Berlin – Den Krankenkassen von rund 15 Millionen gesetzlich Versicherten droht laut Barmer binnen weniger Jahre das Aus. „Das Finanzierungssystem der gesetzlichen Krankenversicherung befindet sich in einer deutlichen Schieflage“, sagte Barmer-Chef Christoph Straub am Mittwoch in Berlin. Rund ein halbes Dutzend Krankenkassen stehen laut Straub deshalb möglicherweise absehbar vor einer Schließung oder Insolvenz. „Eine solche Entwicklung könnte in der laufenden Legislaturperiode eintreten.“ Um welche Kassen es sich handelt, sagte Straub nicht.
Hauptargument des Barmer-Chefs: Die einzelnen Versicherungen lägen bei ihrem Vermögen weit auseinander. Vor allem wegen der hohen Beitragseinnahmen infolge der guten Konjunktur falle dies derzeit nicht auf. Doch in schlechteren Zeiten könnten die vermögenden Kassen ihre Beiträge länger stabil halten, die mit knappen Mitteln müssten dagegen schnell erhöhen. Dort droht demnach dann vielfach eine Abwärtsspirale.
Das Problem laut dem Barmer-Chef: ein ungerechter Finanzausgleich zwischen den Kassen. Die Regeln, nach denen die Geldströme aus dem Gesundheitsfonds an die Einzelkasse fließen, sorgen schon länger für Diskussionen. Für kranke, teure Versicherte bekommen die Kassen mehr Geld als für junge Gesunde. Ersatzkassen wie TK oder Barmer, Betriebs- und Innungskassen sehen sich benachteiligt und die AOK deutlich bevorzugt. Eine Reform des Finanzausgleichs ist von wissenschaftlichen Beratern angedacht, mangels neuer Regierung derzeit aber nicht absehbar.