Wie der Geigelstein zum Naturschutz-Symbol wurde

von Redaktion

Ein jahrzehntelanger Streit prägte den Kampf um den Geigelstein. Heute thront über Sachrang keine Skischaukel, sondern ein geschützter Gipfel. Bei einem DAV-Podiumsgespräch erinnerten sich Zeitzeugen, wie der umstrittene Berg zum Symbol für den Naturschutz und zum Bergsteigerdorf wurde.

Aschau – Hans Steinbichler, Filmregisseur und Drehbuchautor, und Sebastian Pertl, Biobauer aus Innerwald, diskutierten jüngst im Sachranger Podiumsgespräch über den langen Weg „von der Skischaukel zum Bergsteigerdorf“. Dazu eingeladen hatte der Deutsche Alpenverein (DAV) Prien.

Anliegen von dessen Vorsitzendem Sepp Buchner war es, die Geschichte und den jahrzehntelangen Kampf um den Geigelstein, der mit der Gründung der Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Geigelstein“ Mitte der 1970er-Jahre begann, nicht zu vergessen. Buchner konnte zahlreiche Interessierte, aber auch das Team der Priener Hütte, Mitglieder des DAV, der ehemaligen BI „Rettet den Geigelstein“, des Vereins „Lebendiges Sachrang“ sowie Vertreter der Gemeinden Aschau und des Achentals bei der Veranstaltung begrüßen.

Die Idee: ein Netz von
Pisten, Bahnen und Liften

Der Erkersaal der Alten Schule in Sachrang war einst Schauplatz des Streits um den Geigelstein. Vor der Eingemeindung in die Gemeinde Aschau Ende der 1970er-Jahre diente er als „Kanzlei“ der Gemeinde Sachrang. Hier wurde auch die Idee geboren, am Geigelstein ein Skigebiet zu eröffnen. Eine Skischaukel sozusagen, also ein Netz von Pisten, Bahnen und Liften, das es Skifahrern ermöglicht, ohne Abstieg ins Tal von Sachrang bis Schleching von einem Hang zum nächsten zu fahren.

Doch es sollte anders kommen. Heute ist der Geigelstein Naturschutzgebiet und Sachrang ein Bergsteigerdorf.

Zeitzeugen dieser Entwicklung waren unter anderem Hans Steinbichler, Sebastian Pertl und Georg Antretter – alle drei sind inzwischen über 60 Jahre alt.

Wie das damals war? „Bei uns daheim in Kothöd war ein großer runder Tisch für 24 Personen“, erinnert sich Steinbichler. Hier trafen sich alle, die gegen die Skischaukel waren. Menschen aus der Region, ja sogar aus München. Dazu muss man wissen: Steinbichlers Vater Hans (1936 – 2020) war einer der Hauptakteure im Kampf um den Geigelstein. Und der Münchner Klaus Gerosa, geboren 1944, brachte mit einem Beitrag in der „Bergwelt“ 1973 den Stein für den Kampf um den Geigelstein ins Rollen. Sachrang sei damals „Feindesort“ gewesen, sagt Steinbichler, und erzählt, dass er deswegen damals „angegangen“ wurde.

Der Streit spaltete die
Menschen im Priental

Sein Vater habe ein mögliches Skigebiet als wirtschaftliche Chance gesehen, erzählt Georg Antretter. „Und ich dachte als Kind nur: endlich Skifahren.“ Heute sehe er das natürlich anders.

Für die Familie von Wast Pertl, eine Bauernfamilie, war ein mögliches Skigebiet kein Thema. „Mein Vater war ein sturer Bock“, sagt Pertl.

Alle drei Zeitzeugen berichten, dass sich die Menschen im Priental pro oder contra Skigebiet jahrzehntelang verbittert gegenüberstanden – und dass die ältere Generation nie mit-, sondern eher nur übereinander gesprochen habe. „Mein Schaffen ist geprägt von diesem Außenseitertum“, erklärt Steinbichler. Das sei für ihn aber „ein großes Geschenk“. Auch Wast Pertl berichtet, dass er es nicht einfach gehabt habe. Er sei im Priental der erste Biobauer gewesen. Sein Einsatz heute für die Landschaftspflege – sei es das Schwenden oder das Weidemanagement – sei in gewisser Weise auch ein Kampf gegen die Politik. Auch Steinbichler gibt sich noch immer kämpferisch: Dass sich Sachrang und Schleching mit dem Titel Bergsteigerdörfer schmücken, sei ihm „zu selbstverständlich“. Es müsse auch das ursächliche Zustandekommen erklärt werden.

Wast Pertl machte bei der Podiumsdiskussion klar, dass es wichtig sei, miteiander zu reden, und dass Naturschutz nicht wehtue. Beide ernteten Beifall.

„Ziviler Ungehorsam
in geordneter Form“

Auch das Publikum kam zu Wort. Brigitte Baretzky betonte, dass sich die Begriffe Natur und Kulturlandschaft nicht ausschließen. Lothar Obermaier, einer der Mitbegründer der BI Geigelstein, lobte, dass die BI-Mitglieder seinerzeit immer ehrlich waren.

Wie sie damals diesen Druck ausgehalten hätten, wollte eine Besucherin wissen. Das erkläre sich mit der Herkunft, sagt Steinbichler, denn der Geigelstein sei immer ein Stück Heimat gewesen. Die damalige Bürgerinitiative sei „ziviler Ungehorsam in geordneter Form“ gewesen. Themen wie dem Wegebau am Berg oder dem ÖPNV in einem Bergsteigerdorf will sich der DAV in weiteren Veranstaltungen annehmen.

Der Kampf um den Geigelstein

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