Ungehemmter Immo-Boom

von Redaktion

Baugrund: Für den Preis in München gibt‘s im Osten ein ganzes Dorf

Kaufpreise, Mieten – alles steigt. Viele Großstädter sind es leid oder können und wollen nicht mehr länger mithalten. Sie ziehen hinaus. Weit hinaus. Denn auch der Speckgürtel der Großstädte ist für viele schon zu teuer geworden. Bundesweit ziehen wegen explodierender Wohnkosten immer mehr Menschen aus den Großstädten ins Umland, wie Experten beobachten. Hamburger finden sich in Lüneburg wieder, Münchner landen in Erding oder Dachau.

Kaum noch
bezahlbar

Nach einem Jahrzehnt des Immobilienbooms ist Wohnen in großen Städten für die Deutschen kaum noch zu bezahlen. Was man von München längst kennt – eine Zulage für die Beschäftigten der Stadt –, gibt es nun auch in Berlin für Feuerwehrleute und Krankenschwestern. Denn die Preise für Wohnungen und Häuser steigen in den Städten weiter und damit auch die Mieten.

„Es sind keine Anzeichen für eine Trendumkehr zu erkennen“, sagte Anja Diers, die Vorsitzende des Arbeitskreises der deutschen Gutachterausschüsse, bei der Vorstellung des „Immobilienmarktberichts 2019“. Er beruht auf jährlich knapp einer Million Euro Kaufverträgen und bildet das Marktgeschehen damit sehr präzise ab. Demnach hat sich der Umsatz mit Wohnungen, Häusern, Grundstücken und Agrarflächen in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt und erreichte 2018 den Höchststand von 269 Milliarden Euro. Davon entfielen 180,5 Milliarden Euro auf Wohnimmobilien. „Insbesondere in ohnehin teuren Lagen steigen die Preise weiter stark an“, erklärte Diers. Seit einigen Jahren legen auch die Preise für Wohnungen in einfachen Lagen leicht zu.

Auf nach
Thüringen

Die Spreizung aber ist groß: Im Landkreis München wurden für Eigenheime im vergangenen Jahr im Schnitt 10200 Euro jeQuadratmeter bezahlt – der Bundesdurchschnitt lag bei 1750 Euro. Am günstigsten waren Häuser im Kyffhäuserkreis in Thüringen (410 Euro je Quadratmeter). Ähnlich ist es beiBaugrundstücken: „Für die Investition in einen Bauplatz in München bekommt man in Sonnenberg 133 Bauplätze und somit den Grund für ein ganzes Dorf.“

Landshut statt Landkreis

In Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen stehe mehr als jede zehnte Wohnung leer, sagte Markus Eltges, Leiter des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Die Großstädte platzen derweil aus den Nähten. Dorthin sind seit 2011 fast 2,4 Millionen Menschen gezogen. Längst wüchsen auch kleinere Städte wie Landshut, Greifswald und Flensburg. „Die Lösung dieser Engpässe liegt in der Region“, sagte Eltges. Vor allem Familien zögen raus, erklärt das Statistikamt der beiden Länder. Nach Daten des Verbands Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen 2018 stiegen die Mieten im 20 bis 30 Kilometer breiten Speckgürtel stärker als in der Hauptstadt selbst.

Vernetzung Stadt-Umland

Dabei lockt längst nicht mehr nur das nahe Umland – das gilt für die Münchner genauso wie am Beispiel Berlin: „15 Jahre lang verlor der berlinferne Raum Einwohner an die Metropole an der Spree“, bilanzieren die Statistiker. „2014 kehrte sich das Verhältnis um.“ Nach jwd – also „janz weit draußen“, wie die Berliner sagen – ziehen so viele Hauptstädter wie nie seit der Wiedervereinigung. Schon jetzt sind Straßen und Bahnen am Stadtrand überlastet, haben die Menschen im Speckgürtel von Berlin genauso wie in München Probleme, Schul- und Kita-Plätze zu finden. „Die Vernetzung von Stadt und Umland ist ein Schlüssel zum Erfolg“, meint Markus Eltges.

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