Wasserburg – Der Wertstoffhof in Wasserburg wird im kommenden Jahr tagsüber nicht mehr durchgehend geöffnet sein. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Stadtrates beschlossen. Nicht jeder Stadtrat war damit einverstanden. Montags geschlossen, Dienstag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 14 Uhr – das waren bisher die Öffnungszeiten des Wertstoffhofes an der Landwehrstraße. Insgesamt 46 Stunden hatten die Wasserburgerinnen und Wasserburger demnach Zeit, ihren Müll zu entsorgen. Ein paar Stunden weniger werden es künftig sein. Das neue Modell sieht folgenden Öffnungszeiten vor: Montags bleibt geschlossen, dienstags bis freitags geöffnet von 8 bis 13 und von 14 bis 17.30 Uhr, samstags geöffnet von 8 bis 13.30 Uhr – macht ein Minus von sechseinhalb Stunden. Dass das so ist, ist vor allem den immer größer werdenden Anforderungen an das Personal geschuldet. Um die arbeits- und sicherheitsrechtlichen Vorgaben im Rahmen der aktuellen Öffnungszeiten einhalten zu können, sei eine permanente Doppelbesetzung nötig, erklärte Bürgermeister Michael Kölbl. „Selbstverständlich wäre es mir lieber, die alten Öffnungszeiten beizubehalten. Aber wir haben wirklich lange diskutiert, sind viele Varianten durchgegangen: Um den Anforderungen gerecht zu werden und den Kostenrahmen einzuhalten, müssen wir die Öffnungszeiten anpassen“. Um beispielsweise das sogenannte A IV-Holz – hier handelt es sich um ein mit Holzschutzmitteln behandeltes Altholz – entsorgen zu können, müssten mindestens zwei Mitarbeiter am Wertstoffhof zugegen sein. „Um diese Doppelbesetzung gewährleisten zu können, werden wir eventuell eine zusätzliche Aushilfe einstellten“, erklärte der Bürgermeister. Christine Mayerhofer (SPD) konnte sich mit dem neuen Modell nicht anfreunden. Ob es nicht möglich sei, die Holzannahme nur zu bestimmen Zeiten zu ermöglichen? „Da haben die Mitarbeiter Bedenken“, hielt Kölbl dagegen. „Es gibt nur Ärger, wenn man das Holz nur an einem Tag annimmt“, Beschwerden seien vorprogrammiert. Wolfgang Janeczka (SPD) fragte, ob denn wirklich kein Weg an der Stundenreduzierung vorbeiführe, „denn die Servicequalität verbessert sich dadurch natürlich nicht“. Er habe Verständnis für diesen Schritt, glücklich darüber sei er allerdings nicht. „Wenn ich auf dem Bauhof etwas abgeben will, müssen immer zwei Mitarbeiter da sein – das ist doch ein Witz“, ärgerte sich Peter Stenger (SPD). Ähnlich sah es Friederike Kayser-Büker (SPD). „Derartige Vorschriften machen mich wütend“, sagte sie, vor allem wenn man bedenke, dass man beispielsweise Pflegekräften schon zumute, alleine auf Station zu sein. Sie regte an, zumindest den Altpapiercontainer außerhalb des Wertstoffhofes aufzustellen. „Presscontainer dürfen wird nicht rausstellen“, hielt Kölbl dagegen. Marlene Hof-Hippke (SPD) erklärte, auf jeden Fall gegen den Beschlussvorschlag stimmen zu wollen, auch deshalb, „weil die neuen geplanten Öffnungszeiten für Gewerbetreibende äußerst ungünstig sind. Wann sollen denn die ihre Wertstoffe abgeben, wenn mittags zu ist?“ Der Werststoffhof sei in der Frühe am meisten frequentiert, so Kölbl, „das haben uns auch die Mitarbeiter bestätigt“. Unterstützung bekam der Bürgermeister von Wolfgang Schmid (CSU). „Ich finde es tolle, wie das jetzt gelöst ist. An diese Zeiten kann man sich gewöhnen. Ich denke, es bleibt immer noch genügend Zeit, den Abfall zu entsorgen“. Das sei beispielsweise in einigen Umlandgemeinden weitaus schwieriger. Derweil brach Andreas Aß (CSU) eine Lanze für das Personal: „Was für uns gilt, soll auch für die Wertstoffhofmitarbeiter gelten: Jeder von uns macht seine Mittagspause, ohne lange darüber nachzudenken – das ist ein Muss. Wir sollten schon ein bisschen Respekt vor unserem Personal haben.“ Am Ende der Debatte wurden die neuen Öffnungszeiten des Wertstoffhofs mit 17 zu fünf Stimmen beschlossen. Sie gelten ab dem 1. Januar 2018.