Mit Bus, Herz und Glauben nach Rom

von Redaktion

50 Jahre Vatikan-Reisen mit Hans Wembacher – Über 40.000 Pilger zu den Päpsten gebracht

Waging/Traunstein – Er hat über 40.000 Reisende zu den Päpsten gebracht, über 1.000 Fahrten veranstaltet, war mit der Schweizer Garde auf Du und Du und hatte im Vatikan viele Privilegien: Hans Wembacher aus Waging. Der Touristiker blickt in diesen Tagen auf ein halbes Jahrhundert Rom-Besuche, quasi seine zweite Heimat. „Der Wembacher kommt bestimmt mal in den Himmel“, sagte einst eine treue Mitreisende aus dem Chiemgau. Das war 2012 in einer Zeit, in der es Papst Benedikt XVI. schon nicht mehr allzu gut ging. Wenige Monate später hatte der gebürtige Marktler dann seinen Amtsverzicht bekannt gegeben. Für Wembacher und sein Team aber kein Grund, die Rom-Fahrten einzustellen.

Alles begann im
Heiligen Jahr

„Das Heilige Jahr 2025 ist nun vorbei und im Heiligen Jahr 1975 hatte ich mit den Führungen in Rom begonnen“, erinnert sich der Waginger. Ein enger Freund seiner Eltern sei Pater Dr. Josef Spellucci, Salvatorianer und viele Jahre in der deutschen Abteilung im Staatssekretariat des Vatikans tätig gewesen. Schon als Kind und dann als Jugendlicher habe Wembacher mehrmals jährlich an seinen Führungen teilnehmen dürfen. Und dann folgte auch schon der Ritterschlag, denn 1975 sagte Spellucci zu ihm: „Du kennst schon alles und du musst jetzt die Führungen alleine machen. So wurde ich ins kalte Tiber-Wasser geworfen.“ Das war zu einer Zeit, da Papst Paul VI. (1963 bis 1978) noch Oberhaupt der katholischen Kirche war.

Da Wembacher schon seit 1974 den Busführerschein hatte, war er mit Rom natürlich schon bestens vertraut. „Damals konnten wir noch vor jeder Kirche parken, ohne irgendwelche Beschränkungen die ganze Stadt befahren. Der Petersplatz war der Parkplatz für die Busse, ebenso war Platz rund ums Kolosseum. Und so konnte ich meine Gruppen fahren und die Führungen in den Kirchen und Sehenswürdigkeiten problemlos abhalten“, erzählt der Waginger. Und: „Bei meinen Führungen im Petersdom wurde dann der Chef des deutschen Pilgerzentrums, Pfarrer Antonio Tedesco, auf mich aufmerksam. Und so informierte ich an freien Tagen für das Pilgerzentrum im Vatikan, für das Vatikanische Museum und den Päpstlichen Gärten offiziell viele hundert Gruppen.“

Es seien Schüler und Jugendliche von Gymnasien, Realschulen und auch Volksschulen gewesen. Auch viele Pfarreien und kirchliche Verbände hätten Interessierte geschickt. Ebenso habe es Abordnungen aus dem politischen Bereich, wie Junge Union oder CSU-Kreisverbände, gegeben. Wembacher lernte so auch den Präfekten der Glaubens-Kongregation, Josef Ratzinger, kennen. „Er hielt immer im Campo Santo am Donnerstag um 7 Uhr die heilige Messe und wir waren oft mit den Gruppen dabei“, weiß der Vatikan-Vertraute. Er sei auch bei der Organisation für den 60. Geburtstag von Ratzinger zusammen mit Franz Josef Strauß und den bayerischen Gebirgsschützen mit einbezogen gewesen. Seither würden die Wembacher-Gruppen jedes Mal mit Musik über die Via della Conciliazione, also von der Engelsburg bis zum Petersplatz, ziehen. Viele Jahre sei die fünfspurige Straße zum Vatikan dafür gesperrt worden. Heute sei alles ohnehin Fußgängerzone. So richtig angefangen habe alles aber mit Papst Johannes Paul II. Dessen Pontifikat habe über 26 Jahre gedauert (1978 bis 2005). Wembacher erinnert sich: „Die Audienzen auf dem Petersplatz zogen in seiner Zeit viele Gläubige an und so wurde der Parkplatz auf dem Petersplatz Geschichte. Durch seine vielen Reisen ist Johannes Paul eine prägende Gestalt der Welt geworden.“ Eine völlig neue Dimension hätten die Vatikan-Reisen dann aber ab 2005 erreicht, als Josef Ratzinger als Nachfolger zum Papst Benedikt XVI. gewählt worden war. „Mit 500 Personen, alles innerhalb von drei Tagen organisiert, fuhren wir zur Amtseinführung. Gebirgsschützen, Pfarreien und Fans vom neuen Papst waren dabei. Gleich am nächsten Tag bekamen wir für uns eine Sonderaudienz“, berichtet Wembacher, der mit einem Mal auch in der überregionalen Presse auftauchte. Mit zahlreichen Musikkapellen, Trachtengruppen und Gebirgsschützen ging es jetzt regelmäßig zu den Audienzen. Wembacher-Touristik war ab sofort bei allen Papst-Geburtstagen und -Jubiläen vertreten. „Auf dem Petersplatz hatten wir immer die gleichen Plätze und Papst Benedikt freute sich schon, wenn er die Bayern-Fahne sah“, erzählt Wembacher. Viele Geschichten könnte er erzählen, aber die Verleihung des Ehrenrings an den Papst durch Traunsteins Landrat Hermann Steinmaßl in Castel Gandolfo sei einer der absoluten Höhepunkte gewesen, für ihn selbst, aber auch für den Landrat und die vielen Mitreisenden. Auch beim Rücktritt von Benedikt im Februar 2013 war der Touristiker mit einer Gruppe in Rom. Am nächsten Tag sei er in die Präfektur des Vatikans gegangen und habe erreichen können, dass nochmals eine Abschiedsaudienz innerhalb von 14 Tagen auf dem Petersplatz gehalten wurde. 100.000 Menschen seien dabei gewesen. Und die Traunsteiner Stadtkapelle habe die Bayernhymne gespielt. Benedikt aber sei auch nach seinem Rücktritt in Ehren gehalten worden. „Wir haben zu verschiedenen Anlässen mit Gebirgsschützen und Musikkapellen unseren Papst besucht. Ein letztes Bild gab es zu seinem 95. Geburtstag. Da konnten wir uns noch eine gute Stunde lang mit ihm unterhalten“, weiß Wembacher. Als an Silvester 2022 dann die Todesnachricht eintraf, organisierte der Waginger 250 Gebirgsschützen und die Musik für die Beerdigungs-Feierlichkeiten. Mit der Bayernhymne, gespielt von der Unterpfaffenhofener Feuerwehrkapelle, wurde der Sarg in den Petersdom getragen.

Schon mit zehn
Gruppen bei Papst Leo

Die Vatikan-Besuche blieben Bestand. Wembacher und Co. erlebten viele Audienzen bei Nachfolger Papst Franziskus. Papst Leo XIV. habe dann das Heilige Jahr am Dreikönigstag 2026 beendet. Und auch bei ihm sei er schon mit zehn Gruppen gewesen. Und für 2026 seien bereits Reisen mit mehreren Gruppen organisiert. Hans Wembacher, der mittlerweile 73 Jahre zählt, ist noch kein bisschen müde und topfit. Also, der Himmel muss noch lange auf ihn warten.

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