Rosenheim – Landrat Wolfgang Berthaler ist bei der jüngsten Kreistagssitzung erneut Anspielungen der SPD-Fraktion entschieden entgegengetreten, er habe Verzögerungen bei der Erstellung eines neuen Mobilitätskonzeptes für den Landkreis zu vertreten. Hierfür sieht er die Stadt Rosenheim in der Verantwortung. Die Firma „plan: mobil“ steckt mittlerweile bereits mittendrin in ihrer Arbeit. Das Unternehmen aus Kassel wurde vom Aufsichtsrat der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (RoVG) im August vergangenen Jahres beauftragt, ein Gutachten über die Situation des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in der Stadt und im Landkreis Rosenheim zu erstellen. Die Expertise soll die Grundlage für die gesetzlich vorgeschriebene Fortschreibung des bestehenden Nahverkehrsplans darstellen, der aus der Mitte des vergangenen Jahrzehnts stammt. Hans Zagler, Geschäftsführer auf Seiten des Landkreises in der RoVG, in der Stadt und Landkreis vertreten sind, rechnet damit, dass die Gutachter zur Erstellung ihres Mobilitätskonzeptes das ganze Jahr 2018 brauchen. „Ich glaube, dass die zuständigen politischen Gremien erst im Frühjahr 2019 Entscheidungen treffen können“, so seine Prognose. Im Kreistag sprach SPD-Fraktionssprecherin Alexandra Burgmaier von einem „schleppenden Beginn“, wenngleich sie als positiv wertet, dass ein solches Konzept entsteht. Ihre Forderung war klar formuliert. „Wir brauchen einen bedarfsgerechten Ausbau des ÖPNV. Dafür muss der Landkreis richtig Geld in die Hand nehmen.“ Mit ihrer Kritik fand Burgmaier grundsätzliche Zustimmung bei Bündnis 90/Die Grünen. Dr. Susanne Kustermann bemängelte in der Haushaltsdebatte des Kreistags das Fehlen von „entschiedenen Investitionen“ in den ÖPNV. Kritik kam auch von Kreisrat Werner Gartner (SPD) aus Wasserburg. Er erinnerte an die von der SPD beantragte Arbeitsgruppe, die einen Aufgabenkatalog für den beauftragten Gutachter erstellt hat. „Die muss wieder aus dem Dornröschenschlaf geholt werden. Sie ist einmal einberufen und dann wieder eingemottet worden.“ Er hoffe sehr, dass die Arbeitsgruppe spätestens dann wieder zusammenkomme, wenn die Ergebnisse des Gutachtens vorliegen. Der Landrat verstand diese Kritik nicht. „Wir waren uns doch alle einig, dass erst das Verkehrsgutachten vorliegen muss, ehe das Gremium wieder tagt. Ich wüsste nicht, was da jetzt beredet werden soll.“ Man habe einen tollen Gutachter beauftragt, der brauche halt seine Zeit. Was den Vorwurf der Verzögerung betraf, zeigte Berthaler mit dem Finger auf die Stadt Rosenheim. Die habe die Angelegenheit erst einmal ein Vierteljahr liegen lassen und dann auch noch die in der Stadt- und Umlandregion Rosenheim zusammengesch lossenen Gemeinden (SUR) mit dem Thema befasst. „Ich übernehme als Landrat nicht die Verantwortung dafür, dass da was verschlafen wurde,“ Wie schwierig die Kooperation bei dem Thema aus seiner Sicht war, darüber gab eine Zwischenbemerkung Berthalers Aufschluss. „Zusammenarbeit mit der Stadt Rosenheim, viel Vergnügen.“ Für Verzögerungen bei der Erstellung des neuen Mobilitätskonzeptes verantwortlich zu sein, das weist die Stadt Rosenheim weit von sich. Zum 1. Januar 2017 habe es auf Seiten der Stadt zwar einen Wechsel in der Geschäftsführung der RoVG gegeben. Trotz des Aufgabenübergangs war aus Rosenheimer Sicht „die Arbeitsfähigkeit der Stadt im Hinblick auf die Begleitung des Ausschreibungsverfahrens für die Fortschreibung des Nahverkehrsplans zu jedem Zeitpunkt gewährleistet“. Zusätzlichen politischen Diskussions- und Klärungsbedarf habe es im Vorfeld des Verfahrens gegeben, „weil die SPD-Kreistagsfraktion den Antrag auf Einsetzung einer Arbeitsgruppe gestellt hat mit dem Ziel, Inhalte für das Lastenheft zur Ausschreibung abzustimmen“, betont die Stadt in einer schriftlichen Stellungnahme nach einer Anfrage der OVB-Redaktion. Was die Einbindung der SUR-Gemeinden betrifft, hätten diese laut Stadt Rosenheim „ausdrücklich Wert darauf gelegt, eine eigene Position zur qualitativen Verbesserung des ÖPNV zu erarbeiten“. In diesem Zusammenschluss von 13 Mitgliedskommunen habe die Stadt Rosenheim nur eine Stimme. tt