landkreis Mühldorf

Frust und Hoffnung

von Redaktion

Waldkraiburg – Wie geht es weiter mit den Vereinen im „freiraum 36“? Welche Konsequenzen hat der Aufsichtsratsbeschluss der Stadtbau GmbH, das Gebäude in der Aussiger Straße 36 aufgrund des hohen Aufwands nicht dauerhaft als Vereinshaus zu ertüchtigen, aber die Voraussetzung für eine Interimsnutzung von höchstens drei Jahren zu schaffen (wir berichteten)? Diese Fragen beschäftigte die Vorstandschaft des gleichnamigen Trägervereins in einer Sitzung am Dienstagabend. Auch Robert Pötzsch, Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtbau, war dazu gestoßen, um den Aufsichtsratsbeschluss zu erläutern. Dieser sieht unter anderem vor, die brandschutztechnischen Mängel so weit abzustellen, dass die Interimslösung möglich wird und die Vereine nicht von heute auf morgen auf der Straße stehen. Zur Refinanzierung sollen die Mieter, mehrere Vereine, Einrichtungen wie der AK Asyl und private Nutzer, ab 1. Januar 2,20 Euro Mieter pro Quadratmeter zahlen. Zu den betroffenen Vereinen, die zum Teil schon seit Jahren immer wieder auf der Suche nach geeigneten Vereinsräumen waren, gehören die Pfadfinder und die Lucky Line Dancer, der Theaterverein Stadttheater Waldkraiburg, der Tanzsportclub Weiß-Blau oder der Verein Kaleidoskop. „Wir zahlen bisher 372 Euro Miete, künftig müssten wir doppelt so viel aufbringen. Das können wir nicht bezahlen“, sagt etwa Irmgard Sauter-Hartmann vom Kaleidoskop e. V., der im Obergeschoss vier Räume belegt. Der Verein will einen Ort der Begegnung schaffen und Integrationsprojekte ermöglichen. „Da haben wir ja keine Einnahmen“, so Sauter-Hartmann, die die Entscheidung mit großer Enttäuschung aufnimmt. Sie müsse das jetzt gemeinsam mit ihrem Team besprechen und durchrechnen. Dann werde sich herausstellen, „ob wir reduzieren oder aufgeben“. Nach ihren Worten stand auch der Verein „Frauen helfen Frauen“, der aus den Räumen am Stadtplatz ausziehen muss, kurz vor dem Wechsel in den „freiraum 36“. Die Frage sei, ob sich ein Umzug für drei Jahre noch rentiert. Wie Richard Fischer, Zweiter Bürgermeister und Vorsitzender des Trägervereins betont, ist es aber weiter möglich, dass sich Vereine oder auch private Interessen im „freiraum 36“ bis 2020 einmieten. Für die kleineren Vereine „wird es sicher schwierig“, fürchtet Anna Kebinger, Vorsitzende des TSC Weiß-Blau. Bislang sei der Tanzsportclub, mit rund 450 Mitgliedern der größte Verein im Haus, mit plus-minus Null rausgekommen. Bei einer Miete von 2,20 Euro werde sich das ändern, muss der Verein entweder an dei Rücklagen gehen oder die Mitgliedsbeiträge erhöhen. Kebinger will zwar die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich doch noch eine langfristige Lösung findet. In drei Jahren könne viel passieren. Doch sie sagt: „Wir müssen zweigleisig fahren“, das heißt, auch der TSC muss sich auf die Suche nach einer Raumalternative machen. Richard Fischer sieht die Verantwortung bei der Stadt und beim Trägerverein, den Mietern Hilfestellung bei der Suche nach Räumen zu geben. Die Interimslösung, die die Stadtbau ermöglicht, sieht Fischer, der ebenfalls im Aufsichtsrat der GmbH sitzt, als ein Zugeständnis. In Anbetracht der aktuellen Finanzlage der Stadt spricht er von einem „fairen Angebot“. Obwohl die Suche nach Sponsoren bislang erfolglos blieb, hat er die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. „Es müsste halt einer kommen, der sagt: Ich steige ein als Investor und nutze das obere Stockwerk selbst.“ Wie sich die Vereine und der Trägerverein für die Zukunft aufstellen, soll in einer Versammlung am Montag, 8. Januar, besprochen werden. Das Ziel war ursprünglich, dass der Trägerverein die Verwaltung des Hauses und die Vermietung der Räume komplett übernimmt. In der Versammlung gehe es auch darum, ob und wie die Aufgaben neu definiert werden. Die Versammlung beginnt um 19 Uhr im „freiraum 36“. hg

Artikel 5 von 11