landkreis Mühldorf

Werkstück ist der Mensch

von Redaktion

Mühldorf – Mit einem Festakt hat der Campus Mühldorf offiziell die Arbeit aufgenommen. Seit Oktober studieren dort 280 Frauen und Männer im Lehrangebot der Hochschule Rosenheim. „Quirlig und lebendig“ nannte Hochschulpräsident Prof. Heinrich Köster den Hochschulstandort Mühldorf, „ein gutes Zeichen für die Zukunft“ der jungen Einrichtung. Köster nannte den Campus einem „anwendungsorientierten Wissenschaftsstandort mit dem Schwerpunkt Soziales und Medizin“. Auf diesem Feld habe er gute Perspektiven. Minister Dr. Marcel Huber ging auf die Hintergründe der relativ jungen dezentralen Hochulangebote ein. Er betonte, dass es keine wissenschaftlichen Gründe gegeben habe, Hochschuldependenzen zu gründen. Er nannte politische Überlegungen, die zur Regionalisierungsstrategie geführt hätten. Junge Menschen verließen ländliche Regionen zum Studium und kehrten nicht zurück. „Das schwächt die Regionen.“ Dem soll die Regionalisierungsstrategie vorbeugen, deren Teil der Campus ist. Inzwischen haben mehrere bayerische Hochschule Außenstellen gegründet. Auf das große Potenzial für die Region und die Hochschule wies Mühldorfs Bürgermeisterin. Marianne Zollner hin. „Ich sehe es als riesige Chance, den Studiengang soziale Arbeit hier zu installieren.“ Es sei ein moderner und aktuell zur Gesellschaft passender Studiengang. Für Landrat Georg Huber gehört der Campus zum umfassenden Bildungsangebot im Landkreis, das sich in den letzten Jahren auf allen Ebenen entwickelt habe. Vor allem auf die berufliche Weiterbildung müsse noch stärker Wert gelegt werden, deshalb seien berufsbegleitende Studiengänge so wichtig. Franz Langstein, stellvertretender Vorsitzender des Beirats der Hochschule für Soziale Arbeit, und einer der Initiatoren des Studiengangs Soziale Arbeit, sagte, dass sich Sozialarbeiter, künftig verstärkt um sozial schwache Menschen kümmern müssten, die mit der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung nicht standhielten. Eine wichtige Aufgabe sei die enge Zusammenarbeit mit dem Gesundheitssektor, Langstein nannte als Beispiel psychische Erkrankungen. Es gehe um Hilfe zur Selbsthilfe, um Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen. „Unser Werkstück ist nicht Holz oder Kunststoff, sondern der Mensch“, sagte er mit Blick auf die Hochschule, der Markenzeichen nach wie vor der Studiengang Holz ist. Dekanin Sabine Etlicher, Dekanin sieht gute Berufsaussichten für künftige Sozialarbeiter. Sie stellten die viertgrößte Beschäftigungsgruppe in Deutschland. Wegen der hohen Fluktuation und der steigenden Bedürftigen – Elticher nannte Flüchtlinge und die älter werdende Gesellschaft – gebe sehr gute Aussichten für Studienabsolventen. Die Nachfrage sei in den letzten Jahren um das 2,5-fache gestiegen. Der Campus ist derzeit im ehemaligen Gebäude des Pressevertriebs Zöttl im Gewerbegebiet Mühldorf untergerbacht, das der Firma Demmelhuber gehört. In den renovierten Räumen studieren 280 Frauen und Männer in den Studiengängen Pflege, Pädagogik der Kindheit und Jugend, Maschinenbau, Betriebswirtschaft und seit diesem Herbst Soziale Arbeit. Laut Hochschulpräsident Köster ist der Studiengang Teil des Portfolios, das zur Weiterentwicklung der Hochschule beitragen soll. Er nannte bis zu 10 000 Studenten, die an der Hochschule Rosenheim studieren könnten, dazu sei ein breiteres Angebot notwendig. Prof. Edeltraud Botzum, Studiengangsleiterin Soziale Arbeit, machte in ihrem Fachvortrag zum Thema Partizipaiton klar, dass es der Sozialarbeit nicht wie früher primär um Fürsorge für Bedürftige gehe. Es sei vielmehr die Aufgabe, Menschen fähig zu machen, sich selbst zu helfen. Es gehe darum, Menschen Beteiligung, Mitentscheidung und Selbstständigkeit zu ermöglichen. Das Streichquartett der Hochschule umrahmte den Festakt musikalisch. hon

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