Mehr Lebensqualität durch individuelle Betreuung

von Redaktion

Seit 15 Jahren gibt es die Palliativstation im Romed-Klinikum Rosenheim – Rückblick und Ausblick

Rosenheim – Die Palliativstation des Romed-Klinikums Rosenheim feierte kürzlich ihr 15-jähriges Bestehen mit zahlreichen Besuchern und langjährigen Wegbegleitern. Wie das Klinikum mitteilt, präsentierte das palliativmedizinische Team in der feierlich gestalteten Cafeteria des Hauses seine vielfältigen Tätigkeitsbereiche. Informationsstände gaben Einblicke in medizinisch-pflegerische Aufgaben sowie in ergänzende Therapieangebote wie Physio-, Ergo-, Aroma-, Kunst- und Musiktherapie, Entspannungstechniken, traditionelle chinesische Medizin, Seelsorgearbeit und sozialmedizinische Beratungen.

Ruhe und Zeit
als Kriterien

Physiotherapeuten demonstrierten, wie sie beispielsweise bei der Linderung von Atemnot unterstützen oder mit Kräftigungs- und Koordinationsübungen die Bewältigung des Alltags erleichtern. Physiotherapeutin Lydia Loer betonte dabei: „In erster Linie geht es darum, mit den Patienten zu klären, was ganz individuell gebraucht wird. Das geht natürlich nur, wenn man sich die Zeit nimmt und in Ruhe mit dem Patienten eine Beziehung aufbauen kann. Man sucht gemeinsam die Maßnahmen, die aktuell hilfreich sind. Es ist viel mehr Einfühlungsvermögen und Zeit nötig als in der Akutmedizin.“

Ein zentraler Aspekt der Palliativmedizin sei es, „dem Leben nicht mehr Zeit zu geben, sondern mehr Zeit mit Leben zu füllen“. Ziel des Teams sei es daher, Patienten so gut zu stabilisieren, dass diese nach Hause entlassen werden können. Häufig kämen Patienten jedoch sehr spät auf die Station, da der Begriff „palliativ“ bei vielen Menschen Angst und Ablehnung auslöse. Dies erschwere eine individuelle Betreuung, hieß es mehrfach bei Gesprächen während der Veranstaltung.

Interessierte Besucher konnten in kleinen Gruppen die Station besichtigen. Markus Thumes, Pflegerischer Leiter, führte durch die Räumlichkeiten und erläuterte die Besonderheiten der Einrichtung. Die Station zeichne sich durch eine beruhigende Atmosphäre und wohnliche Gestaltung aus. Angehörige könnten bei Bedarf in der Klinik übernachten, eine eigene Küche ermögliche viel Individualität und die Klinikküche versuche, nahezu jeden Essenswunsch zu erfüllen. „Eis ist bei uns sehr wichtig, das wird gerne genommen“, berichtete Thumes. Zudem gebe es regelmäßig Konzerte, Besuche der Klinikclowns und seit Kurzem sogar einen speziell ausgebildeten Therapiehund, der mit Sondergenehmigung auf die Station komme. Ein großzügiger Aufenthaltsraum mit Klavier und Gitarre sowie altersgerechte Bücher für Kinder erleichterten Familienangehörigen den Umgang mit Krankheit und Tod. Auch das Badezimmer mit begehbarer Wanne, Whirlpool und maritimer Gestaltung erinnere eher an ein Urlaubsdomizil als an eine Klinik. Eine Terrasse biete zudem einen beeindruckenden Blick auf die Stadt und die umliegenden Berge.

Romed-Geschäftsführer Dr. Ulrich Schulze hob in seiner Ansprache die Bedeutung der palliativmedizinischen Versorgung hervor, der man anfänglich durchaus ambivalent gegenübergestanden habe. Heute genieße die Einrichtung einen hervorragenden Ruf weit über Stadt und Landkreis hinaus. Schulze dankte dem gesamten Team für seinen unermüdlichen Einsatz und das herausragende Engagement.

Landrat Otto Lederer, aktuell auch Aufsichtsratsvorsitzender der Romed-Kliniken, betonte in seiner Rede die Unantastbarkeit der Würde des Menschen und die Wichtigkeit eines würdevollen Umgangs mit Sterben und Tod. Er dankte insbesondere Dr. Michael Schnitzenbaumer, dem Ärztlichen Leiter der Palliativmedizin: „Sie haben mit viel Leidenschaft und Herzblut die Palliativmedizin mit einem hervorragenden und engagierten Team aufgebaut und bekannt gemacht. Darauf dürfen Sie und alle hier sehr stolz sein!“

Dr. Schnitzenbaumer blickte anschließend auf die Anfänge der Station zurück. Im Jahr 2010 startete das hoch spezialisierte interdisziplinäre Team mit sechs Patientenzimmern, bereits ein Jahr später wurde auf zehn Einzelzimmer erweitert. Anfang 2020 feierte das Team noch mit einem „Tag der offenen Tür“ das zehnjährige Bestehen, ehe die CovidPandemie einschneidende strukturelle und personelle Spuren hinterließ. Zeitweise musste die Station sogar vorübergehend geschlossen werden und die Versorgung war auf vier Betten eingeschränkt.

Über 4000 Patienten
unterstützt

Seit Bestehen der Palliativstation wurden über 4000 Patienten und deren Angehörige unterstützt, mehr als 3000 Patienten konnten auf ihrem letzten Lebensweg begleitet werden. Für die Zukunft wünscht sich Dr. Schnitzenbaumer die Etablierung eines palliativmedizinischen Dienstes und eine stärkere Vernetzung mit den anderen Kliniken im Romed-Verbund, denn Palliativmedizin sei weit mehr als reine Patientenversorgung.

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