Die Eisblumen am Fenster sind mittlerweile wieder verschwunden. Ein paar Tage lang erzählten die bizarren Gebilde von der zauberhaften Schönheit der Natur selbst in der bittersten Kälte. Wie ein zarter Schleier verhinderten sie jedoch die klare Sicht. Kälte gibt es auch in unserer menschlichen Welt. In verletzenden Worten, in abweisenden Blicken und in spürbarer Ablehnung. Auch diese menschliche Kälte kann den klaren Blick trüben. Sie verhindert, dass wir das Herz eines Gegenüber wirklich sehen und lässt uns das Licht und die Wärme hinter dem Fenster vergessen. Die Hoffnung bleibt auch hier bestehen. Wie die Eisblumen schmelzen, wenn die Sonne sie berührt, so kann in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen die Wärme Einzug halten. Ein gutes Wort, ein offenes Herz oder ein Moment echter Zuwendung eines einzigen Menschen wirken wahre Wunder. Dann erkennen wir: Hinter aller Kälte wartet doch das Leben. Selbst das, was uns den Blick verstellt, erinnert uns daran, wie sehr wir menschliche Wärme brauchen.
Foto Schmid-Ramerth