Eine alte Geschichte erzählt von einem Suchenden, der einen Einsiedler am Brunnen traf. Der Alte ließ den Eimer hinab, zog ihn herauf und wartete, bis das Wasser ganz still war. „Schau hinein“, sagte er schließlich. Der Besucher beugte sich darüber – und sah den Himmel. „So ist es“, sprach der Einsiedler. „Erst wenn dein Inneres zur Ruhe kommt, erkennst du, wer du bist und was immer schon da ist.“ So ist es irgendwie auch daheim mit dem See im Morgenlicht. Früh bin ich dort unterwegs, um nachzudenken. Keine Welle trübt das Bild und gerade deshalb wird etwas sichtbar. Vielleicht ist das die Einladung dieses Tages: Die Unruhe abzulegen wie schwere Steine, damit die Seele wieder atmen kann. Gott spricht nicht im Lärm, sondern im sanften Säuseln des Windes, heißt es im ersten Buch der Könige in der Bibel. Wer still wird, wird durchlässig für das Licht und entdeckt: Der Himmel ist näher, als wir denken. Er spiegelt sich schon jetzt tief in unseren Herzen.
Foto maurer