Nürnberg – Nach langem Streit zwischen CDU und CSU bis ins Bundestagswahljahr hinein haben die Parteivorsitzenden Angela Merkel und Horst Seehofer die Eingkeit der Schwesterparteien beschworen. „Stark sind CDU und CSU besonders immer dann, wenn sie einig sind“, sagte Merkel am Freitag auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg. „Deswegen lohnt es sich, für diese Einigkeit zu ringen, zu kämpfen.“ Seehofer betonte: „Wir sind geschlossen wie schon lange nicht mehr – und das ist ein ganz großer Wert.“
Die Kanzlerin wurde trotz des zurückliegenden Streits über die Flüchtlingspolitik mit rhythmischem Applaus empfangen. „Es waren keine einfachen Zeiten für CDU und CSU“, sagte sie. Dies habe auch gezeigt, dass es sich die Union nicht leicht mache, wenn es um wichtige Fragen gehe. Die Debatten hätten sich aber auf die Bundestagswahl ausgewirkt. Deswegen sei es wichtig, dass die Union miteinander gerungen und nun Gemeinsamkeit in den inhaltlichen Positionen gefunden habe. Das gemeinsame Regelwerk zur Migration stelle nun sicher, dass man in Zukunft Zuwanderung ordnen und steuern könne, betonte Merkel.
Demonstrative Harmonie wurde auch innerhalb der CSU zwischen den Kontrahenten Horst Seehofer und Markus Söder verbreitet. „Wir blicken jetzt nach vorn“, sagte Söder, der Seehofer im Frühjahr als Ministerpräsident ablösen soll. Er sprach von einer „Verantwortungsgemeinschaft“. Seehofer erklärte: „Vertrauen der Bevölkerung zu erlangen, ist immer eine schwierige Angelegenheit, verlangt höchsten Einsatz, verlangt Zuverlässigkeit, verlangt eine klare inhaltliche Politik.“ In der CSU hatte das historisch schlechte Ergebnis bei der Bundestagswahl mit 38,8 Prozent intensive Debatten ausgelöst.
Seehofer stellt sich am heutigen Samstag als Parteichef zur Wiederwahl. Mit Spannung wird erwartet, welches Ergebnis der 68-Jährige nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen erhält. Im Jahr 2015 hatte er 87,2 Prozent bekommen – das bislang schlechteste Ergebnis für den amtierenden Parteichef. cd/dor