Sieben Kinder und ein Doktortitel

von Redaktion

Petra Fuchs (44) ist Mutter von sieben Kindern und arbeitet in Vollzeit. Dennoch hat sie ihre Doktorarbeit am Campus Mühldorf in der Rekordzeit von nur anderthalb Jahren absolviert. Es ist der erste Doktortitel, der am Campus Mühldorf vergeben wurde.

Mühldorf – In der unglaublichen Rekordzeit von nur knapp anderthalb Jahren hat Petra Fuchs ihre Doktorarbeit absolviert – und das nebenberuflich und als Mutter von sieben Kindern. Die 44-Jährige war die erste Doktorandin aus der Sozialen Arbeit am Campus Mühldorf.

„Ich frage mich manchmal selbst, wie ich das geschafft habe“, sagt Fuchs. Die Eggenfeldenerin arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Hochschule Rosenheim, zu der der Campus Mühldorf gehört – in Vollzeit.

Konsequente
Struktur nötig

„Der Schlüssel war meine konsequente Planung und Struktur“, sagt die siebenfache Mutter. Und so hat sie sich selbst einen straffen Zeitplan auferlegt: Arbeiten von 7 Uhr in der Früh bis 15 oder 16 Uhr, dann Kinderbetreuung bis 19.30 Uhr. Schließlich leben drei ihrer sieben Kinder noch in ihrem Haushalt. Anschließend ging es an den Schreibtisch, oft bis in die Nacht hinein. Freitags führte Fuchs ihre Studien durch und versuchte, die Zeit am Wochenende mit den Kindern zu verbringen.

„Die gemeinsame Zeit mit ihnen hat schon gelitten, gerade deshalb habe ich es so schnell wie möglich durchgezogen“, erinnert sich die Powerfrau. Gesund sei das aber nicht gewesen. „Ich stand vermutlich kurz vorm Burn-out, aber mit sehr viel Willenskraft habe ich es geschafft. Und natürlich liebe ich auch das, was ich tue.“ Sehr geholfen haben ihr in dieser Zeit auch ihr eigenes Netzwerk und das von Professorin Dr. Edeltraud Botzum von der TH Rosenheim, die neben Professorin Dr. Wiebke Waburg von der Universität Koblenz die Doktorarbeit als Zweitgutachterin betreut hat. „Die Türen an den Hochschulen standen offen, so konnte ich schnell mit meiner Forschung beginnen und an vielen Universitäten meine Studien durchführen.“

Fuchs hat im Rahmen ihrer Dissertation ein Lernspiel mit dem Titel „Case Work“, übersetzt also „Einzelfallhilfe“, entwickelt. Es soll Studierenden helfen, sich sozialarbeiterische Kompetenzen anzueignen und anzuwenden.

„Mein Spiel ist aber nicht nur für die Hochschullehre sinnvoll“, so Fuchs, „sondern im gesamten Bereich der sozialen Arbeit, etwa in Workshops oder in der Teamarbeit.“ Anhand von Karten werden verschiedene Themen eröffnet, konkrete Antworten gibt es aber nicht. „Die Ergebnisse müssen gemeinsam erarbeitet werden, so lernen die Spielenden, für jeden Einzelfall eine Lösung zu finden“, erklärt Fuchs. Dabei stehen ihnen verschiedene Ressourcen wie Zeit, Beziehung oder psychische Stabilität zur Verfügung. Ereigniskarten bringen außerdem überraschende Wendungen und fördern oder erschweren den Fallverlauf.

Ihr Spiel hat die Eggenfeldenerin in mehreren interaktiven Zyklen gemeinsam mit Studierenden, Lehrenden und Fachpersonal konzipiert, erprobt und weiterentwickelt und schon bei der Initiative „Schule und Spiel“ vorgestellt. „Die Rückmeldungen waren sehr gut“, freut sich die 44-Jährige, die sich in ihrer Dissertation mit einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen auseinandersetzen durfte. „Ich bin selbst Brettspielerin“, lacht Fuchs.

Vor über acht Jahren hat sie den gemeinnützigen Verein „Spielecafé der Generationen – jung und alt spielt“ in Pfarrkirchen gegründet, der unter anderem von der ehemaligen Bundeskanzlerin ausgezeichnet wurde. Dort ist sie bis heute Vorsitzende. „Das Ehrenamt musste ich während meiner Promotion natürlich ein wenig zurückschrauben, aber mittlerweile unterstützen mich gut 80 Ehrenamtliche beim Spielecafé, und alles läuft super.“ Neben dem Spielen ist die Soziale Arbeit der Eggenfeldenerin schon immer eine Herzensangelegenheit. Bereits mit 19 Jahren arbeitete sie als Tagesmutter, später im Kinderheim und mit Jugendlichen.

In Münster, wo sie ihren Master in „Sozialer Arbeit und Forschung“ machte, baute sie ein Jugendzentrum auf, ein weiteres auch in Pfarrkirchen. Nach ihrem Masterabschluss unterrichtete sie an verschiedenen Hochschulen in der Sozialen Arbeit und Kindheits- und Jugendpädagogik, unter anderem mit Fokus auf Game-Based-Learning und Gamification. Schließlich kam der sozialwissenschaftliche Fachverlag Beltz Juventa auf Fuchs zu, mit der Anfrage, ein Lernspiel zu entwickeln.

Stelle in Kopenhagen
in Aussicht

„Ich habe immer wieder festgestellt, dass Soziale Arbeit wichtig ist, aber eben auch die Ausbildung in diesem Bereich“, so Fuchs. Mit dem Doktortitel in der Tasche bewirbt sie sich jetzt an mehreren Hochschulen um eine Professur und hat sogar eine Stelle in Kopenhagen in Aussicht.

Als Dozentin will sie den Studierenden vor allem eins näherbringen: den wertschätzenden Umgang mit anderen Menschen. „Das sollte immer im Mittelpunkt der Sozialen Arbeit stehen, und das möchte ich mit meiner Arbeit voranbringen.“

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