Wasserburg – Über das Beschulungsangebot für berufsschulpflichtige Asylbewerber im Landkreis Rosenheim sprach der Leiter des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums Wasserburg, Gerhard Heindl, bei der VHS Wasserburg. Sein Institut ist im Verbund mit der Berufsschule Bad Aibling und den Berufsschulen I und II in Rosenheim.
Es besteht ein Angebot für alle Kinder und Jugendlichen zum Erwerb der deutschen Sprache mit anschließender Beschulung in den Regelklassen der beteiligten Schulen. Für berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge ist eine zweijährige Berufsintegrations-Schulung vorgesehen, wobei das erste Schuljahr die Sprachvermittlung in rein schulischer Form vorsieht, hingegen das zweite Jahr im Wechsel von Praktikum und Schule gestaltet wird. Nach entsprechenden Tests können auch Schüler bis 25 daran teilnehmen. In den Berufsschulen des Landkreises werden gegenwärtig 33 Klassen im ersten Jahr und 20 Klassen im zweiten Jahr angeboten, wobei die Berufsschule Wasserburg bei weitem den größten Anteil schultert. Hinzu kommen eine Klasse in der Fachoberschule (FOS) Rosenheim sowie zwei Klassen an der FOS Wasserburg.
Als übergreifendes Ziel aller Angebote formulierte Gerhard Heindl, „den Migranten zur sprachlichen und beruflichen Handlungsfähigkeit zu verhelfen, um ihre Integration in Sinne von gesellschaftlicher Teilhabe und Chancengleichheit zu gewährleisten.“ Im Mittelpunkt stünden alltägliche und fachlich-berufliche Handlungssituationen, die einen unmittelbaren Spracherwerb befördern. Als verpflichtende Fächer werden deutsche Sprache, Einführung in das Bildungssystem und die Berufswelt, Mathematik, ethisches Handeln und Kommunikation sowie Sozialkunde unterrichtet. Das Unterrichtsjahr wird begleitet von einer steten Überprüfung der Deutschkenntnisse, einer engmaschigen Schüler-Beobachtung, regelmäßigen Lernziel-Kontrollen und Teambesprechungen. Mit Tests, Leistungsbescheinigungen sowie Halbjahres- und Abgangszeugnissen werden die Lernfortschritte der Schüler erfasst und bescheinigt. Das Aufnahmeverfahren und die Verteilung der Berufsschüler im Landkreis treffen die vier Institute in enger Absprache untereinander. So habe es sich ergeben, berichtet Gerhard Heindl, dass man in der Wasserburger Berufsschule in den vergangenen vier Jahren nahezu eine eigene Schule für Asylsuchende aufgebaut habe, in der 26 Klassen und zusätzlich 14 Schüler aus dem Landkreis Ebersberg unterrichtet werden. „Bei uns an der Berufsschule unterrichten 83 Lehrkräfte“, so Gerhard Heindl, „und wir alle machen unsere Arbeit auch in diesen 26 Klassen sehr gerne!“ Der Erfolg gebe ihnen recht, denn in der Berufsschule fänden sich 80 Azubis mit Migrationshintergrund, die alle bereits einen festen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben – und das motiviere! Es gehöre aber auch zur Wahrheit, dass etwa ein Fünftel der Azubis ihre Ausbildung abbrechen – doch liege man damit durchaus im Schnitt mit anderen Berufsschul-Ausbildungsgängen, weiß Heindl. Auch sehe man davon ab, die gesetzlich bestehende Pflicht zum Besuch einer Berufsschule mit allen Mitteln durchzusetzen, weil ein derart ausgeübter Zwang wohl kaum zu Lernerfolgen führe. Stellvertretender Schulleiter Daniel Wimmer von der Staatlichen Fachoberschule und Berufsoberschule Wasserburg (FOS/BOS) nahm den Faden auf und mahnte an, dass Bildung Zeit brauche, binnen nur eines Jahres könne man Deutsch als Sprache nun mal nicht vermitteln: „Zuerst brauchen wir die Sprache, dann die Inhalte!“ Dazu biete die FOS/BOS ein zweijähriges Brückenangebot für berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge an, aber auch für Personen, die „erhebliche Defizite in der Beherrschung der deutschen Sprache“ aufweisen würden. Nach dem ersten Jahr in einer solchen Berufsintegrationsklasse sei kein Abschluss vorgesehen, wohl aber nach dem zweiten Jahr. Von dort aus könne man dann als externer Prüfling an einer Mittelschule sogar den „Quali“ machen. Enges Zusammenarbeiten der Schulinstitute machten das möglich. Als nächste Stufe erläuterte Daniel Wimmer die „Integrations-Vorklasse“ für aus dem Ausland zugezogene begabte und motivierte Schüler, die einen höheren Schulabschluss anstreben. Zwar ließen die Anmeldungen zu dieser doch recht anspruchsvollen Form noch zu wünschen übrig, weshalb man auch die Anforderungen etwas zurückgeschraubt habe. „Doch man kann auf diesem Wege sogar den Realschulabschluss erlangen“, warb Daniel Wimmer, „und dann ist man drin im deutschen Bildungssystem!“ Auf diese Weise sei sogar der Weg zum Fachabitur samt Vorbereitungen zum Studium frei.