München – Bayerns Bürger sollen Anzeigen bei der Polizei künftig auch über das Internet erstatten können. Das kündigte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) an. Die sogenannte Online-Wache inklusive Webseite zur Anzeigenerstattung befinde sich laut Innenministerium in abschließenden Tests und soll voraussichtlich bis Ende Januar veröffentlicht werden.
Zunächst sollen nur Fälle von leichter Kriminalität über das Online-Portal angezeigt werden können – wie etwa Fahrraddiebstähle, Internet-Betrügereien oder Beschädigungen an einem Fahrzeug. „Für die Bürger ist das eine Erleichterung, weil sie nicht extra auf die Dienststelle kommen müssen“, sagte Herrmann.
Die Möglichkeit zur Online-Anzeige soll auf den Internetseiten der Bayerischen Polizei eingerichtet werden. Beim Ausfüllen der Anzeige können die Nutzer die zuständige Dienststelle auswählen. Die Anzeige wird dann dorthin zugestellt. Eine zentrale Bearbeitung ist laut Ministerium nicht vorgesehen.
In vielen Bundesländern gibt es die Möglichkeit einer Online-Anzeige bereits seit Jahren. In Baden-Württemberg wurde der Service im Jahr 2006 eingeführt, mittlerweile laufen dort rund 25 000 Anzeigen pro Jahr ein. „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht“, sagt ein Ministeriumssprecher.
Die Landtagsopposition bezeichnete den Schritt als überfällig. „Das gehört einfach zu einer zeitgemäßen Polizeiarbeit“, sagte Katharina Schulze, Fraktionschefin der Grünen. Ihre Fraktion hatte bereits 2016 eine Internet-Wache gefordert. Auch Eva Gottstein von den Freien Wählern begrüßte die Erleichterung für die Bürger, warnte aber vor einem Personalabbau. Das Angebot dürfe auf keinen Fall eine Begründung für die Abschaffung von Dienststellen auf dem Land sein. Auch die Gewerkschaft der Polizei zeigte sich zunächst skeptisch, ob den Polizisten mit den Online-Anzeigen die Arbeit erleichtert werde. Der persönliche Kontakt dürfe nicht verloren gehen. dg