Bernau – Ein überaus arbeitsreiches, bescheidenes und gläubiges Leben führte Christian Kaufmann in Giebing, der im Kreise seiner Familie und mit seinen letzten Worten „Pfüa God“ im Alter von 86 Jahren verstarb. Welch hoher Beliebtheit und Wertschätzung er sich zu Lebzeiten erfreut hatte, zeigte die große Beteiligung an der Trauerfeier in der Ortskirche St. Bartholomäus, deren Plätze ebenso wenig ausreichten wie die im benachbarten Pfarrheim. Pfarrer Klaus Hofstetter, der das Requiem zusammen mit dem Hittenkirchener Trachtenvereinsmitglied Josef Steindlmüller feierte, erinnerte in seinem Rückblick an das Leben von Christian Kaufmann. Er habe es „sein Lebtag lang als Verpflichtung angesehen, sich für die Familie, für die Landwirtschaft, für die Gemeinde, für die Kirche, für die Vereine und für das Ehrenamt zu engagieren. Und er tat dies in beispielhafter Konsequenz, bis ins hohe Alter und im Übermaß“. Im Nachruf am offenen Grab würdigte Florian Wörndl, Zweiter Vorstand des Trachtenvereins, den verstorbenen Ehrenvorsitzenden mit den Worten: „Der Verlust für unseren Verein ist immens, doch wollen wir heute dankbar und froh sein, dass wir mit Christian Kaufmann einen so guten Strategen mit enormer Schaffenskraft hatten“. Kaufmann war fast 70 Jahre Mitglied beim Trachtenverein „Almenrausch“ Hittenkirchen, 1949 übernahm er das Amt des Kassiers, ab 1950 war er für zehn Jahre bis zur Hochzeit mit seiner Notburga Vorplattler, ab 1962 war er Zweiter Vorstand, von 1967 bis 2000 war er 33 Jahre Erster Vorstand, dann übergab er das Amt an seinen Sohn Christoph, der ihn mit Freude und Zustimmung des ganzen Vereins 2001 zum Ehrenvorsitzenden ernennen konnte. „Kaufmann war uns Vorbild mit seiner intakten Trachtlerfamilie,“ so Wörndl. „Er wirkte bei vier Gaufesten des Chiemgau-Alpenverbandes in den Jahren 1952, 1971, 1986 und 2011 als Vorplattler, Vorstand und Ehrenvorstand in starker Weise mit. Eine Sternstunde für den Verein war 1975 der Bau des Trachtenheims, das auf seine Initiative zurückging. Bis zuletzt war er Bauherr, Manager, Wirt und Hausmeister.“ Für den Chiemgau-Alpenverband würdigte Gauvorstand Miche Huber das Engagement von Kaufmann, der 16 Jahre von 1958 bis 1965 und von 1968 bis 1977 in der Gauvorstandschaft mitwirkte. „Jung und Oid mitanand – dieser Wahlspruch des Gauverbandes wurde von Christian Kaufmann vorgelebt, deshalb, aber auch für seine vielen Ratschläge wurde er 1996 zum Ehrenmitglied ernannt und 1985 mit dem Goldenen Verdienstzeichen in Gold und damit mit der höchsten Auszeichnung des Chiemgau-Alpenverbandes geehrt“, so Huber. Bürgermeister Philipp Bernhofer erinnerte in seinem Nachruf an den Einsatz von Christian Kaufmann für das Gemeinde- und Gemeinwohl. „Kaufmann war von 1966 bis 1996 in Hittenkirchen und Bernau Gemeinderat, er war Vorsitzender vom Wasserbeschaffungsverband Giebing von 1978 bis 1998, er war für die Gemeinde Bernau ein wertvoller Partner bei der Gebietsreform 1978 und er war auch nach der Eingemeindung ein aktiver Vertreter für die Belange der Altgemeinde, insbesondere von 1984 bis 1996 als Dritter Bürgermeister.“ Aufgrund der vielen Verdienste erhielt Christian Kaufmann, wie Bernhofer zurückblickte, das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten, die Kommunale Dankurkunde und die Kommunale Verdienstmedaille und 1996 die Bernauer Bürgermedaille. „Mir war es nicht gegönnt, Christian Kaufmann länger zu kennen“, so der Bürgermeister. „Aber bereits bei meinem Dienstantritt vor drei Jahren erkannte ich in ihm einen Gesprächspartner, der mir helfen will, Hittenkirchen zu verstehen.“ Und Bernhofer weiter: „Der Mensch Christian Kaufmann war aufrichtig, gerade heraus, der seine Meinung und Zusammenhänge erklärte, dabei zurückhaltend und verständnisvoll sowie scharf bei Verstand und reich an Lebensweisheit war“. Für den CSU-Ortsverband Bernau-Hittenkirchen dankte Vorsitzende Irene Biebl-Daiber für Verbundenheit und Mitgliedschaft seit 1961. Der Rinderzuchtverband Traunstein erinnerte durch seinen Vorsitzenden Hubert Hartl an das solide und starke Engagement von Christian Kaufmann, der 21 Jahre im Ausschuss und 12 Jahre Zweiter Vorsitzender war. In diese Zeit fiel auch die Gründung der Viehzuchtgenossenschaft (VZG) Rosenheim-Ost. Wie dessen Vorsitzender Johann Mayer ausführte, war Kaufmann 1977 treibende Kraft als Gründungsvorstand, die erste Tierschau 1979 in Hohenaschau wurde von ihm organisiert. „Christian Kaufmann hat die VZG Rosenheim-Ost geprägt, er war ein hoch geschätzter Ehrenvorsitzender“, so Mayer. In einem weiteren Nachruf sagte der Geschäftsführer und Priener Hauptgeschäftsstellenleiter Christian Denk für der Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim Chiemsee Dankesworte namens des Vorstands, des Aufsichtsrates und der Mitglieder. „Herr Kaufmann war 28 Jahre im Aufsichtsrat. Er hat viele notwendige Veränderungen mitgetragen, ihm haben wir viel zu verdanken“, so Denk. Seit 1961 pflegte Kaufmann mit dem Heimat- und Trachtenbund Bräunlingen im Schwarzwald eine tiefe Freundschaft. Dessen Vorsitzender Hartmut Müller sagte ein „Vergelt´s Gott“ hierfür und erinnerte daran, dass Christian Kaufmann das bislang einzige Ehrenmitglied im Bräunlinger Verein ist. Die musikalische Gestaltung der Trauerfeierlichkeiten übernahmen der Kirchenchor, der Fraueninsel-Viergesang mit Willi Weitzel an der Zither sowie die Wildenwarter Blasmusikant. hö