Die Schiri-Gang aus Vogtareuth

von Redaktion

Warum Maxi Wiesmeier, Moritz Trattner und Leonhard Gaßner eine verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen

Vogtareuth – Der SV Vogtareuth darf sich seit dem vergangenen Jahr über gleich drei neue, junge Schiedsrichter freuen. Mit Maxi Wiesmeier, Moritz Trattner und Leonhard Gaßner haben sich drei Jugendliche im C-Jugend-Alter für diese verantwortungsvolle Aufgabe entschieden. Alle drei sind aktive Fußballer im Verein und pfeifen seit einem Jahr als offizielle Unparteiische der Schiedsrichtergruppe Chiem regelmäßig Jugendspiele. Ein starkes Zeichen für Engagement, Verantwortungsbewusstsein und Vereinsleben.

Die Schulbank
gedrückt

„Dürfen wir Ihnen unsere Karte zeigen“, lautet der Erkennungssatz der drei Fragezeichen-Detektive Justus, Peter und Bob, die in erster Linie knifflige Fälle lösen und dafür vor allem eins haben: Beobachtungsgabe und Unerschrockenheit. Sie schrecken vor keinem Fall zurück. Karten haben Maxi Wiesmeier, Moritz Trattner und Leonhard Gaßner auch, aber da steht nichts drauf, sie haben die Farben Gelb und Rot.

Die drei Freunde haben die Schiedsrichter-Schulbank gedrückt, eine Prüfung bestanden und pfeifen seit einem Jahr als offizielle Unparteiische regelmäßig Jugendspiele. Und schrecken somit wie die drei Detektive vor nichts zurück, denn auch bei Jugendspielen geht es ganz schön zur Sache.

„Eine Rote Karte mussten wir noch nie geben, aber es kommt schon mal vor, dass wir das Spiel unterbrechen und mit einem Trainer ‚ein Wörtchen reden‘, wenn er sich am Spielfeldrand zu sehr engagiert.“

Die drei 14- und 15-Jährigen spielen seit zehn Jahren aktiv Fußball und sind wie die berühmten gleichaltrigen Detektive beste Freunde, auch wenn sie unterschiedliche Schulen besuchen. „Nix ist uns lieber als Fußballspielen“, sagt Leonhard Gaßner, dessen Vater ebenfalls Schiedsrichter ist. „Und es gibt gutes Taschengeld“, sagt er und lacht dazu. „Außerdem ist es cool, wenn man die Regeln so gut kennt.“ Die drei spielen nach wie vor aktiv in der C-Jugend, pfeifen aber selbstverständlich nicht, wenn die eigene Mannschaft am Start ist.

Ist es nicht manchmal schwer, sich unter Gleichaltrigen durchzusetzen? „Nein, da herrscht grundsätzlich Respekt, auch wenn man schon mal angepöbelt wird wegen einer Entscheidung“, sagt Moritz. Respekt, so sagt es ihr großes Vorbild Deniz Aytekin, einer der bekanntesten und beliebtesten Schiedsrichter Deutschlands, sei die Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft. „Schiedsrichter haben immer wieder mit starken Emotionen wie Wut, Enttäuschung und empfundener Ungerechtigkeit zu tun.“

Die Kunst läge darin, Menschen in ihrer Emotion mit Respekt zu begegnen. „Die Verantwortung, die wir tragen, stärkt auch das Selbstbewusstsein und hilft bei Stresssituationen“, stimmt Maxi Wiesmeier zu.

Denn Stresssituationen kämen bei jedem Spiel vor: ein wild gestikulierender Trainer am Spielfeldrand, Beleidigung des Schiedsrichters oder eines Gegenspielers, rücksichtlose Fouls, wie im richtigen Fußball-Leben halt.

In der Turnhalle in Eiselfing findet alljährlich ein Jugendfußballturnier statt, das der SV Vogtareuth ausrichtet. Natürlich sind die drei Jung-Schiedsrichter im Einsatz. Leonhard Gaßner pfeift ein Spiel an.

