Tuntenhausen – Dass Kerstin Groeper mal Bücher schreiben würde, hätte sie nie gedacht. Im Urlaub mit ihrem Mann 2002 passierte es dann aber doch. „Wir waren zusammen in Siena und mein Mann saß auf der Terrasse und schrieb an einem Fachbuch über Fliegerei im Ersten Weltkrieg“, erinnert sich die 64-Jährige. Ihr sei mit der Zeit langweilig geworden. Als sie ihren Mann fragte, ob sie nicht zusammen einen Ausflug machen können, habe er ihr vorgeschlagen, einfach auch ein Buch zu schreiben. Davon gehe die Langeweile weg. „Ich fand diesen Satz von ihm so blöd, dass ich vor lauter Wut eine Szene schrieb, und daraus wurden dann 800 Seiten“, sagt Groeper und lacht.
Erinnerung
an den Vater
An diesen Moment erinnert sich die Tuntenhauserin gerne. Es seien um die 40 Grad in der italienischen Stadt gewesen. Deshalb habe die erste Szene von einer „Indianerin gehandelt, die im kalten Schnee kniet und um ihren Mann trauert“. Daraus wurde ihr erstes Buch. Mittlerweile hat Groeper 30 Bücher geschrieben. Für sie ist es ihr größtes Hobby mit einer besonderen Bedeutung. Denn Bücher verknüpft sie mit ihrem Vater.
„Er war Schriftsteller und als wir Kinder waren, hat er uns immer Geschichten erzählt“, so Groeper. „Er hat uns alte Sagen und Märchen vorgelesen oder etwas erfunden.“ Außerdem haben sie immer Bücher zu Weihnachten oder zum Geburtstag bekommen. „Egal, ob wir wollten oder nicht“, sagt sie und lacht. Kerstin Groeper wurde in Berlin geboren. Dort habe sie in einem kleinen „Kuhdorf“ gelebt, weshalb sie nicht immer in einen Buchladen konnte, um sich die neusten Werke zu kaufen. „Ich habe deshalb alle Bücher aus der Bücherei meines Opas gelesen. Egal, wie anspruchsvoll das Buch war, ich habe es gelesen“, sagt sie.
Nun liegen ihre eigenen Werke in Buchläden aus oder sind online auf mehreren Plattformen erhältlich. Kerstin Groeper fokussiert sich vor allem auf historische Romane für Kinder und Erwachsene, Kinderreiseführer und gelegentlich schreibt sie auch mal einen Krimi. Ihre Liebe gilt vor allem den „Native Americans“ und Kanada. Entstanden ist diese Liebe, als Groeper mit ihren Eltern von Berlin nach Kanada zog. Als sie später in München lebten, fasste Groeper den Entschluss, für zwei Jahre als Au-pair-Mädchen erneut nach Kanada zurückzukehren.
„Dort habe ich viele indianische Freunde kennengelernt und auch Lakota gelernt, die Sprache der Teton-Sioux“, erklärt sie. Nun hält sie regelmäßig Vorträge und Seminare über die Sprache, Kultur und Spiritualität der Lakota. Kerstin Groeper hat mittlerweile viele Bücher über indigene Völker Nordamerikas geschrieben. Und Ideen für neue Werke würden ihr niemals ausgehen. „Immer wenn ich in Kanada bin und mit meinen indianischen Freunden spreche, erzählen sie so viel, dass daraus schnell ein neues Buch wird“, sagt Groeper. „Da reicht meistens schon ein spannender Satz und ich habe eine neue Handlung im Kopf.“ Die Geschichten ihrer Freunde, deren Spiritualität und die Vielschichtigkeit ihrer Kulturen möchte sie in ihren Romanen festhalten. „Es sind wirklich total lustige Menschen mit sehr viel Galgenhumor“, sagt Groeper.
Aufgrund der Vielschichtigkeit hat jedes Buch einen anderen Schwerpunkt. Ihr neustes Buch „Lilien über weißen Wegen: Die Eroberung Kanadas“ spielt im Jahr 1665 in Québec.
„Die französische Kolonie ‚Nouvelle France‘ ist durch Irokesen-Angriffe und einen dramatischen Männerüberschuss in ihrer Existenz bedroht“, erklärt Groeper. König Louis XIV. schickt deshalb 1.200 Soldaten, darunter Guillaume Renaut, und 800 junge Frauen, darunter die Waise Marie de La Mare, nach Kanada. „Kurz nach ihrer Ankunft wird Marie von den Irokesen entführt“, so die Autorin. Der mit Guillaume befreundete Huronenkrieger Kondiaronk, selbst ein Erzfeind der Irokesen, versucht, zwischen den Parteien zu vermitteln.
Auf ihre Werke ist Kerstin Groeper sehr stolz: „Jedes einzelne von ihnen ist mein Buchbaby und da steckt eine Mordsarbeit dahinter.“ Schließlich benötigt die 64-Jährige lange für ihre Romane. Denn allein die Recherche nimmt sehr viel Zeit in Anspruch.
Fachbücher und
direkter Kontakt
„Ich habe entsprechende Fachbücher in meinem Regal stehen. Darunter auch ein dickes Buch über die Irokesen, über deren Kultur, wie sie gelebt haben und was sie alles gemacht haben“, erklärt Groeper. „Aber wie diese Menschen wirklich ticken, geht natürlich nur über den direkten Kontakt zu ihnen.“ Deshalb fragt sie bei ihren Freunden immer nach, wie sie in bestimmten Situationen handeln würden. Nicht selten komme es dazu, dass sie ganze Szenen umschreiben müsse, weil sich ihre Freunde ganz anders verhalten hätten.
Der direkte Kontakt ist Kerstin Groeper besonders wichtig. „In meinen Romanen möchte ich meine Leser am Leben der verschiedenen Indianerstämme teilhaben lassen“, sagt sie. „Am Anfang habe ich eine Saga geschrieben, die über zehn Jahre ging, in der ich zeigen möchte, welche Veränderungen man diesen Menschen auch aufgezwungen hat.“ Die Autorin will damit vor allem ein „längst vergessenes Genre wieder aufblühen lassen“.