Eine Römer-Stadt aus hunderttausenden Lego

von Redaktion

Für die neue Ausstellung „Römer“ im Lokschuppen Rosenheim wird eine riesige, idealtypische römische Stadt aus über einer halben Million Lego-Steinen gebaut. Das Projekt ist das weltweit größte seiner Art – und Lokschuppen-Besucher können beim Bau der einzelnen Module mithelfen.

Rosenheim – Der Raum gleicht einer Baustelle. Überall liegen kleine Klemmbausteine in sämtlichen Farben. Einige von ihnen sind rechteckig, andere quadratisch und wieder andere schauen aus wie längliche Platten oder Dachziegel. Während ein paar davon bereits zu Türmen zusammengebaut wurden, sind die meisten Steine noch in Plastiktüten verpackt oder liegen auf den Tischen, die im Rosenheimer Lokschuppen aufgestellt sind. Gelegentlich ist ein Rascheln zu hören, wenn die rund 20 Helfer wieder eine Handvoll der Steine in einem weiteren Plastikbeutel verschwinden lassen.

Eine Stadt mit Tempel
und Amphitheater

Zwischen den Tischen spazieren Andreas Kunz und Joachim Klang umher und kontrollieren, dass jeder Stein in der richtigen Tüte landet. Denn die beiden Männer haben – zusammen mit Tobias Nieder – mit den Bausteinen Großes, sogar Historisches vor.

Die drei Lego-Spezialisten aus der Schweiz, Bonn und Saarlouis wollen in Rosenheim die weltweit größte, idealtypische Römer-Stadt entstehen lassen – aus Hunderttausenden Lego-Steinen.

Für die neue Ausstellung im Lokschuppen „Römer – Gesichter eines Weltreiches“ haben die drei Männer dazu die Stadt „LOCDVNVM“ entworfen. Wie eine echt existierende römische Stadt – wie zum Beispiel das alte Rom oder Pompeji – wird die Metropole aus Lego-Steinen aber nicht aussehen. „Es ist quasi eine typische Stadt nach altrömischem Vorbild und keine spezielle“, sagt Joachim Klang. Der Autor einiger Bücher für Bauanleitungen von eigenen Lego-Modellen und Mitarbeiter der TV-Show „Lego-Masters“ hat sich um das Design gekümmert.

Das Rom aus der Antike – errichtet auf sieben Hügeln – originalgetreu aus Lego-Steinen nachzubauen, sei auch gar nicht so einfach. „Bei Lego-Steinen hat man Schwierigkeiten bei Rundungen und Höhenunterschieden. Wenn man eine hügelige Landschaft errichten will, hätte man einen unglaublichen Mehraufwand an Material“, erklärt Klang. Deshalb gehe das Projekt mehr auf die Charakteristik einer antiken, römischen Stadt ein. „Wir haben typische Bezugspunkte wie ein Forum, einen Tempel, ein Aquädukt, ein Amphitheater oder eine Therme“, sagt er.

Detailgetreue Nachbildung
auf 45 Quadratmetern

Um die Großbauten herum sollen verschiedene Wohnhäuser entstehen, unter anderem mit Innenhöfen. „So sind es am Ende insgesamt 3.160 Module geworden“, sagt Klang. Darunter seien auch Stadttore, Mauern und ein Friedhof.

Selbst für kleine Details in der Stadt haben die drei Lego-Spezialisten gesorgt. „Ich habe auch Tiere gebaut, zum Beispiel Schwäne und Enten, um es ein wenig lebendiger zu gestalten. Es gibt auch Apfel- und Olivenbäume, Zypressen und kleine Steckpflanzen“, erklärt Klang.

So soll am Ende eine lebendige, detailgetreue römische Stadt auf einer Fläche von rund 45 Quadratmetern im Lokschuppen stehen. Dafür braucht es Teile. Und nicht gerade wenig. „Es werden wohl deutlich über eine halbe Million Lego-Steine sein“, sagt Andreas Kunz. Der Schweizer und langjährige Präsident eines Lego-Vereins organisiert die Logistik hinter dem Projekt.

Besondere oder außergewöhnliche Lego-Steine seien darunter nicht. Es würden Steine verbaut, die wohl jeder Lego-Bauer von zuhause kennt, erklärt Andreas Kunz. Die Bauteile hätten allerdings extra für den Bau der römischen Stadt gekauft werden müssen – auch die drei Lego-Spezialisten hätten die passenden Steine dafür nicht einfach im Keller herumliegen.

