Schwindegg – Ihre Kandidatur um den Landesvorsitz der Grünen in Bayern war überraschend, sie schaffte aber aus dem Stand heraus fast 22 Prozent. Sie engagiert sich im Kreisverband der Grünen, ist seit kurzem Beisitzer und bringt hier ihre Erfahrungen aus der Wirtschaft mit ein. Grüne Politik und Wirtschaft – für Judith Bogner kein Gegensatz. Der Blick raus ins Grüne, in den Garten und auf die Felder hinter dem Haus – das sei ihr wichtig, das sei es, worum es ihr gehe. Nicht die Ämter oder die Posten seien wichtig, sondern die Natur. Wohl auch der Grund für sie, politisch bei den Grünen aktiv zu sein. Ihr Kreuzchen hat sie schon immer bei den Grünen gemacht, doch die Politik hat in ihrem Lebenslauf lange Zeit keine aktive Rolle gespielt. Nach ihrem Abitur vor 30 Jahren in Weiden zieht es sie „raus in die Welt“ und sie beginnt eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. Unter anderem war sie in Altötting und in der Schweiz. Mit 24 Jahren beginnt sie ihr Wirtschaftssinologiestudium, das sie für ein Auslandsjahr nach Shanghai bringt. Dort lernt sie ihren Ex-Mann kennen und bleibt. Als Wirtschaftssinologin versteht sie sich als „Brücke zwischen verschiedenen Kulturen“ und die Rolle als Vermittlerin gehört zu ihren Aufgaben in der chinesischen Metropole. Ihre beruflichen Stationen führen sie weiter nach Italien und Ukraine, bis sie als Quereinsteiger als Nachrichtenmoderatorin bei Bloomberg TV in London anfängt. Während ihrer Zeit in London passiert so manches, das die Finanz- und Wirtschaftswelt prägt: das Platzen der Dotcom-Blase, die Anschläge vom 11. September und die Finanzkrise. 2012 macht sich die 49-Jährige selbstständig, moderiert in China, London und München Finanzveranstaltungen – mit „Charme und Kompetenz“. Sie beschreibt sich selbst als „Quotenfrau im Raum“, denn bis vor wenigen Jahren habe es noch zu wenig Frauen auf der Bühne gegeben. „Mit Frauen bekommt alles eine ganz andere Dynamik“, sagt sie. Judith Bogner hat aber die Erfahrung gemacht, dass andere Frauen eher bereit sind, auf der Bühne zu reden, wenn sie nicht allein unter Männern sind. Als Selbstständige bleibt sie der Kamera treu: sie modelt und dreht vor zwei Jahren mit Tom Cruise in Wien. In „Mission Impossible – Rogue Nation“ spielt sie als Gattin des österreichischen Kanzlers eine Nebenrolle. Zehn Jahre lebt sie mit ihrem zweiten Mann in London – eine Stadt, in der sie sich heimisch fühlte. Doch mit dem Referendum zum Brexit ändert sich die Stimmung im Land und ein Jobangebot für ihren Mann führt sie nach Bayern. „Als erstes bin ich den Grünen beigetreten“, sagt Judith Bogner, die am liebsten die Farbe Rot trägt. Als Naturliebhaberin bearbeitet sie ihren Garten bio-dynamisch, ist viel draußen in der Natur und hat nun endlich ihr Hobby verwirklicht: Bienen. Zum Haus gehören noch zwei Katzen. Sie schätzt die bayerische Landschaft, weiß aber auch, dass es diese zu bewahren gilt. In der Ukraine und in China hat sie gesehen, wie die Menschen Raubbau mit der Natur betreiben, wie Flüsse begradigt oder Böden vergiftet werden. „Wir müssen mit der Natur arbeiten, nicht gegen sie.“ Umso wichtiger sei zum Beispiel das Gespräch mit Landwirten. „Wir müssen klären, was ihnen am Herzen liegt“, sagt sie. Nur so lassen sich Rahmenbedingungen ändern, um eine Balance in der Umwelt zu schaffen. Überhaupt: „Wachstum braucht Balance“, ist sie überzeugt. Das Bruttoinlandsprodukt sei zu wenig, der Umweltgedanke werde nicht berücksichtigt. Die Wirtschaft habe schon vor langem die Bedeutung der Nachhaltigkeit erkannt. Im Gegensatz zur Wirtschaft sei die Politik aber langsam. Mit ihrem Umzug von London nach Schwindegg tritt sie dem Kreisverband der Grünen in Mühldorf bei. Sie ist als Strategin für Social Media verantwortlich, auf Twitter und Facebook ist sie quasi daheim. Sie unterstützt Peter Uldahl im Bundestagswahlkampf und tritt als Moderatorin beim 42-Stunden-Endspurt in Berlin auf. Enthusiasmus sei es gewesen, dass sie sich auf den Landesvorsitz der Grünen beworben hat. Als eine Kritik an der Arbeit der Landesvorsitzenden Sigi Hagl sei dies aber nicht zu verstehen. „Ich mag sie gerne und Frauen bei den Grünen haben eine wichtige Rolle“, sagt Judith Bogner. Aber: „Man trifft am besten eine Entscheidung, wenn es eine Alternative gibt.“ Ihr geht es nicht um Ämter, sondern darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, dass alles gut bleibt. Dass der Blick raus ins Grüne das bleibt, was er jetzt ist.