Florian Grüner und seine Mission – aus Liebe

von Redaktion

Der von Florian Grüner aus Wasserburg gegründete Verein „24h gegen Krebs“ wächst rapide. Er setzt sich mit Aufklärung, Benefizaktionen und Engagement dafür ein, der Krankheit transparent entgegenzutreten und Betroffenen zu helfen.

Wasserburg – Vor zwölf Jahren hat alles angefangen: Mit einer Ein-Mann-Aktion. Flo Grüner nahm als Teilnehmer an einem 24h-Rennen teil. Mit dem Mountainbike sammelte er über Facebook Spendengelder für die Deutsche Krebshilfe und die Rexrodt-von-Fircks-Stiftung zur Unterstützung krebskranker junger Mütter.

Sportlichen Ehrgeiz legte Grüner schon immer an den Tag. Der Benefiz-Gedanke aber entstand spontan aus einer persönlichen Schicksalsgeschichte heraus: Denn kurz vor dem Rennen in München erfuhr er, dass seine Frau Moni an triple-negativem Brustkrebs (TNBC) erkrankt war, einer der aggressivsten Arten. Ihr gemeinsamer Sohn Moritz war zum Zeitpunkt der Diagnose erst vier Wochen alt.

„Aufgeben
keine Option“

Die Betroffene ging mit ihrer Erkrankung immer offen um: „Es war heftig, eine schlimme Zeit. Doch wenn man sich selbst outet, kommt man automatisch mit anderen Betroffenen ins Gespräch. Mir war immer wichtig, klarzustellen, dass es nicht mich alleine betrifft, sondern meine ganze Familie. Daher habe ich versucht, anderen Frauen zu vermitteln, dass die Welt sich weiterdreht und Aufgeben keine Option ist.“

Sie wirkt heute gefasst, ist vielfach gestärkt aus dem Schicksalsschlag herausgegangen. Sie treibt viel Sport zur Prophylaxe, ernährt sich abwechslungsreich, gestaltet ihren Lebensstil bewusster und gesünder. Mit insgesamt 16 Chemotherapien kämpften die Ärzte gegen den Krebs. Auch, wenn sie als geheilt gilt, einfach war es für die junge Mama nicht. „Wäre die Chemotherapie gescheitert, wäre das mein Todesurteil gewesen“, resümiert sie nüchtern. „Ich habe Frauen getroffen, die eine Therapie verweigerten oder sich alternativ behandeln ließen. Nach scheinbar kurzer Besserung schlug der Krebs mit aller Macht zurück. Manche habe ich nie wieder gesehen.“

Deshalb sei Transparenz wichtig: „Ich habe so viel Unterstützung in der schweren Zeit erfahren. Aufklärung ist das A und O. Stigmatisierung ist hier fehl am Platz, keiner hat sich die Krankheit ausgesucht. Die Krebsforschung ist essenziell, damit sich die Medizin stetig verbessern und Behandlungsmethoden weiterentwickeln können. Krebs zu haben, ist heutzutage kein Todesurteil mehr.“

Eine Einstellung, die auch ihr Mann an den Tag legt. Gezielt verfolgt er mit seinen bunten Benefiz-Events seine Mission „Kampf dem Krebs“. 2024 fand die erste „24h Wanderung gegen Krebs“ statt, mit dem Ziel, Spendengelder für die Deutsche Krebshilfe zu sammeln. Danach ging alles Schlag auf Schlag: Neue Routen in Prutting, Veranstaltungen im gesamten Raum Rosenheim, die Gründung eines eigenen Vereins, bei dem auch die an Leukämie erkrankte Anne Willkommen aus Kolbermoor aktiv mitwirkt. „Anne hat letztes Jahr gesagt, sie hat durch den Verein neuen Lebenswillen entwickelt – und allein dadurch hat sich das Ganze schon rentiert“, betont der 38-Jährige und lächelt zufrieden.

