Rosenheim – „Es ist wirklich nicht selbstverständlich, dass sich jemand ehrenamtlich so sehr mit diesem Thema auseinandersetzt“, sagt Larissa Langhoff von der Long-/Post-Covid-Selbsthilfegruppe im Landkreis Rosenheim. Oft würden nicht einmal Fachärzte so viel Engagement beweisen. Langhoff zeigt sich begeistert vom neuen Angebot des Behinderten- und Reha-Sportvereins (BRSV), welches dank des Engagements von Gertraud Jerger und Ralf Staude zustande gekommen ist.
Selbst ein
Schicksalsjahr erlebt
Das Paar kommt auch beruflich aus dem medizinischen Bereich. Staude ist Physiotherapeut, Jerger medizinische Fachangestellte. „Ich hatte ein ziemlich schweres Schicksalsjahr, welches mich ganz schön niedergebügelt hat“, berichtet Jerger.
Damals hat sie – ähnlich wie viele Long-/Post-Covid-Betroffene – eine chronische Müdigkeit erlebt. Ihre anschließende eigene Reha-Erfahrung war der Anstoß dafür, die Ausbildung zur Übungsleitung zu machen.
Staude sieht in seiner täglichen Arbeit mit mehrfach schwerbehinderten oder alten Menschen, wie vielseitig und komplex Beschwerden sein können.
Krankheitsbild ist
vielseitig und komplex
Vielseitig und komplex: Begriffe, die auch das Krankheitsbild von Long-/ Post-Covid-Betroffenen recht gut zusammenfassen. Denn wie sich die Krankheit äußert, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch teils massiv. Für Jerger und Staude – die eine umfangreiche Fortbildung im Bereich Reha für Long-/Post-Covid-Betroffene absolviert haben – ist das aber kein Grund, den Sportkurs für Betroffene nicht anzubieten. Und dass der Bedarf dafür da ist, zeigte sich auch vor Kurzem bei einem Infoabend in Happing, zu dem rund 15 Interessierte vor Ort waren.
„Viele fühlen sich
allein gelassen“
„Viele fühlen sich alleine gelassen“, erzählt ein Betroffener vor Ort. Umso glücklicher sei man über Angebote wie den Sportkurs. Dieser soll als geschützter Raum fungieren, in dem jeder so viel tun kann, wie ihm zu diesem Zeitpunkt möglich ist.
„Es gibt keine Verpflichtung, hier eine Dreiviertelstunde durchzuturnen“, macht Staude deutlich. Neben Atemtechniken, Kraft, Ausdauer, Koordination und Mobilisationsübungen stehen auch Konzentrations- und Gedächtnistraining auf dem Plan. Denn auch in diesem Bereich haben Betroffene manchmal Probleme. Wichtig ist: Wem etwas zu viel ist, der kann sich jederzeit zurückziehen.
„Es wird spannend für uns“, sagt Staude nach dem Infoabend. „Die Kursteilnehmer haben teils sehr unterschiedliche Beschwerden.“ Dennoch helfe oft auch schon der Kontakt zu anderen Betroffenen.
Ein wichtiges Hilfsmittel für den Kurs wurde auch beim Infoabend bereits vorgestellt: die Belastungs- und Atmungsskala. Damit sollen die Teilnehmer lernen, sich selbst einzuschätzen. Und was sie laut Staude auch lernen können: „Sich aus dem Gruppenzwang, den wir so oft im Alltag erleben, rausnehmen zu können.“ Wem etwas in der Gruppe zu viel wird, könne sich ohne Reaktionen der anderen Kursteilnehmer und ohne Erklärung eine Pause nehmen. Etwas, was sich viele im Alltag nicht trauen. „Das ist für viele eine wesentliche Lernerfahrung“, sagt Staude.
Betroffene freuen sich
über das Angebot
Der Infoabend hat Jerger und Staude noch einmal in ihrem Bestreben bestärkt. Denn die Rückmeldung war durchwegs positiv – und die Interessentenliste im Anschluss sehr gut gefüllt. „Ich freue mich so sehr über dieses Angebot“, sagt Larissa Langhoff und spricht damit auch für die anderen Mitglieder der Selbsthilfegruppe. „Wenn ich so etwas höre, geht mir das Herz auf“, freut sich Staude.