Die Seele holt ganz tief Atem

von Redaktion

In einem Kloster in Neumarkt in der Oberpfalz hat mich in der vergangenen Woche der Winter eingeholt. Ende Januar entspricht das der Jahreszeit und ist ganz in Ordnung so. Und doch hat sich auf dieser Tagung im Kloster mit dem Schnee über Nacht auch die Stimmung verändert. Bei der abendlichen Anreise wirkte der Innenhof auf mich noch etwas trist, denn natürlich wächst und blüht nichts um diese Zeit. Am Morgen überrascht mich beim Blick aus dem Fenster plötzlich ein Garten, der unter einer dicken Schneedecke liegt. Während wir in den Konferenzräumen an der Lösung von Problemen arbeiten, scheint draußen im Innenhof der dicken Klostermauern die Zeit stehen geblieben zu sein. Und jedes Mal wenn ich aus dem Fenster schaue, erinnert mich der Schnee: Es braucht auch die Ruhe, damit sich ordnen kann, was im Lärm des Alltags durcheinandergeraten ist. Hoffnung keimt oft dort, wo wir nichts mehr machen müssen, sondern nur noch empfangen dürfen. Gesegnete Stille ist ein Atemholen der Seele. Es wächst das Vertrauen, dass unter der weißen Decke schon das Leben wartet.

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