Nur wenige Ansprüche an ihren Wohnraum stellen Kiesbrüter wie Flußregenpfeifer: Sie legen ihre Eier auf den nackten Boden. Ihr „Nest“ besteht allein darin, dass gröbere Partikel und Ästchen weggeräumt und flache Mulden angelegt werden. „Die Jungvögel hält es dann aber nicht lang dort – gleich nach dem Schlüpfen sind sie als Nestflüchter schon gut zu Fuß und verlassen die Nestmulde, um die Umgebung zu erkunden“, erläutert Sophia Engel vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Dadurch sind sie aber auch vielen Gefahren ausgesetzt, wenn Menschen und Hunde die Betretungsverbote von Flusskiesbänken nicht akzeptieren!
Vögel haben durchaus Sinn für Ausstattung und Ambiente, manche leben eine recht originelle Architektur: „Die Beutelmeise flicht ihre Nester in hängende Zweige von beispielsweise Weiden und benutzt dazu Spinnenfäden, Pflanzenfasern und die Samenwolle von Weiden und Pappeln. Der Eingang ist seitlich oben, sodass das fertige Nest ausschaut wie ein Wollpantoffel. Manchmal hat der Eingang noch eine Art Tunnel, was den Eindruck erweckt, da hänge ein verfilzter Fäustling in den Zweigen. „Da Beutelmeisen aber sehr selten sind und vor allem in Feuchtgebieten und sumpfigen Flussniederungen leben, bekommt man diese tollen Gebilde leider kaum zu Gesicht“, weiß Engel.
Was der Mensch gerade zum neuesten Trend erkoren hat, macht die Schnecke bereits seit Millionen von Jahren. Sie hat ein Haus, das sie mitnehmen kann – ein „Wohnmobil“ sozusagen. Nur, dass sie mit dem Haus verbunden ist. Zieht sich die Schnecke zusammen, wird der Weichkörper ins Gehäuse gezogen, wo sie vor Feinden und Witterung gut geschützt ist. Das Gehäuse verhärtet sich im Laufe des Schneckenlebens durch die Aufnahme von kalkhaltiger Nahrung. Über die Jahre wächst das Gehäuse als Einheit mit der Schnecke mit und bekommt die typische Spiralform, die bei jeder Schnecke einzigartig ist.
Manche Vögel leben in regelrechten Mietskasernen: „Storchennester, die jahrelang benutzt werden, wachsen nach oben. Jahr für Jahr werden Äste und Zweige darauf geschichtet, sodass im Laufe der Zeit regelrechte Hochhäuser entstehen können – bis die Statik nachgibt und das Nest oder Teile davon abstürzen. In dem Astgewirr der unteren Lagen ziehen manchmal Spatzen ein“, erzählt Engel. Teilen ist im Tierreich kein großes Problem. Wo der Mensch sein Eigentum mit Alarmanlagen absichert, ist es dort völlig normal, dass andere Tiere einen Bau nutzen oder mitnutzen oder als Nachmieter einziehen – ohne eine Ablösesumme zu bezahlen.
Als „Zimmermann des Waldes“ gilt der Specht. Er baut in faszinierender Weise und nutzt wegen möglicher Parasiten seine Höhle nur eine Brutsaison. Die ausgediente Wohnung übernehmen Meisen, Kleiber und Trauerschnäpper. Auch der Gartenrotschwanz könnte einziehen. Selbst Säugetiere nutzen Spechthöhlen, wie Gelbhalsmäuse und Siebenschläfer. Auch Baummarder freuen sich, wenn schon Wohnraum vorhanden ist. Gelbhalsmäuse stopfen jetzt noch alles mit Eicheln voll, damit sie dann ausreichend Winternahrung haben. Auch für bedrohte Fledermausarten bilden Spechthöhlen einen wichtigen Schutzraum.
Während die meisten Vögel hochspezialisierte Nestbauer sind, bauen manche gar nicht. Dazu gehören Falken und Eulen. So brüten Baumfalken und Waldohreulen in ausgedienten Nestern, meistens in solchen von Rabenkrähen oder auch Elstern, die man unter diesem Aspekt eventuell doch etwas mehr zu schätzen wissen sollte.
Dann wäre da noch eine illustre Zweier-WG: Dachs und Fuchs. Eine zweischneidige Sache. „Meles meles“, so der wissenschaftliche Name des Dachses, ist mit 80 bis 90 Zentimetern gar nicht viel größer als ein Fuchs, aber breiter und gedrungener. Auch wiegen gut genährte Dachse bis zu 20 Kilo – der flinke Fuchs kommt nur auf sieben Kilo. Ideale Voraussetzungen, die geräumigen Dachsbauten für sich zu nutzen.
Doch der Untermieter wurde dem Dachs zum Verhängnis. Als in den 1970er-Jahren Fuchsbauten begast wurden, machte das dem Dachs fast den Garaus. Das ist zwar längst Vergangenheit, doch „Grimbart“ hat den Fuchs bis heute am Hals. Der Dachs ist ein ordentliches Tier, sein Bau ist picobello, er nutzt eine Toilette. Der Fuchs ist dagegen ein Schlamper, lässt sogar Essensreste vor dem Bau liegen und nimmt es auch mit den Fäkalien nicht so genau…