Es gibt laut dem Schweizer aber im Internet verschiedene Plattformen, auf denen man Einzelsteine kaufen kann. „Aber alles, was jetzt hier ist, ist relativ einfach und gut erhältlich“, sagt er, während er eine Tüte mit orangefarbenen Lego-Steinen inspiziert. Diese dunkelorangen Platten mit der Größe von zwei auf vier Noppen zu besorgen, sei mit die größte Herausforderung gewesen. „Da wir die Teile für die Dachsteine der Häuser brauchen, mussten wir rund 80.000 Stück davon organisieren“, sagt Kunz.

Entwicklung dauerte
rund ein Jahr

Bevor es an die Bestellung der Lego-Steine ging, musste ein Plan her, wie die Stadt am Ende aussehen soll. Und der sei zunächst im Kopf von Joachim Klang entstanden. „Der allererste Schritt war, sich ein Farbschema zu überlegen“, erzählt der Bonner. Um das richtige Aussehen der Gebäude zu bestimmen, habe er sich eng mit Dr. Jennifer Morscheiser, Leiterin des Lokschuppens Rosenheim, abgestimmt und zudem viele Fotos angeschaut. Danach habe er sich ein Muster überlegt, wie die ganzen Höfe und Wohnhäuser darin untergebracht werden können.

Wie die Gebäude angeordnet werden, hat Klang auf einem großen Papierblatt aufgezeichnet. Im Anschluss fing er an, einzelne Module zu bauen. „Ich habe immer in Etappen aufgebaut, meist so um die drei Quadratmeter“, sagt Klang. Ähnlich wie bei einem Puzzle. Dabei habe er vieles ausprobiert. Wenn ein Haus zum Beispiel mit dem vorgesehenen Dach nicht baubar war, habe er sich etwas Neues einfallen lassen.

So hat Klang aus den Lego-Steinen immer wieder neue Höfe konstruiert, um möglichst viele verschiedene Häuser entstehen zu lassen. „Es soll ja nicht wie ein wiederkehrendes Muster aussehen“, betont Joachim Klang. Am Ende seien 71 unterschiedliche Module herausgesprungen. Die ganze Entwicklung der Stadt aus Lego-Steinen habe rund ein Jahr gedauert.

Sobald der Plan grob stand, ist auch Tobias Nieder ins Spiel gekommen. Der ehemalige Teilnehmer von „Lego-Masters“ ist Spezialist für die Digitalisierung und Erstellung von Lego-Bauanleitungen.

Lokschuppen-Besucher
werden zu Baumeistern

„Die Stadt wird von innen nach außen aufgebaut“, sagt Nieder ein paar Tage vorher am Telefon, da er zum Sortieren der Steine nicht in Rosenheim sein kann. Schritt für Schritt soll „LOCDVNVM“ auf einem Tisch heranwachsen – angelehnt an eine Ausgrabungsstätte. „Pro einzelnem Bauschritt haben wir ein bis zwei Lego-Steine eingeplant“, erklärt Lego-Profi Nieder. Normalerweise gestaltet er seine Anleitungen so, dass 30 bis 40 Teile pro Schritt verbaut werden. Die Stadt in Rosenheim soll allerdings nicht von den Lego-Profis gebaut werden – sondern von den Besuchern des Lokschuppens. Nur die Großobjekte wie das Forum oder die Therme übernehmen die Spezialisten. Der Rest wird von den Besuchern an rund 20 Bauplätzen errichtet. Für drei Euro könne eines der Module in rund 20 Minuten gebaut werden, teilt das Lokschuppen-Team mit.

Bauzeit zwischen
zehn und 14 Tagen

Mitmachen kann dabei jeder, versichert Andreas Kunz. Er und Joachim Klang rechnen damit, dass die Stadt in rund zehn bis 14 Tagen fertig werden könnte. Wie die Stadt am Ende aufgebaut aussehen wird, darauf freuen sich auch die drei Lego-Spezialisten am meisten. „Komplett dreidimensional hat das noch niemand gesehen. Deshalb wird das auch für uns ein toller Moment“, sagt Tobias Nieder.

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