von Redaktion

Ganz früh am Morgen sehe ich durch das Fenster des Pfarrhauses den Gabelstapler des städtischen Baubetriebshofs vorbeifahren. Beim Blick vor unsere Haustüre dann die Überraschung: Die Stadtgärtnerei hat uns heuer nicht nur zwei Kübel-Palmen, sondern zudem auch einen wunderschönen Zitronenbaum vor den Eingang gestellt. Über und über hängen die gelben Früchte reif in den Zweigen. So eine ebenmäßig schöne und gesunde Pflanze habe ich vorher noch nie gesehen. Jeder Besucher, der an diesem Vormittag ins Pfarrhaus kommt, staunt und hat automatisch ein Lächeln im Gesicht. Einer fragt schelmisch, ob wir die Zitronen da draußen schon „abgezählt und nummeriert haben?“ Unser Pfarrhaus liegt in der Fußgängerzone und bei den vielen Menschen, die jeden Tag dort vorbeikommen, wird sich die Anzahl der Früchte in unserem Bäumchen sehr bald dezimieren. Das ist nun mal so. Vielleicht haben sich die Gärtner den Eingang zum Pfarrhaus ja auch als Ort für dieses zauberhafte Gewächs ausgesucht, weil sich dort niemand stehlen traut? Nein, wir haben die Früchte weder abgezählt, noch durchnummeriert und auch keine Kamera aufgestellt! „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?“, heißt es in einem Gedicht von Goethe. Wir haben diesen Sehnsuchtsort jetzt direkt vor unserer Türe. Wir freuen uns jeden Tag daran, solange noch eine Frucht im Bäumchen hängt. Und dann erinnern wir uns, dass Gott uns nicht für die Missgunst und den Neid, sondern für die Weitherzigkeit und die Freude an allem Schönen geschaffen hat.Foto maurer

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