Prien – Wer mit der Bahn fährt, muss mit Verspätungen rechnen. Wer mit der Bahn verhandelt, auch. Der Markt Prien will nach jahrelanger Hängepartie jetzt nicht mehr darauf warten, dass sich die Konzernspitze in Berlin zur Zukunft eines kleinen Grundstücks in Prien äußert, und möchte 2018 anfangen, das Umfeld des Bahnhofs neu zu gestalten.
In seiner Jahresabschlusssitzung hat der Marktgemeinderat einen Vorentwurf für den Bebauungsplan „Bahnhofsumfeld-West“ gebilligt. Das hatte das Gremium im Juli schon einmal getan. Der erste Vorentwurf stammt sogar aus dem Dezember 2015. Nach Verhandlungen mit privaten Grundstückseigentümern hatten sich zuletzt nochmal ein paar Änderungen im Detail ergeben, erklärten Bürgermeister Jürgen Seifert und Bauamtsleiter Thomas Lindner die neuerliche Vorlage.
Grundlage ist nach wie vor der Siegerentwurf des Büros Lohrer Hochrein aus München aus einem Architektenwettbewerb des Marktes Prien 2013. Er war eine Vorgabe für die Aufnahme in das Förderprogramm Stadtumbau-West. Mit Geldern aus diesem Topf hat Prien inzwischen das Umfeld des Heimatmuseums umgestaltet, der dritte und letzte Bauabschnitt wurde vor Wochen beendet. Auf dem Bahnhofsgelände zwischen Seestraße und Sparkasse ging dagegen Jahre lang nichts Sichtbares weiter. Allerdings hat der Markt Prien in der Zwischenzeit einige Teilflächen gekauft, um seine Planungshoheit auszuweiten, und hat sich per Vertrag ein 25-jähriges Nutzungsrecht für den Bahnhofsvorplatz gesichert.
Der Bremsklotz ist der gebührenpflichtige Parkplatz zwischen Bahnhofsgebäude und Seestraße. Er gehört der Bahn. Um dieses Grundstück überplanen zu dürfen, braucht der Markt Prien zunächst einen sogenannten Entbehrlichkeitsbeschluss. Den muss laut Seifert die Konzernspitze in Berlin fällen, damit das Grundstück an den Markt Prien verkauft werden darf. Mehrmals hat der Bürgermeister nachgehakt, nicht immer in freundlichem Ton, aber bisher immer ohne Erfolg.
Im Juli war Seifert sogar in die Hauptstadt geflogen, Gesprächstermine mit drei maßgeblichen Bahnmitarbeitern seien vereinbart gewesen. Der erste habe dann einen Bandscheibenvorfall bekommen, der zweite wegen eines anderen, dringenden Termins kurzfristig abgesagt, und der dritte habe sich zunächst in die Zahlen einarbeiten wollen, berichtete Seifert nun im Marktgemeinderat von der gescheiterten Mission. „Ich bin selten so an meine Grenzen gestoßen wie in diesem Fall und das liegt nur an der Bahn“, klagte Seifert.
Wegen der unsicheren Lage hatte die Gemeinde den längst beschlossenen Bau des Minikreisels an der Kreuzung See-/Hochriesstraße jahrelang vor sich her geschoben. Der fraktionsübergreifende runde Tisch Verkehr hatte dann den Anstoß für den Beschluss gegeben, den kleinen Kreisverkehr noch heuer zu bauen.
Seit einigen Wochen liege der Bahn ein neues, zweites Kaufangebot für das noch nicht entbehrliche Grundstück vor, bestätigte Seifert auf Nachfrage der Redaktion. Grundstücke sind in Prien in den letzten Jahren allerdings nicht billiger geworden. Denkbar ist also auch, dass die Bahn sich wegen der ständig steigenden Preise Zeit lässt.
In seiner Haushaltsklausur Ende Oktober hatte der Marktgemeinderat angesichts der Hängepartie beschlossen, nicht mehr, wie bisher angestrebt, im Norden mit der Neugestaltung zu beginnen, sondern sich stattdessen nun auf den südlichen Teil zu konzentrieren.
375 000 Euro stehen nun im Haushalt für 2018. Weil der Staat im Förderprogramm Stadtumbau-West 50 Prozent der Kosten zuschießt, könnten also theoretisch Einzelmaßnahmen für 750 000 Euro durchgeführt werden. Im Fokus stehen nun der Busbahnhof und ein sogenanntes Kopfgebäude, das diesen von der Hochriesstraße trennt. Das Grundstück zwischen „Alter Post“ und Sparkasse, das heute als öffentlicher Parkplatz genutzt wird, soll Seifert zufolge für den Bau dieses Hauses verkauft werden.
Über die Gestaltung des Busbahnhofs ist noch längst nicht das letzte Wort gesprochen. Die alten Lagerhallen aus Holz hatte der Markt Prien vor Jahren schon vorsorglich gekauft, sie stehen inzwischen leer und werden dann abgerissen. Die bisherigen Überlegungen zielten darauf ab, an ihrer Stelle einen überdachten Wartebereich zu bauen.
„Wir können Planreife für wesentliche Bestandteile herstellen, das ist unser Ziel“, erklärte Seifert den Zweck, das Bebauungsplanverfahren jetzt endlich voranzutreiben. Denn ein Paragraf im Baugesetz eröffnet die Möglichkeit, Einzelmaßnahmen zu verwirklichen, wenn eine solche Planreife besteht, aber die formelle rechtliche Grundlage für das Gesamtgebiet durch eine Bebauungsplansatzung noch nicht gegeben ist.
Bisher wurden alle Beschlüsse in Sachen Bahnhofsareal einstimmig gefasst – diesmal nicht mehr. Peter Fischer (ÜWG) stimmte dagegen, weil ihm nach längerem Nachdenken die Planung für ein Parkhaus zwischen Sparkassenareal und Gleisen nicht mehr gefällt. Das Areal sei zu wertvoll für diesen Zweck. Er würde Flächen für Gewerbe bevorzugen. Andere aus dem Gremium hielten ihm entgegen, dass ja in drei geplanten Gebäuden Gewerbeflächen vorgesehen seien und neues Gewerbe ja gerade auch Parkplätze brauche.
Ein mögliches Parkhaus an dieser Stelle war seinerzeit eine der gemeindlichen Vorgaben im Architektenwettbewerb. Angestrebt werden 500 Stellplätze, damit kleinere Parkflächen an anderer Stelle aufgelöst und der innerörtliche Parksuchverkehr reduziert werden können.
Interesse, als Investor aufzutreten, habe eine Tochtergesellschaft des Bahnkonzerns bekundet, verriet Seifert der Heimatzeitung. Ein zuständiger Manager sollte einer Delegation angehören, deren Kommen im Oktober kurzfristig abgesagt worden war. Nach dessen Aussage besteht Seifert zufolge nach wie vor Interesse, wenn diese Parkanlage nahe genug am Ausstieg der Züge liegt und die übrigen Rahmenbedingungen passen – was auch immer damit gemeint ist. db