Reit im Winkl – Sie schreibt und schreibt und schreibt: Roswitha Gruber, 86 Jahre, hoch über Reit im Winkl, nur einen Katzensprung vom Golfplatz entfernt, in einem Bauernhaus daheim. Jetzt hat die Bestsellerautorin einen neuen Rekord aufgestellt: 50 Buchtitel und eine Gesamtauflage von 600.000 Exemplaren. Als sie unsere Redaktion zu ihrem 85. im August 2024 besuchte, sagte sie noch: „Ein Tag ohne Schreiben ist ein verlorener Tag!“ Und meist geht es in ihren Büchern um starke Frauen mit außergewöhnlichen Lebensgeschichten, so wie in ihrem jüngsten Werk, das den Titel trägt „Das verschenkte Bauernkind!“, erschienen im Rosenheimer Verlagshaus von Klaus Förg.
Ein Leben als
Grundlage
Es geht in dem Buch um Irma, die eine glückliche Kindheit verlebt, bis sie erfährt, dass Maria und Jakob nicht ihre wahren Eltern sind und dass ihre Mutter sie im Alter von wenigen Wochen verschenkt hat. „Für das Kind wird die Begegnung mit seiner leiblichen Mutter und seinem leiblichen Vater zu einer schmerzlichen Erfahrung. Es ist nicht in der Lage, eine Beziehung zu diesen scheinbar fremden Menschen aufzubauen“, erzählt Gruber, ohne dabei zu viel aus dem Buch zu verraten. Nur so viel noch: Es zeichnet Irmas Geschichte mit all ihren Höhen und Tiefen einfühlsam nach.
Und wie kommt Roswitha Gruber immer an ihre Themen? Auch hier war es wieder mal ganz klassisch. Es fing mit einer E-Mail vom Oktober 2024 an, wie in der Vorgeschichte nachzulesen. „Sehr geehrte Frau Gruber, meine Großmutter Irma ist 88 Jahre und ein großer Fan von Ihnen. Sie hat alle Ihre Bücher gelesen und sagt immer, ihr eigenes Leben würde auch ein ganzes Buch füllen, und es wäre ihr sehnlichster Wunsch, wenn es jemand aufzeichnen würde.“ Die Nachricht kam übrigens aus Österreich, genauer aus der Steiermark und hier aus Bruck an der Mur. Folge: Erste Kontaktaufnahme über Telefon, Terminvereinbarung und Besuch von Frau Gruber bei der Dame zu Hause. Es war im April 2025. Irma hatte bis zum Treffen schon mal ihre Enkelin Astrid beauftragt, alles aufzuschreiben, was sie aus dem Leben der Oma weiß und es vorab schon mal Roswitha Gruber zukommen zu lassen. Und als sich die Autorin daraufhin meldete, sei Irma ganz aus dem Häuschen gewesen und habe ihre Enkelin gefragt, was sie denn sagen solle. Die habe geantwortet: „Das Wichtigste ist, dass du nach der Schrift redest und nicht steirisch, sonst versteht dich Frau Gruber nicht!“ Gesagt – getan, Autorin und Erzählerin kamen zusammen und verstanden sich prächtig.
Vier Monate brauchte Roswitha Gruber, um die spannende Geschichte auf 274 Seiten zu erzählen. Und wie in den vielen Werken zuvor ist der Lesestoff höchst interessant – er nimmt einen regelrecht mit und zeigt das Schicksal von Irma auf. Ähnlich war es zuvor auch schon bei den Werken „Zwölf Geschwister ohne Mutter“, „Der Hirsch im Heuhaufen“, „Das Geheimnis der Waldbäuerin“, „Ein Hallodri wandelt sich“ oder „Verjagt von Haus und Hof“. Und immer hatte die Autorin über irgendwelche Wege von den Geschichten aus Deutschland, der Schweiz, Südtirol und Österreich erfahren. Nur für eine Geschichte musste sie nicht außer Haus. Es war die ihrer Schwiegermutter. Der Titel: „Die Gelübde der Sammerbäuerin“. Das Buch kam im September 2025 heraus.
Alle Geschichten entstanden in Grubers Arbeitszimmer. Es ist winzig, hat nur ein kleines Fenster, liegt im ersten Stock, aber es ist das Herzstück des Bauernhauses. Seit über 25 Jahren lebt Roswitha Gruber hier auf rund 800 Metern Höhe. Das Haus ist 600 Jahre alt und in einer knappen Stunde zu Fuß vom Reit im Winkler Ortskern zu erreichen. Es liegt nur 50 Meter von der österreichischen Grenze entfernt. Um zum Bauernhof zu gelangen, geht es durch den Golfplatz. Die Gegend ist traumhaft, nach Birnbach sind es 25 Minuten, zur Hutzenalm, auf gut 1.000 Metern gelegen, eine gute Stunde und zum Taubensee über die Stoibermoseralm in 1200 Metern Höhe rund drei Stunden.
Der Rosenheimer Verleger Klaus G. Förg hatte Gruber vor knapp 35 Jahren auf der Frankfurter Buchmesse kennengelernt. Sein Stand war zufällig neben ihrem. Zu dem Zeitpunkt hatte Gruber bereits einige Titel bei anderen Verlagen herausgebracht. Förg sah sich einige Werke an und war sofort begeistert. „Die Frau kann ja richtig gut schreiben“, hatte er damals gesagt. So entstand eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Förg sagt heute: „Frau Gruber ist unheimlich fleißig, sympathisch, nett und absolut zuverlässig. Und sie liefert immer pünktlich!“
„Das wird sicher
ein großer Wurf“
Auf ihr nächstes Werk freut sich der Verleger schon ganz besonders. „Die Geschichte spielt nämlich in der Region, vor unserer Haustüre, das wird ein Knaller“, verrät Förg und gibt auch den Titel schon preis: „Die Fischerin vom Chiemsee“. Das Buch werde im Herbst erscheinen und im südostoberbayerischen Raum alles bislang Gedruckte toppen. „Das wird ein großer Wurf, ich durfte schon reinlesen“, erklärt Förg. Abgabetermin ist übrigens in vier Wochen. „Roswitha Gruber wird pünktlich liefern – wie immer“, da ist sich der Verleger sicher.