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von Redaktion

Ungewöhnliche Erfahrung: Der Polestar 4 verzichtet auf die Heckscheibe

Die schwedisch-chinesische Automarke Polestar verdreifacht die Zahl ihrer Modelle. Zur Limousine Polestar 2 gesellen sich das SUV Polestar 3 und der Crossover Polestar 4. Wir konnten die beiden neuen Modelle testen.

Früher war Polestar die sportliche Submarke von Volvo. Inzwischen gehört die Anteilsmehrheit der Konzernmutter Geely, die daraus eine eigenständige batterieelektrische Markenreihe machen will. Die Geschichte lebt im Polestar 3 fort. Der teilt sich seine Plattform mit dem kürzlich vorgestellten Volvo EX 90 (wir berichteten) und kann diese Verwandtschaft nicht verbergen. Er ist etwas sportlicher ausgelegt, und es ist keine dritte Sitzreihe im Angebot.

Ganz anders der Polestar 4. Dieser ist ein komplett eigenständiges Auto. Besonders auffallend: Es fehlt die Heckscheibe. Sie wurde weggelassen, um etwas mehr Platz im Innenraum zu schaffen. Der Blick hinters Auto wird durch eine Kamera möglich und der Innenspiegel enthält ein Display. Daran scheiden sich die Geister. Einerseits sieht man von jeder Position im Auto das Gleiche. Andererseits haben Nutzer von Gleitsichtbrillen ein leicht unscharfes Bild. Man gewöhnt sich daran, weil man alles Notwendige erkennt, heißt es bei Polestar.

Beim Fahren spielt das Antriebskonzept seine Stärken aus. Der dank Batterie niedrige Schwerpunkt sorgt für gute Straßenlage. Die im Vergleich zu 2,3 Tonnen Leergewicht geringen ungefederten Massen heben trotz sportlicher Auslegung den Komfort.

Beeindruckend der Schub vor allem in der 544 PS starken Allradversion. Da werden risikolos Überholmanöver möglich, die man mit Verbrenner besser unterlässt. Doch auch die „nur“ halb so starke Heckantriebsvariante hat in jeder Situation mehr als ausreichende Leistungsreserven. 7,1 Sekunden von null auf 100 sind eine Ansage. Die mit 544 PS möglichen 3,8 Sekunden sind im Alltag ein eher theoretischer Wert.

Bei 200 km/h ist Schluss. Wer frühzeitig am Ziel sein will, sollte es langsamer angehen. 590 (Allrad) oder 620 (Heckantrieb) Kilometer Reichweite werden sonst zur Illusion. Die 30 Minuten Schnellladezeit (10 bis 80 Prozent) sind nicht an jeder Säule erreichbar.

Das Kofferraumvolumen von 1536 Litern (umgeklappte Rücksitze) ist sogar größer als beim Polestar 3 (1411 Liter). Die Anhängelast reicht bis 1,5 Tonnen (Heckantrieb) und 2,0 Tonnen (Allrad). Die Assistenzsysteme entsprechen Oberklasse-Niveau, auch wenn hochautomatisiertes Fahren (Level 3) noch nicht im Angebot ist. Das Auto wird in Chengdu (China) und Busan (Südkorea) gebaut.

Die Preise beginnen bei 61900 Euro (Heckantrieb) und 69900 Euro (Allradantrieb). Beim Polestar 3 sind es mindestens 78590 Euro. Bis 15. November 2024 verspricht Polestar 4000 Euro Sofortrabatt. Martin Prem

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