Leni Lex kämpft weiter für das Leben

von Redaktion

Eine Stammzellspende kann alles verändern. Leni Lex aus Bad Endorf wäre fast zur Lebensretterin geworden. Sie war das perfekte Match für einen Leukämiepatienten. Doch nach einer emotional aufwühlenden Zeit kam die Nachricht, die niemand erwartet hatte.

Bad Endorf – Seit Wochen gehen berührende Beispiele der Solidarität durch die Region und setzen Zeichen im Kampf gegen Leukämie. Im Landkreis Rosenheim nominieren sich Bürgermeister gegenseitig, um möglichst viele Menschen zur Typisierung für eine lebensrettende Stammzellspende für Anne aus Kolbermoor zu bewegen. Im Landkreis Traunstein haben 22 Feuerwehren Hunderte Menschen motiviert, sich als potenzielle Knochenmarkspender für Tanja aus Waging am See registrieren zu lassen.

Seit 2017 in der
Spenderdatei

Dass dieses Engagement Leben verändern kann, zeigt ein Beispiel aus dem Jahr 2017. Damals rief der Trachtenverein „D’Bachecker“ Hirnsberg-Pietzing zur Typisierung auf. Auch Leni Lex ließ sich registrieren, und ist seitdem als Stammzellspenderin in der Datei der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) registriert.

Im Februar kam für sie der Moment, wirklich helfen zu können. Die AKB teilte ihr mit, dass ein Mensch in Lebensgefahr schwebt und sie die passende Stammzellspenderin sein könnte. Gleichzeitig wurde ihr erneut die lebensentscheidende Frage gestellt: Ist sie noch immer bereit für die Spende? Neun Jahre waren seit ihrer Typisierung vergangen. Inzwischen ist Leni Lex zweifache Mutter und als selbstständige Unternehmerin für elf Mitarbeiterinnen ihres Geschäfts „Chiemgau Trachten“ in Bad Endorf verantwortlich. Doch sie zögerte keine Sekunde, denn: „Jeder hat ein paar Stunden Zeit, wenn es darum geht, ein Leben zu retten.“ Eine emotional aufwühlende Zeit begann. Um das Leben ihres „genetischen Zwillings“ zu retten, musste alles schnell gehen. Schon zwei Tage nach dem Anruf war Leni bei der AKB in Gauting zur Bestätigungstypisierung. „Als ich in die Räume trat, wurde mir erst richtig bewusst, dass es hier wirklich um Leben und Tod geht – und dass ich vielleicht genau diejenige bin, die einem Menschen das Leben retten kann“, beschreibt sie den überwältigenden Moment.

Die Ärzte nahmen sich viel Zeit. „Ich wurde von Kopf bis Fuß durchgecheckt“, erzählt die 36-Jährige. Mit körperlichen Untersuchungen, EKG, Ultraschall von Leber, Milz und Nieren, Röntgen von Lunge und Herz sowie Blutentnahmen für weitere Laboruntersuchungen.

Zudem wurde sie ausführlich aufgeklärt – und dabei wurde ihr wieder bewusst, wie viele Ängste und Vorurteile rund um das Thema Stammzellspende kursieren. „Viele denken sofort an einen Eingriff ins Rückenmark, an komplizierte Operationen, Schmerzen oder bleibende Schäden“, erzählt sie. „Doch das ist ein Irrtum. Die Stammzellen werden im Knochen produziert, und nur in seltenen Fällen wird der Beckenkamm punktiert, um sie zu entnehmen.“

In den meisten Fällen, etwa 80 bis 90 Prozent, erfolgt die Spende ganz unkompliziert über eine periphere Stammzellspende – ähnlich einer Blutspende. „Die dauert nur ein paar Stunden – Stunden, in denen man einem anderen Menschen ein neues Leben schenken kann“, macht sie klar.

Es gibt Spender, die sich typisieren lassen – und dann doch zögern, wenn sie tatsächlich gebraucht werden. Für Leni Lex kam das niemals infrage. „Auch wenn es fremde Menschen sind, es sind Töchter, Söhne, Mütter oder Väter – und ich würde jedem Menschen helfen, der meine Hilfe benötigt.“

Als sie erfuhr, dass sie tatsächlich der „genetische Zwilling“ eines an Leukämie erkrankten Menschen war, erfüllten sie Stolz und Verantwortung zugleich. „Ich habe mir vorgestellt, wie sich meine gesunden Stammzellen in seinem Knochenmark ansiedeln, wachsen, sich vermehren und ihn heilen würden“, erzählt sie. Am 25. März sollte es so weit sein. Auch der Patient sollte nun auf die Transplantation vorbereitet werden. Doch dann kam der Anruf: Der Patient war verstorben – nur neun Tage vor der Stammzelltransplantation. „Es hat mich sehr traurig gemacht, dass wir es nicht mehr geschafft haben“, sagt Leni Lex tief betroffen. Gleichzeitig motiviert sie diese schmerzhafte Erfahrung dazu, noch mehr Menschen zur Typisierung zu bewegen, denn: „Jede Registrierung zählt und gibt einem Menschen eine neue Chance auf Leben.“

44 Millionen sind weltweit registriert

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