Inntal – „Blosn“ sagt man bei uns für Clique, Bande oder Gruppe, so steht es im Bayerischen Wörterbuch. Man gehört zusammen, geht gemeinsam durch dick und dünn, es ist etwas mehr als Freundschaft und es gibt quasi kein hochdeutsches Äquivalent dafür. Man kommt irgendwann hinein und eigentlich nie wieder heraus.
Wenn die mittlerweile auf acht Musiker angewachsene Luegstoa Blosn auf der Bühne steht, glaubt man nicht, dass sie bereits auf 15 Jahre gemeinsame Musikgeschichte zurückblicken kann. Einige Mitglieder der Bläsergruppe sind erst 25 Jahre alt und trotzdem feiern sie ein großes Jubiläum zu ihrem 15-jährigen Bestehen. Wie kann das gehen? „Meine Mama hat zu ihrem 50. Geburtstag 2011 einen Wildererball veranstaltet und wollte unbedingt, dass ich da ein Ständchen spiele,“ erzählt der Tubist Georg Hiemer. Da war er gerade einmal in der vierten Klasse und hatte seit einem Jahr Tuba-Unterricht bei Robert Bischof, einem Musiklehrer aus Oberaudorf.
Beginn in der
Bläserklasse
„Mein absolutes Traum-Instrument, von klein auf.“ Besagte Mama ließ nicht locker und eine passende Crew für den ersten großen Auftritt war gleich gefunden. Der beste Freund aus Kindergarten- und Schulzeiten, Christian Gruber (Trompete), war gleich mit im Boot, dazu kamen die drei Astner-Buben aus Flintsbach: Georg, Michael und Thomas. Gecoacht wurden die fünf von Sepp Gruber, selbst langjähriger Musikant bei der Sensenschmied-Musikkapelle ühlbach und Mitglied im Ensemble „Nußlberg-Buam“, das es auch schon sehr lange gibt. „Natürlich waren wir mordsmäßig aufgeregt,“ so Christian Gruber, „aber wir haben es gut hinbekommen und Blut geleckt. Die Geburtstagsgäste waren begeistert, den Mamas standen die Tränen in den Augen.“
Die Luegstoa Blosn ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus einer Kinder-Kapelle ein Blechbläser-Ensemble für alle Gelegenheiten wird: Geburtstagsfeiern, Hütten-Unterhaltung, Beerdigungen. Und dass über das gemeinsame Musizieren feste Bande geknüpft werden, die auch, wenn sich die Lebenswege trennen, Bestand haben. Ganz zu Anfang hatte das Oberaudorf-Flintsbach Quartett sogar einen Auftritt bei der Landesgartenschau in Deggendorf 2014. Sie spielen auf der Schopper-Alm, im Bierzelt und bei vielen anderen Anlässen, bei denen man eine kleine Musik-Besetzung braucht. „Meine Oma Resi sagte immer zu mir, sie möchte, dass wir auf ihrer Beerdigung Weisen spielen, letzte Woche war es soweit,“ ergänzt Hiemer. „Ich habe es ihr versprochen, und es war für meine Freunde von der Blosn selbstverständlich, ihr diesen Wunsch zu erfüllen.“
Natürlich gab es auch Einsätze, die sie lieber aus dem Gedächtnis streichen. „Einmal wurden wir für einen Gottesdienst am Sudelfeld engagiert, das lief so schief, dass wir einen anderen Band-Namen angegeben haben. Des hamma einfach ned kenna, zu wenig geprobt,“ sagt Christian Gruber, der mit Georg Hiemer zum Stamm der Blosn gehört. „Es war einfach nur peinlich, wir wären am liebsten im Erdboden versunken, bekamen aber trotzdem ein gutes Essen.“ Vielleicht gehören solche Erlebnisse zum Leben dazu, nicht nur bei einem Musik-Ensemble. Dass man erkennt, wo die Grenzen des eigenen Könnens sind. „Das war eine Lehrstunde für uns.“
Wie bei jungen Sportlern, braucht es willige Eltern und vor allem Mütter, die die minderjährigen Musikanten durch die Gegend kutschieren. Wenn’s sein muss, bis Deggendorf. Aber da sind sie sich die Chauffier-Mamas einig: „Wir hatten auch unsere Gaudi.“ Wie bei den Jung-Musikanten: nach wie vor steht der Spaß an dem gemeinsamen Musizieren an erster Stelle „Und Schmarrn machen“, ergänzt der Ziacherer und Flügelhornist Georg Schütz.
