TIERISCHE STRATEGIEN BEI STÜRMEN UND UNWETTERN
Je nachdem, wie jemand wohnt, setzen Unwetter Tieren zu. Sophia Engel vom LBV: Offene Nester sind Wind und Wetter ausgesetzt. Eier und Jungvögel kühlen ohne Schutz aus. Gerade am Anfang einer Brut ist es daher quasi ein 24-Stunden-Job, das Gelege und die Jungen zu wärmen, zu kühlen oder trocken zu halten. Meist übernimmt das Weibchen die Aufgabe des Brütens und Huderns. Sie hockt sich dazu über die Eier oder Jungen und spreizt ihr Brustgefieder, sodass sie ihre Körperwärme gut abgeben kann. Nach unten hin ist das Nest durch die Baumaterialien gut isoliert. Sollte es zu heiß sein, dann stellt sie sich mit leicht abgespreizten Flügeln über die Brut und dient so als lebendiger Sonnenschirm. Das Gefieder der Altvögel ist wasserabweisend, bei Regen können so auch Eier und Jungvögel trocken gehalten werden. Problematisch wird es, wenn Plastikmüll in den Nestern verbaut ist. Vögel nutzen zum Nestbau oft alles, was die Umgebung zu bieten hat. Da Kunststofffasern sehr reißfest sind, können sich die Vögel darin verheddern. Schnipsel von Plastiktüten und Ähnlichem machen das Nest außerdem anfällig für Nässe, denn das Wasser kann nicht ablaufen, sondern staut sich. Die klamme Feuchte lässt die Brut auskühlen, schlimmstenfalls wird das Nest geflutet.“ Leichter haben es Höhlenbrüter, die in Baumhöhlen ihre Nester anlegen. Engel: „Hier ist Regen weniger ein Problem. Allerdings können ausgehöhlte Bäume bei Wind bzw. Sturm schneller brechen.“ Ein Vorteil hat Starkregen aber auch: Er wird zum Festessen für alle, die Regenwürmer mögen! Die Würmer müssen bei starken Niederschlägen an die Oberfläche kriechen, weil sie im Erdreich keine Luft mehr bekommen. Was auch für Mäuse gilt: Greifvögel – oder auch Hauskatzen – lauern Mäusen auf, die aus ihren gefluteten Löchern geflohen sind und nun schutzlos herumlaufen.
Bei Tieren, die in Bauen leben, ist die Gefahr gering. Der Fuchs baut seine Höhlen gern in einen Hang, der nicht geflutet wird. Wildtiere sind da oft klüger als Menschen, die auch Überflutungsgebiete besiedeln! Und sollte beim Fuchs doch mal etwas einstürzen, wechselt er in seine Zweitbehausung.
Insekten und Spinnentiere halten sich bei Regen an Blattunterseiten fest, sie suchen auch Schutz in Höhlen, Nischen oder unter Steinen. Wer zu spät dran ist, wird fortgeweht, wenn er Glück hat, erschließt ihm das aber einen neuen Lebensraum. Apropos Lebensraum: Zugvögel haben es immer mit Wetterereignissen zu tun. Wenn sehr schlechtes Wetter und auch starker Gegenwind herrscht, kommt es zum sog. Zugstau. Die Tiere warten sprichwörtlich „auf besser Wetter.“ Für Fluginsekten können Regentropfen lebensgefährlich werden. Bienen müssen so schnell wie möglich zurück in den Stock. Werden sie eiskalt erwischt, versuchen sie es in einem Versteck unter Blättern und Blüten. Ähnlich machen es Schmetterlinge und Hummeln. Die Sinnesorgane von Ameisen reagieren sensibel auf Umwelteinflüsse. Sie spüren früher als der Mensch, dass ein Unwetter im Anzug ist. An einem Ameisenbau gibt es zahlreiche Öffnungen, die emsigen Tiere verschließen dann hektisch die Löcher, das Wasser läuft dann außen ab.