Alter Name, moderne Technik

von Redaktion

Schon bald nach ihrer Präsentation im Jahr 2013 wurde die NineT-Baureihe als das Bike für die Hipstergeneration in die passende Vorurteils-Schublade eingeordnet. BMW konnte dies egal sein, denn die klassisch gezeichneten Motorräder wurden zum kommerziellen Erfolg. Nun steht nach einer Komplett-Umgestaltung die neue Generation der Heritage-Baureihe bereit, die wir in Gestalt einer R12 nineT ausgiebig unter die Lupe nahmen.

Auch ohne extravagante Klamotten und langem Bart darf man getrost auf dem Roadster Platz nehmen. Dank 75 Zentimetern Sitzhöhe und niedrigem Schwerpunkt steht man mit 1,80 Metern Körpergröße stets stabil und hat das 220 Kilogramm schwere Bike gut unter Kontrolle.

Unser Exemplar hatte im Cockpit statt der klassischen Rundinstrumente die moderne Version, Digital Display genannt. Hier darf man sich per Tastendruck und mittels Rändelrad am linken Lenker­ende durch die einzelnen Infos und Schaltebenen wühlen. Puristen dürften die klassische Ausstattung bevorzugen. Zurechtgekommen sind wir mit der Digitalversion, das analog geprägte Auge des nicht mehr ganz jugendlichen Fahrers vermisst jedoch die klassische Anordnung.

Vergangenheit und Zukunft sind vergessen, sobald der luftgekühlte Zweizylinder-Boxer zum Leben erweckt ist (schlüsselloses Startsystem ist Serie), denn dann gilt nur noch die Gegenwart. Dumpf bollert das Aggregat und durch einen verchromten Doppelendrohrauspuff finden die Abgase ihren Weg ins Freie. Die sechs Gänge sind leichtgängig rauf- und runterzuschalten, die Beschleunigung ist auf Wunsch alles andere als gemütlich.

Dynamisch und vor allem sehr leichtgängig und wendig kann man mit der R12 nineT unterwegs sein. Sie nimmt jeden Kurvenwunsch dankbar entgegen, sträubt sich nicht gegen Korrekturen der Linie und verzögert mit der Dreischeiben-Brems­anlage stets sicher und beherrschbar. Die BMW macht einfach gute Laune, man ist entspannt unterwegs. Die eingetragene Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h ist machbar, trägt aber nicht zur Vergrößerung der Fahrfreude bei.

Weil es mit der BMW gar so schön und flott vorangeht, notierten wir am Ende unserer Fahrten einen durchschnittlichen Verbrauch von fünfeinhalb Litern auf 100 Kilometer. Dank 16-Liter-Tank muss man aber auch bei ausgedehnten Touren nicht allzu oft an der Zapfsäule anhalten. Der Deckel des Metall-Spritfasses öffnet sich ganz wie früher mit einem konventionellen Schlüssel, mit dem man auch das Lenkschloss bedient.

Dem Ego schmeichelt die Tatsache, dass es immer wieder Daumen-hoch-Sympathiebekundungen von Autofahrern gibt. Die BMW R12 nineT – und besonders die Fahrt mit ihr – ist eine schöne Sache. Volker Pfau

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