Seine Zeichen und seine Mimik sind eindeutig, die jungen Fußballspieler wissen Bescheid. Leonhard ist ganz klar der Chef auf dem Platz, dem nichts entgeht. „Natürlich müssen wir fit sein, oft läuft der Schiedsrichter mehr als die Spieler, und für die nächste Klasse, die Kreisliga, müssen wir eine Laufprüfung absolvieren.“ Aber das dürfte für die drei FC-Bayern-Fans kein Problem sein. Eingebunden ist das Schiri-Trio in den Bayerischen Fußballverband innerhalb der Gruppe „Chiem“. Hier erfahren sie, wo sie eingeteilt sind und welche Herausforderungen auf sie warten. Ruth Gaßner, Vorsitzende des Sportvereins Vogtareuth, freut sich mit ihrem gesamten Team über das Dreiergespann, zu dem auch ihr Sohn Leonhard gehört.

„Eigentlich wollte ich ihn bremsen, weil er so viel um die Ohren hat.“ Das sehen die drei jungen Schiedsrichter nicht so: „Lässt sich wunderbar mit der Schule vereinbaren.“ Wenn ein Verein nicht genügend Schiedsrichter stelle, müsse er Strafe zahlen.

„Aber drei auf einen Streich sind schon ein echter Glücksfall“, da sind sich alle einig. Ruth Gaßner hat einen Master in Sport-, Kultur- und Veranstaltungsmanagement, den sie berufsbegleitend an der Fachhochschule Kufstein absolviert hat. Sie ist quasi Profi im Ehrenamt. Und das in einer Zeit, in der es oft schwer ist, Vereinsvorstände zu gewinnen. „Natürlich gibt es Gegenwind, den gibt’s überall, wenn man etwas verändern möchte, aber ich kann auf ein super Team zurückgreifen.“ Leonhard, Moritz und Max sind das beste Beispiel dafür.

Mit ihrer Schiedsrichterausbildung verdienen sie nicht nur ein bisschen Geld, sondern übernehmen Verantwortung, nicht nur für ihren Sportverein. „Schiedsrichter benötigen Strategien, um trotz unsicherer Faktenlage klare Entscheidungen zu treffen“, sagt Deniz Aytekin, der sein Wissen vom Fußballplatz auf das weite Spielfeld des menschlichen Miteinanders überträgt, Bücher zu dem Thema schreibt und als Keynote-Speaker auftritt. „Respekt ist alles“, heißt eines seiner Bücher. In hitzigen Momenten, einen kühlen Kopf zu bewahren, ist die Hauptaufgabe eines Schiedsrichters. Man müsse wie ein Detektiv genau hinschauen. „Wir übernehmen jeden Fall“, ist eines der berühmtesten Zitate der drei Fragezeichen.

Doch im Gegensatz zu den Detektiven müssen bei einem Fußballspiel Entscheidungen sofort getroffen werden. Die drei Schüler sind auf dem besten Weg dorthin. Als Schiedsrichter oder auch Spielleiter mit Pfeife um den Hals und Roten und Gelben Karten in der Tasche werden sie jede Menge Gelegenheit haben, zu zeigen, wie man respektvoll miteinander umgeht. Und wie man in Stresssituationen einen kühlen Kopf bewahrt, ganz im Sinne von Fairplay.

Ein kleiner Teil
des großen Ganzen

„Der Fußball ist nur ein kleiner Teil des großen Ganzen – aber einer mit großer Strahlkraft“, so Deniz Aytekin. Die Deutsche Akademie für Fußball verleiht alljährlich einen Preis für den besten Fußballspruch des Jahres.

Der Gewinner beim Fußballspruch des Jahres fördert und unterstützt mit seinem Gewinn das Schiedsrichterwesen in der Breite. Vielleicht haben die drei jungen Schiris schon davon profitiert, vielleicht fällt ihnen selbst einer ein. 2021 stammte er vom Trainer Steffen Baumgart vom 1. FC Köln: „Ein Spiel ist erst vorbei, wenn der Schiedsrichter pfeift und ich nicht mehr brülle.“ Die Preisfigur heißt übrigens Max!

Wo auch immer sie pfeifen und ob ein brüllender Trainer am Spielfeldrand steht oder nicht: Maxi, Leonhard und Moritz leiten jedes Spiel mit Regel-Know-how und Respekt und sie bestimmen, wann das Spiel vorbei ist.

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