Zubin Mehtas als „Montagsstück XI“ live gestreamtes Konzert schien mehr als nur eine Vertragserfüllung. Es war in diesen belastenden Zeiten ein Zeichen der Zuversicht und der Freundschaft zu München und dem Bayerischen Staatsorchester. Allein dafür, dass der 84-Jährige in diesen Tagen aus Los Angeles nach München gereist ist, um im Nationaltheater ein „Geisterkonzert“ zu dirigieren, gilt ihm der Dank unzähliger virtueller Musikfreunde. Als er sich ihnen am Schluss mit leichter Verbeugung zuwandte, fiel sein Blick in den verwaisten Zuschauerraum, aus dem normalerweise Applaus und Bravorufe aufgestiegen wären…
Ein bisserl traurig stimmte das schon, auch wenn vermutlich mehr Musikbegeisterte vor ihren Laptops saßen, als ins Haus gepasst hätten. Sie alle erlebten Staatsorchester und Solistin Camilla Nylund in vorzüglicher Form und einen sitzenden Mehta, der Temperament und Lebendigkeit entfachte. Obwohl Richard Strauss seine, erst vom Verleger so getauften, „Vier letzten Lieder“ nicht als letztes Vermächtnis, sondern als „Öl zur Verhinderung des Einrostens der Phantasie“ schuf, durchweht die Texte von Hesse und Eichendorff ein sanftes Abschiednehmen. Camilla Nylund kostete die weit geschwungenen Bögen mit wunderbar aufblühender Höhe und feiner Phrasierung aus. Das Staatsorchester sog unter Mehtas verhaltenem Dirigat ihren Gesang in seinen virtuos instrumentierten, ebenso delikaten wie rauschhaften, an „Rosenkavalier“ oder „Tod und Verklärung“ erinnernden Zauberklang. Wie gewünscht, wurde die letzte Eichendorff-Frage „Ist das der Tod?“ von den Flöten ins Lichte getrillert.
Strauss’ Altersmilde und Müdigkeit konterten Zubin Mehta und das Staatsorchester mit Schuberts großer, Beethoven die Stirn bietender C-Dur-Symphonie. Da wurden mit frischem Elan die „himmlischen Längen“ mit organischen Übergängen und Modulationen in immer neues Licht gesetzt. Sowohl die im Halbrund um den Dirigenten gruppierten Holzbläser, als auch die dahinter postierten Streicher trieben das Andante mit seinem eindringlichen Marsch-Rhythmus stringent und trotz sanfter, berührender Kantilenen zum Abbruch. Naturgemäß traf der in Wien bei Hans Swarowsky ausgebildete Mehta den rechten Ton im Ländler des spielerisch-temperamentvollen Scherzos, bevor er im souverän ausbalancierten Finale den Jubel mit Moll-Trübungen und Posaunentönen unterwandern ließ.
Das „Montagsstück XI“
steht ab heute, 19 Uhr, unter www.staatsoper.tv als Video-on-Demand für 9,90 Euro zur Verfügung.