaft Oberbayern Südost eG realisieren, die in Bad Reichenhall sitzt und zahlreiche PV-Anlagen auf Dächern betreibt, aber auch schon drei großflächige Solarparks in Laufen, Tittmoning und auf einer ehemaligen Mülldeponie in Freilassing. Die Anlage in Urschalling ist mit einer Spitzenleistung von 750 kWp konzipiert. Der erzeugte Strom soll über eine nahe Trafostation ins öffentliche Netz eingespeist werden. Dafür bekommen die Betreiber dann langfristig festgelegte Vergütungen. 750 kWp entsprechen einer maximalen Stromerzeugung von 750 000 Kilowattstunden (kWh) im Jahr. „Das entspricht einer Einsparung von 500 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Rechnerisch können damit 190 Vier-Personen-Haushalte mit regenerativer Energie versorgt werden“, erklärt Norbert Zollhauser, der Geschäftsführer der VR Energie-Genossenschaft. Der Urschallinger PV-Park wäre der zweite in der näheren Umgebung. Ende 2013 hatten fünf private Investoren in einer GmbH eine Anlage mit 4000 Modulen für 1,3 Millionen Euro am Bernauer Berg südlich der Autobahn realisiert. Dieser Solarpark ist auf einen jährlichen Energieertrag von einer Million kWh ausgelegt, was rechnerisch dem Bedarf von bis zu 400 Vier-Personen-Haushalten entspricht. db