Die Besetzung hat über die Jahre ständig gewechselt, aber ist seit circa zehn Jahren gleichbleibend. Heute ist die Luegstoa Blosn nicht mehr wegzudenken aus der Inntaler Musikszene und steht damit für viele kleine Ensembles, die sich immer wieder neu bilden. „Konkurrenz gibt’s da nicht, im Gegenteil,“ so Wasti Baumann, eigentlich Tubist aber in der Luegstoa Blosn Schlagzeuger. Flexibilität gehört dazu.
Man kenne und helfe sich gegenseitig und freue sich, dass es immer wieder Jungmusiker gebe, die sich das trauten. Sich allein auf die Bühne stellen und loslegen. „Spuin, spuin und numoi spuin“, das war das Motto der Mütter. Ob er ihnen auch manchmal zu viel wurde, der mütterliche Ehrgeiz? „Da sagen wir jetzt lieber nix dazu.“
Auch wenn das Durchschnittsalter mittlerweile bei 27 Jahren liegt, ist die Luegstoa Blosn ein sehr junges Ensemble mit sehr viel Können und Erfahrung. „In 15 Jahren bläst sich da einiges zusammen,“ so Sebastian Fürbeck „Hofna“ (Flügelhorn), auch einer, der fast von Anfang an dabei ist. Und zusammengeblasen ist vielleicht ein guter Ausdruck für die Jubiläumsfeier, die die acht Musikanten beim Kieferer Frühling im Bierzelt veranstalten. „Wir wünschen uns, dass alle ehemaligen Mitglieder und Aushilfen zusammenkommen und gemeinsam spielen,“ sagt Christoph Maier (Bariton). Das wären dann um die 30 Musikanten aus der Region, fast schon eine richtige Blasmusik. „Und vielleicht etwas von unserem einmaligen Blosn-Spirit verspüren, die Gaudi am gemeinsamen Musizieren.“ Auf die Frage, was denn ihr musikalischer Stil sei, antworten sie wie aus einem Munde: „Ois, wos Spaß macht.“
Aus Schulbuben sind
Mannsbilder geworden
Aus den Schulbuben sind gestandene Mannsbilder geworden, zum Teil schon Familienväter. Ob es denn die Luegstoa Blosn bis zum 25-jährigen Jubiläum schaffen wird? „Eine berechtigte Frage, viele Gruppen lösen sich irgendwann auf, bestes Beispiel die Biermösl-Blosn“, so Christian Gruber, der aber betont, dass der Name nicht in Anlehnung an diese berühmte Musik-Formation entstanden sei. „Des is uns einfach so eingefallen, des mit der Blosn. Wahrscheinlich beim Baden am Luegsteinsee. Und des passt perfekt. Bis jetzt haben wir so viel Freude zusammen, dass wir darüber nicht ernsthaft nachdenken. Auch wenn‘s a diam hakelt, logisch. Für eine kleine Bläsergruppe wie uns, gibt’s immer etwas zu tun.“ Das wird zu hören sein, wenn sich alle am kommenden Sonntag zum Frühschoppen in Kiefersfelden versammeln: ein großer musikalischer Freundeskreis, eine richtige Blosn eben, und wahrscheinlich zu Tränen gerührte Mütter und Väter, die das ganze Projekt Luegstoa Blosn von Anfang an begleitet haben.