Neubeuern – Einmal Prinzessin oder Prinz sein – der Traum vieler Mädchen und Jungen. In Neubeuern oder Flintsbach kann es für ein paar Wochen Realität werden – wenn man die richtigen Gene hat. Doch wie wird man eigentlich Prinz oder Prinzessin in Flintsbach oder Neubeuern? Ist es so wie im Film bei „Plötzlich Prinzessin“, wo Mia, ein eher unscheinbares Mädchen, die Nachricht erhält, dass sie eine echte Prinzessin ist?
Rebecca I., Neubeurer Prinzessin 2024, brauchte zwei Anläufe, um endlich in Amt und Würden zu kommen. Die erste Krönung wurde ihr durch die Corona-Pandemie vermasselt. Damit ist sie sozusagen die längste amtierende Prinzessin, genau genommen vier Jahre. Und die einzige Prinzessin mit zwei Prinzen, Korbinian und Johannes. Aber das kommt auch in den echten Königshäusern vor. Schon als Kind war sie gerne Prinzessin und bewunderte die Faschingsprinzessinnen, „ach, das möchte ich auch mal sein.“ Und als sie es dann 2024 tatsächlich wurde, hat sie jeden Moment aus vollen Zügen genossen.
Ein Genie des
Humors
Dazu kommt noch, dass es in ihrer Familie bereits von Prinzen und Prinzessinnen wimmelte. Auch ihr Vater Jörg war Prinz in Neubeuern 1994. Aber es gibt eine viel, viel weiter zurückliegende Faschingsadel-Ahnentafel in ihrer Familiengeschichte. Da war ihr Großonkel, der legendäre Stocker Hans, der 1966 mit ihrer Lieblichkeit Roswitha den Faschingsthron bestieg: „Hans IV. von Neu-Peurn, ein geborener Musiker vom Scheitel bis zur Sohle, ein Genie des Humors und der Heiterkeit, wurde vom Faschingsvolk Peurn zum Jubiläumsprinzen auserkoren… Eine auf Schweinsleder gezeichnete Chronik beweist, dass die Ur-Ur-Urahnen des Prinzen in der grauen Vorzeit schon Musikanten waren.“ Und angeblich, so steht’s ebenfalls in der Faschings-Illustrierten von 1966, bereits auf der Arche Noah für lustige und böse Elefanten spielten. „Solange Hans IV. sein Zepter schwingt, Humor von alles Seiten klingt.“
Und weil‘s so lustig war mit dem Stocker Hans, bestieg 1978 seine Schwester Helmi mit ihrem Prinzen Albert den heiß ersehnten Neubeurer Faschingsthron. Helmi, für viele als Kindergärtnerin in Erinnerung, lebt mittlerweile in Obing und ist Oma von vielen Enkelkindern. Sie beschreibt ihren Weg zur Prinzessin so: „Es war wirklich fast wie bei ‚Plötzlich Prinzessin‘, irgendwie hatten da meine Schwestern Resi und Christa ihre Finger im Spiel und ich war wohl am meisten überrascht, als ich gefragt wurde. Lange nachgedacht habe ich nicht, obwohl ich eigentlich nicht so in der Faschingsszene zu Hause war.“
1984 zog Prinzessin Martina I. von der Schmidn mit ihrem Prinz Eugen auf einem prächtig geschmückten Prinzenwagen in den Marktplatz ein, der eh so eine Art Wohnzimmer für sie war. Vom Königsbalkon über der Schmiede winkte sie alle zwei Jahre königlich herab auf die Menschenmenge, sodass ihr das königliche Winken von Kindesbeinen an bestens vertraut war. Sie ist eine Nichte vom Stocker Hans und seiner Schwester Helmi, man könnte also wieder meinen, hier geht es zu wie in den europäischen Königshäusern, die ja auch oft entfernt miteinander verwandt sind. Ihre Mutter Resi fungierte bereits 1951 als Hofdame am närrischen Hof zu Neubeuern. Auch für Martina kam die Anfrage eher überraschend, sie kann sich noch erinnern, dass sie gerade von der Uni kam, am 11.11.1983 nachmittags. Sozusagen eine Variante von „Plötzlich Prinzessin“ „Wenn du es jetzt nicht machst, fragt dich nie wieder einer“, so der Kommentar ihrer Eltern Georg und Resi Poll. Martina und ihre Tante Helmi wurden – fast wie bei einem Heiratsantrag – vor versammelter Familie vom Prinzen förmlich gefragt und zögerten nicht lang. Sie sind sich einig, „das war eine tolle Zeit“.
