Nachsinnen über die zweite Chance im Leben

von Redaktion

Interview Maximilian Brückner über seinen Film „Ein Münchner im Himmel“ und wie er über das Leben nach dem Tod denkt

Rosenheim/München – Es ist nicht das erste Mal in seiner Karriere, dass der Chiemgauer Maximilian Brückner mit dem Thema Tod konfrontiert ist. Allerdings nur im künstlerischen Sinn. Vor allem in seiner Rolle als Boandlkramer beim „Brandner Kaspar“ am Münchner Volkstheater. In seinem neuen Film „Ein Münchner im Himmel“ – angelehnt an die Geschichte von Ludwig Thoma – steigt Brückners Figur „Wiggerl“ in den Himmel auf und erhält schließlich auch noch die Möglichkeit, sein Karma auf Erden wieder aufzubessern.

Im exklusiven OVB-Interview spricht Brückner, aktuell auch zu sehen in „Kommissar Rex“, über zweite Chancen im Leben und darüber, was im Leben wirklich wichtig ist.

Im Trailer zu Ihrem neuen Film „Ein Münchner im Himmel“ sagt die Figur „Wiggerl“, dass München die schönste Stadt der Welt sei. Würden Sie das so unterschreiben?

Na ja. Für eine Stadt kommt München schon nahe dran. Es gibt sehr viele schöne Städte. Aber München ist toll, auch was die Lage betrifft. Man hat den Eisbach, den Englischen Garten, die Isar, die Berge und ist nah an Italien. Dennoch: Ich bin kein Stadtmensch. Deswegen kommt dieser Satz von mir wohl nie.

Also doch lieber die Heimat rund um Rosenheim?

Definitiv.

Was hat Sie daran gereizt, diese eigentlich ja alte Geschichte von Ludwig Thoma neu zu erzählen?

Im Grunde dauert diese Geschichte fünf Minuten. Ludwig Thoma hat die wahnsinnig toll geschrieben. So eine lange Ouvertüre, um am Schluss den Satz sagen zu können: „Und die bayerische Staatsregierung wartet immer noch auf die göttlichen Eingebungen“ (lacht). In der gesamten Ouvertüre fährt der Münchner einmal in den Himmel hinauf, führt sich da recht auf und kommt dann wieder runter. Das wäre für einen Kinofilm natürlich ein bisschen zu kurz. Ich liebe diese Geschichte ja. Kürzlich hatte ich auch eine Lesung, „Memento Mori“ (Anm. d. Red.: lateinisch für „Bedenke, dass du sterben wirst“), wobei auch der „Münchner im Himmel“ vorkam. Ich mag die Idee dieser Geschichte.

Was daran gefällt Ihnen?

Es geht um zweite Chancen. Ich meine, jeder kennt das. Jeder hat schon mal jemanden verloren, bei dem man im Nachhinein darüber nachdenkt: „Hätte ich das noch sagen oder mich entschuldigen sollen?“ Das macht auch die Tiefe des Films aus.

Haben Sie sich im Laufe der Dreharbeiten dann selbst Gedanken darüber gemacht: „Hey, wo hätte ich noch einmal anders entschieden?“

Nein. Und man muss auch sagen: Nur weil ich beispielsweise eine Lesung über den Tod halte oder den Brandner Kaspar gespielt habe, habe ich auch nicht mehr Ahnung vom Tod. Ich spiele ja nur eine Figur. Und bei „Ein Münchner im Himmel“ war es genauso. Ich denke deswegen nicht über den Tod nach. Das ist beim Brandner Kaspar, wenn ich ihn spiele, auch nicht so. Ich versuche, diese Rolle so gut, so interessant oder so lustig wie möglich zu spielen.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Schwierige Frage. Das hat sehr viel mit Glauben zu tun, vielleicht manchmal mehr mit Hoffen. Was ich interessant finde: Die Wissenschaft unterstützt sogar im Glauben. Dadurch, dass es Quantenphysik gibt und dass Information grundsätzlich nicht verloren geht. Und wenn man jetzt die Seele als Information betrachtet, dann widerspricht sich das ja überhaupt nicht. Im Gegenteil. Das finde ich total interessant. Oder zum Beispiel, dass Zeit an Materie gebunden ist. Ohne Materie gibt es keine Zeit. Also gibt es auch die unendliche Seele oder die Unendlichkeit auf eine gewisse Art.

Also sind Sie optimistisch?

Naja, wir versuchen halt das, was wir hier unten haben, ins Transzendente zu übersetzen. Letztendlich ist der bayerische Himmel ja auch nur eine zweite Chance. Ein Ort, an dem man alle wieder trifft und eigentlich alles wiedergutmachen kann. Wäre schön, ist aber vielleicht ein bisschen zu einfach gedacht.

Im Rosenheimer Kino war schon vor Filmstart ein Einspieler zu sehen, in dem Sie meinten, in der Heimat wäre das Publikum am strengsten. Haben Sie da schlechte Erfahrungen gemacht?

Ich sag mal so: Es ist schon anders. Bei meiner Lesung in Riedering zum Beispiel war ich so massiv aufgeregt. Das war ich weder bei der Premiere von diesem Film noch bei „Kommissar Rex“. Das war daheim – und die Leute kennt man halt. Und wie sagt man so schön: Oft ist der Prophet im eigenen Land nichts wert. Aber ich muss schon sagen, ich bin immer relativ gut weggekommen (lacht).

Im Film stellt sich auch die Frage: „Worauf kommt es im Leben wirklich an?“

Das bestmögliche Leben zu leben, mit den Fähigkeiten, die man hat. Und das bedingt jetzt nicht nur, dass man erfolgreich ist und einen Haufen Geld hat, sondern das umfasst mehr. Vor allem mit den Mitmenschen. Damit man am Ende sagen kann: „Okay, ich habe es nicht komplett versaut.“

Patricia Huber

Darum geht es in der Geschichte

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