chiemgau

Gemeinschaftsunterkunft positives Beispiel

von Redaktion

Chieming – Gut ein Jahr nach ihrer Eröffnung hat Regierungsdirektor Ulrich Stemmler, zuständig für die Gemeinschaftsunterkünfte in ganz Oberbayern, die Einrichtung in Chieming besucht. Ein Positivbeispiel, findet er. Und nicht nur er. „Es ist ein Glück, dass die Unterkunft hier so gebaut wurde“, betonte Bürgermeister Benno Graf im Rahmen des Besuchs. Im Garten der Gemeinschaftsunterkunft steht ein geschmückter Christbaum, lachende Kinder laufen mit ihren Schulranzen über den Hof. „Manchmal kommen auch Nachbarskinder vorbei, um ihre Schulfreunde zu besuchen und spielen gemeinsam auf unserem Spielplatz“, berichtet Sebastian Aschl, Vermieter des Gebäudes und zugleich Verwaltungsleiter der Firma „European Homecare GmbH“ (EHC), dem für diese Unterkunft beauftragten Dienstleister. Ende September 2016 kamen die ersten Bewohner an, mittlerweile leben mehr als 70 Menschen aus sieben Nationen in der Unterkunft am Chiemsee, darunter gut 50 Kinder. Jeder Familie steht im Haus eine eigene Wohneinheit zur Verfügung, die ihnen Privatsphäre verschafft. Die Fußbodenheizung ist nicht nur angenehm, sie spart auf lange Sicht auch Energie. Der große Gemeinschaftsraum im Keller ist mit Tafel und Schultischen ausgestattet. Die Kindern machen hier ihre Hausaufgaben. Doch diese positive Stimmung war nicht immer selbstverständlich. Zu Beginn zeigte sich auch Widerstand in der Bevölkerung: Unbekannte sprühten Graffiti an die Wände und zerkratzten Autos. Mittlerweile gibt es allerdings kaum noch Kritiker im Ort, denn die Asylsuchenden fallen nicht negativ auf, ganz im Gegenteil. Bürgermeister Benno Graf spricht von einem Vorzeigeprojekt, das dank der Hilfe vieler funktioniere. In der Tat führt die intensive Zusammenarbeit von Unterkunftsverwaltung, Asylsozialberatung der Diakonie, Ehrenamtlichen, Gemeinde und Schule zur Integration, wo diese möglich ist: Die Asylsuchenden spielen im Sportverein, engagieren sich in der Kirche und packen beim Aufstellen eines Maibaums mit an; einige konnten auch eine Arbeitsstelle am Bauhof oder in der örtlichen Gastronomie annehmen. „Die Ehrenamtlichen werden häufig – und natürlich zu Recht – für ihren Einsatz in den Asylunterkünften gelobt, unser Dank muss aber auch den Hauptamtlichen gelten, also den Dienstleistern, den Beschäftigten der Asylsozialberatung sowie meinen Mitarbeitern, die für ganz Oberbayern arbeiten und teilweise weniger günstige Umstände bewältigen müssen als hier“, betont Regierungsdirektor Stemmler. Es sei insbesondere der engagierten Aufgabenerfüllung von Verwaltungsleitern, -mitarbeitern und Hausmeistern zu verdanken, wenn alltägliche Probleme – von der Beachtung der Hausordnung über den Brandschutz bis zur Mülltrennung – überschaubar bleiben. Ohne regelmäßige Kontrollen und klare Regeln gehe es dabei nicht. Auf diese Weise werden aber auch gute Rahmenbedingungen für Ehrenamtliche geschaffen, die hier beispielsweise Hausaufgabenhilfe leisten. Somit profitierten am Ende alle: Die Aktiven, die Bürger und natürlich die Asylsuchenden selbst.

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