Seine Intuition, durch Benefizaktionen nicht nur Spendengelder zu sammeln, sondern in erster Linie Menschen zu verbinden und dem Krebs den Kampf anzusagen, ging auf.

Unterstützung und Zuspruch erhalten er und der Verein von allen Seiten. Die Einnahmen des Schauer-Theaters „Blut und Liebe“ beispielsweise, das von 15. bis 17. Mai in Bad Endorf aufgeführt wird, kommen zu 100 Prozent dem Verein „24h gegen Krebs“ zugute.

Im Rahmen der Bürgerstiftung Rosenheim werden einmal im Monat Wanderungen für Krebspatienten und Angehörige angeboten. Der nächste Termin ist am 21. Mai. Zusammen mit Diana Fuchs und der Firma „OelCheck“ aus Brannenburg organisiert er die Partneraktion „Gemeinsam-um-die-Welt-Challenge“. So wurde ganz spontan die „24h-Ruder-Challenge“ ins Leben gerufen.

Und natürlich darf die mittlerweile traditionelle, diesjährige Wanderung am 3. Oktober nicht fehlen. Die Spendeneinnahmen gehen dieses Mal an die psychosomatische Abteilung der Bad-Trissl-Klinik in Oberaudorf. Darüber hinaus werden sogenannte „Mut-Packerl“ für akut erkrankte Patienten erstellt und verteilt. Monis Tochter Melina General ist seit der Vereinsgründung dabei und engagiert sich im Zuge ihrer Tätigkeit bei der Stadtverwaltung Wasserburg dafür, dass Typisierungssets künftig standardmäßig für alle Menschen in und um Wasserburg im Bürgerbüro angeboten werden.

Für sie ist es selbstverständlich, dabei zu sein und zu helfen. „Ich bringe mich mehr in den Verein und die Aktionen ein, als es noch vor einem Jahr geplant war“, erklärt die junge Wasserburgerin. Vor allem Social Media und Instagram sind ihr Steckenpferd. „Wenn die eigene Mama an Krebs erkrankt, das lässt einen nicht kalt. Auch Annes Geschichte ist herzzerreißend. Umso bewundernswerter ist es, wie Flo die Leute mitzieht, motiviert und begeistert. Jeder kann mit wenig Aufwand einen Beitrag leisten und Gutes tun“, ist Melina General, selbst Mama einer kleinen Tochter, überzeugt.

Ein Herzensprojekt, das in erster Linie wiederum Moni wichtig ist, sind die „Busenfreundinnen“. Gewachsen aus einer Handvoll ehemaliger Brustkrebspatientinnen, die ihr Können jedes Jahr beim Rosenheimer Drachenboot-Rennen an der Mangfall unter Beweis stellen. Flo Grüners Verein wird die „Busenfreundinnen“ mit einer Geldspende unterstützen, damit sie an der Regatta „Vogalonga“ in Venedig teilnehmen können.

„Die schlimmste
Erfahrung“

Und Flo Grüner, der sich derzeit als Physiotherapeut selbstständig macht, hat noch lange nicht genug. Für ihn ist sein ehrenamtliches Handeln „Hobby und Engagement in einem“: Sportliche Aktionen hätten ihn immer schon gereizt und auch die Zahl 24 habe es ihm angetan. Privat stellt er sich regelmäßig Herausforderungen, die ihn an seine Grenzen bringen. So hat er im vergangenen Jahr ganz alleine im Juni einen Triathlon von Wasserburg am Inn nach Wasserburg am Bodensee absolviert. „Für sportliche Events werde ich nicht müde, doch die längsten 24 Stunden waren die zwischen Monis Diagnose und dem nächsten Tag. Wach zu liegen und nicht zu wissen, wie es mit einem geliebten Menschen weitergeht, war die bislang schlimmste Erfahrung meines Lebens.“ Flo Grüner und die persönliche Geschichte hinter seinem Engagement – ein Grund mehr für den Wasserburger, immer weiterzumachen.

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