Die Narben können geheilt werden

von Redaktion

Ein verheerender Murenabgang riss im Juni 2024 Teile der historischen Mauer der Burg Falkenstein in Flintsbach mit sich. Bevor der Wiederaufbau beginnen kann, müssen Notsicherungen erfolgen. Was geplant ist, und woher das Geld kommt.

Flintsbach – Die Narben des verheerenden Starkregenereignisses vom 3. Juni 2024 sind an der Burgruine Falkenstein noch immer unübersehbar. Der Burgweg und das gesamte Areal bleiben wegen massiver Ausspülungen gesperrt.

Einen wichtigen Beitrag zur erneuten Rettung der Burg leistete nun die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) und übergab dank des DSD-Nothilfe-Programms einen Fördervertrag in Höhe von 23000 Euro an den Vorstand der Umwelt-, Kultur- und Sozialstiftung im Landkreis Rosenheim und Landrat Otto Lederer (CSU).

Verheerender
Murenabgang

Das Starkregenereignis, das im Juni das obere Inntal heimsuchte, löste einen verheerenden Murenabgang aus, der Teile der historischen Vorburgmauer zerstörte und Schäden in Millionenhöhe verursachte. Besonders dramatisch war der Moment, als die Mauer dem enormen Wasserdruck nicht mehr standhielt und spektakulär einstürzte.

Rund 50 Anwohner mussten ihre Häuser verlassen, als etwa 15 Gebäude unterhalb der Burg evakuiert wurden.

„Eine Verkettung unglücklicher Umstände“, so Flintsbachs Bürgermeister Stefan Lederwascher. Oberhalb der Burg sorgen zwar mehrere Staumauern für die Regulierung eines Baches, doch angeschwemmtes Geröll verstopfte die Durchlässe. Die aufgestauten Wassermassen brachen durch, prallten mit voller Wucht gegen die Burgmauer und rissen Teile mit sich.

Glücklicherweise kamen keine Menschen zu Schaden, resümierte Lederwascher, der zugleich dem Förderverein zur Erforschung, Entwicklung und Erhaltung der Burg Falkenstein vorsteht. Die Zerstörung brachte allerdings auch archäologische Entdeckungen ans Licht.

Alte Ofenkacheln und geschmiedete Nägel wurden durch das Wasser freigelegt und vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege bereits gesichert.

Eigentümer der Burg ist die Umwelt-, Kultur- und Sozialstiftung im Landkreis Rosenheim. Gemeinsam mit der Gemeinde Flintsbach und dem Förderverein zur Erforschung, Entwicklung und Erhaltung der Burg Falkenstein arbeitet man an der Sicherung und Sanierung der historischen Anlage. Bereits kurz nach dem Ereignis wurden erste Maßnahmen zur Stabilisierung der Abbruchkante, der verbliebenen Burgmauer und des Hangs sowie zum Schutz der Anwohner ergriffen. Noch im November 2024 begannen weiterführende Sicherungsarbeiten, bei denen ein Bau- und Stabilisierungsgerüst errichtet wurde, um weitere Schäden zu verhindern.

Die Burgruine Falkenstein in Flintsbach blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Errichtet um das Jahr 1300, ersetzte sie die zerstörte Vorgängeranlage Ober-Falkenstein und diente als herzoglich-bayerischer Gerichtssitz. Strategisch über dem Inntal gelegen, einem bedeutenden Verkehrsweg seit der Bronzezeit, wuchs die Burg über die Jahrhunderte hinweg stetig. Ursprünglich nur aus einer Kernburg mit Palas und Turm bestehend, wurde sie im 15. und 16. Jahrhundert um eine Vorburg erweitert und erhielt später einen repräsentativen Arkadenhof sowie einen ummauerten Garten.

Doch Feuer und der Lauf der Zeit setzten ihr schwer zu. Zwei verheerende Brände – 1784 und 1789 – machten die einstige Festung endgültig zur Ruine. Heute steht sie nicht nur als stummer Zeuge vergangener Macht, sondern auch als Sinnbild für den Verfall und die wechselvolle Geschichte der Region. Neben Lederer zeigten sich auch Flintsbachs Bürgermeister Stefan Lederwascher, Architekt Daniel Hoheneder, Fachrestaurator Wolfgang Lauber sowie die Stiftungsvorstände Marcus Edtbauer und Stefan Forstmeier dankbar und erfreut über diese wertvolle Unterstützung.

Die Spende der DSD wird dringend für die Notsicherung der eingestürzten Vorburgmauer benötigt, bevor der eigentliche Wiederaufbau beginnt. Die Kosten hierfür belaufen sich derzeit auf etwa 125000 Euro. Dazu gehören statische Sicherungen, Überwachungen und das notwendige Gerüst. Voraussichtlich wird das Landesamt für Denkmalschutz 79000 Euro zu der Maßnahme beisteuern.

Die eigentliche Wiederherstellung der eingestürzten Burgmauer schätzt Lederer jedoch auf rund 650000 Euro. Insgesamt rechnet er mit Kosten zwischen zwei Dritteln und drei Vierteln einer Million Euro, um den ehemaligen Zustand vor dem Ereignis wiederherzustellen.

Die Stiftung muss zehn Prozent der Gesamtkosten selbst aufbringen, während 90 Prozent durch öffentliche Fördermittel und den Denkmalschutz gedeckt werden sollen. Lederer hofft dabei erneut auf Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Er betonte, er sei sehr positiv überrascht gewesen, wie viele Türen sich für sie geöffnet hätten, als es um die Bereitstellung von Fördermitteln ging. Man denke oft, Denkmalschutz sei nicht einfach, doch in diesem Fall seien sie überall, wo sie angeklopft hätten, auf Unterstützung gestoßen. Lederer erklärte, dass die angebotene finanzielle Hilfe recht schnell zur Verfügung stehen würde, was besonders wichtig sei, da ein schneller Euro doppelt helfe – je zügiger die Unterstützung komme, desto einfacher sei es, die Schäden zu bewältigen.

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Verfall stoppen

Mit dieser Förderung reiht sich die Burgruine Falkenstein in die Liste der über 640 Denkmäler ein, die die DSD in Bayern durch private Spenden, Erträge ihrer Treuhandstiftungen sowie Mittel der Lotterie Glücksspirale gefördert hat.

Dank der finanziellen Unterstützung und des gemeinsamen Engagements von Stiftung, Gemeinde und Denkmalpflege hat die Burgruine Falkenstein nun eine Chance, nicht nur vor weiterem Verfall bewahrt, sondern langfristig als historisches Wahrzeichen der Region gesichert zu werden.

Die Geschichte der Burg Falkenstein

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