Häufungen
in Familien
Aber auch in Flintsbach kommt es zu einer Häufung in bestimmten Familien: 1997 bestieg Prinzessin Irmi mit ihrem Prinzen Dieter den Thron. Das Motto lautete „Vive la France“ und ihre Schwester Hannerl bot ihre gesamte Schneiderkunst auf, um die beiden in ein französisches Königspaar zu verwandeln. Die Mutter der beiden, Johanna Karrer, heiratete von Neubeuern nach Flintsbach und verbreitete so die königlichen Faschingsgene. „Glück gehabt“, mein Irmi heute, dass meine Schwester eine grandiose Schneiderin ist. Und wie die beiden Neubeurerinnen ist sie überzeugt: „Eine tolle Zeit!“ Dass sie jemals Prinzessin werden würde, habe sie sich niemals gedacht, zu klein, zu zurückhaltend. Ja, bei der Garde war sie schon dreimal dabei, aber so ganz vorne stehen, nein, das wäre nix für sie. Dann bekam sie auch noch einen Prinzen, der fast einen halben Meter größer war als sie, wie sollte denn das passen. Für einen Auftritt in einem Kaufhaus vergaß sie tatsächlich ihre Tanzschuhe. Aber das Problem wurde kurzerhand gelöst und sie durfte sich in der Schuhabteilung ein passendes Paar aussuchen.
Die beiden haben sich prächtig verstanden und auch Irmis Freundschaft mit dem damaligen Neubeurer Hofnarren und zukünftigem Ehemann Simon Schmid hielt und gleich nach dem Fasching ging’s an die Hochzeitsplanung. Da waren selbstverständlich beide Faschingsgesellschaften eingeladen. Die Prinzessin und der Hofnarr: ein großes lustiges Hochzeitsfest.
Dieses Jahr ist ihr Neffe Michael Prinz, der wuchs praktisch in der Hofschneiderei seiner Mutter Johanna „Hannerl“ Astner auf und gehört zum Flintsbacher Elferrat, der aus verschiedenen Vorschlägen in geheimster Abstimmung den Prinzen und die dazugehörige Prinzessin wählt. „Ob man Prinz wird, kann man sich nicht selbst aussuchen, aber es ist eine große Ehre und man ist saumäßig stolz darauf.“ Die Wahl des Prinzenpaares erfolgt lange vor dem 11.11. und es ist jedes Mal wieder erstaunlich, wie die Eingeweihten dichthalten. Es wird gemunkelt und getratscht, aber dann ist es doch eine große Überraschung und eine Freude, wenn das Prinzenpaar vorgestellt wird. Prinz Michael I. und seine Prinzessin Annalena I. wurden selbstverständlich in der Hofschneiderei der Prinzenmutter eingekleidet und stellen ein wirklich großartiges griechisches Paar dar, als das sie am Sonntag beim großen Faschingszug durch Flintsbach ziehen werden.
Neubeuern und Flintsbach, in Freundschaft über den Fasching verbunden, aber eben nicht nur in Freundschaft! Alle Prinzen und Prinzessinnen, die hier vorgestellt werden, sind weitschichtig verwandt miteinander, der diesjährige Flintsbacher Prinz Michael und die noch amtierende Neubeurer Prinzessin Rebecca stammen sozusagen aus demselben Clan. Sie haben dieselben Ur-Ur-Großeltern, Klara und Pankraz Eutermoser, der natürlich wie seine Ur-Ur-Ahnen ein lustiger Musikant und Musikmeister bei der Neubeurer Musikkapelle war.
Der 1869 geborene Pankraz arbeitete sich vom Knecht zum Bäcker hinauf und hatte mit seiner Frau Klara zahlreiche Kinder, die sich weit über das Inntal hinaus musikalisch einen Namen machten. Er ist der Großvater vom Stocker Hans und seiner Schwester Helmi, der Urgroßvater von Martina und Irmi und der Ur-Ur-Großvater von Rebecca und Michael.
Musikalität und
andere Talente
Prinzessin oder Prinz werden kann man nicht selbst bestimmen, aber man kann quasi hineingeboren werden, weil Humor und Heiterkeit weitervererbt werden, wie Musikalität oder andere Talente. Bestimmt gibt es aus diesem großen Clan auch in der nächsten Generation Faschingstalente für Prinzessinnen und Prinzen, Gardemädchen, Minister und Kinderprinzenpaare. Denn wenn man die hier auch noch aufzählen würde, bräuchte man mindestens zwei ganze Seiten.
Und das ist die Botschaft von Prinz Michael I. an alle zukünftigen Prinzessinnen und Prinzen: „Genießt die Zeit, nehmt alles mit, was geht. Die Menschen, die man kennenlernt, die Veranstaltungen, die man besuchen darf und die Momente, die man erlebt, sind einmalig! Und obwohl der Fasching in diesem Jahr extrem lang ist, sagt er voller Überzeugung: „Fasching bleib do!“