Manchmal braucht es nur einen kleinen Fluss, um uns an die großen Bewegungen des Lebens zu erinnern. Regen und Schneeschmelze lassen den Wasserstand der Mangfall für einen Tag erheblich steigen. Auch ohne über die Ufer zu treten, wirkt das Wasser an manchen Stellen auf mich bedrohlich. Es ist aufgewühlt und überschreitet seine gewohnten Grenzen. Am nächsten Tag ist das Hochwasser schon wieder zurückgegangen, hat aber doch sichtbare Spuren hinterlassen. So ist es auch mit unseren menschlichen Krisen. Sie reißen an Sicherheiten, überspülen Pläne, wirbeln Gedanken durcheinander. Doch nichts bleibt ewig im Ausnahmezustand. Wie der Fluss wieder in sein Bett fließt, finden auch wir zu innerer Ruhe. Alles ist im Fluss – Schmerz wie Freude, Enge wie Weite. Wenn die Wogen sich geglättet haben, entstehen aus wilden Wassern klare Spiegel, in denen sich Himmel und Hoffnung zeigen.Foto maurer