Das Herzblut der Landwirte ist weiß

von Redaktion

Interview Milchkönigin Julia Decker aus Kirchdorf/Mühldorf will den hohen Wert des Lebensmittels verdeutlichen

Mühldorf/Kirchdorf – Was erwartet man, wenn man mit einer Königin spricht? Eine Krone, ein prunkvolles Kleid. Julia Decker aus Kirchdorf ist 20 Jahre alt. Ihre Krone trägt sie nur zu besonderen Anlässen. Theresa Gruber, Volontärin beim Mühldorfer Anzeiger und seinen Online-Portalen, traf sie auf einen Kaffee in Mühldorf. Decker wurde ganz frisch zur Milchkönigin gewählt. Während andere in ihrem Alter „fuat gehen“ oder reisen, vertritt die Kirchdorferin in Zukunft regelmäßig auf Messen die regionale Milch. Wie sieht ihr Leben mit der Krone nun aus?

Die wichtigste Frage zuerst: Wie wird man Milchkönigin?

Die Voraussetzung ist, dass man in der Milchwirtschaft arbeitet und selbst einen landwirtschaftlichen Hintergrund hat. Dann gibt es ein Bewerbungsverfahren mit Lebenslauf, Bewerbungsvideo und Foto. Außerdem musste man ein kurzes Grußwort verfassen. Daraufhin wurden die acht besten Bewerberinnen ausgewählt. Anfang Mai fand dann eine Woche lang ein Online-Voting statt. Anschließend wurden wir nach Scheßlitz bei Bamberg eingeladen. Dort wurden wir bei Jurygesprächen und verschiedenen Aufgaben genau geprüft.

Warum wollten Sie Milchkönigin werden?

Die Milchhoheiten sind etwas ganz Besonderes. Ich möchte zeigen, wie viel Herzblut die Landwirte in ihre Arbeit stecken und was man alles aus Milch herstellen kann – von Joghurt über Käse bis Butter. Mir ist wichtig, den Verbrauchern zu zeigen, wie viel Arbeit hinter diesen Produkten steckt und dass Milch ein hochwertiges und gesundes Lebensmittel ist.

Was sind die Aufgaben einer Milchkönigin?

Ich besuche viele Veranstaltungen, bei denen ich die Milch repräsentieren darf – zum Beispiel Bauernmärkte oder die Grüne Woche in Berlin. Meinen ersten offiziellen Termin hatte ich am Donnerstag, 28. Mai, in Deggendorf bei der Molkerei Goldsteig. Außerdem betreuen wir auch unsere Social-Media-Kanäle und informieren dort über Veranstaltungen und Themen rund um das Thema Milch.

Zu einer Königin gehört bekanntlich auch eine Prinzessin. Wie eng arbeiten Sie mit Ihrer Kollegin, der neuen Milchprinzessin Annika Riefler, zusammen?

Sehr eng. Gerade organisatorisch läuft vieles gemeinsam. Wir bekommen jetzt zum Beispiel unsere Dienstdirndl und stimmen viele Termine miteinander ab. Bei größeren Veranstaltungen treten wir oft gemeinsam auf. Bei kleineren Terminen wechseln wir uns ab, damit immer eine Hoheit vertreten ist.

Was bedeutet Ihnen die Regentschaft persönlich?

Es ist schon etwas Besonderes, dass ich das geschafft habe. Schließlich darf ich jetzt zwei Jahre lang die Milch im In- und Ausland repräsentieren. Darauf bin ich sehr stolz. Gleichzeitig ist es auch eine große Verantwortung, die Branche gut zu vertreten.

Wie lässt sich das Amt mit Ihrem Alltag verbinden?

Das verändert sich gerade sehr. Es ist nicht immer einfach, den Mittelweg zwischen Arbeit, Amt und Freizeit zu finden. Wichtig ist dabei, dass man sich selbst nicht vergisst. Manchmal muss man eben Prioritäten setzen und auch zurückstecken.

Sie arbeiten selbst in einer Molkerei. Wie sind Sie dazu gekommen?

Meine Großeltern hatten einen Bauernhof. Daher kommt der Bezug zur Landwirtschaft und mein Interesse für die Milchproduktion. Ich habe 2021 meine Ausbildung zur milchwirtschaftlichen Laborantin bei einer Wasserburger Molkerei begonnen. Die überbetriebliche Ausbildung fand in Triesdorf (Landkreis Ansbach) statt. 2024 habe ich die Ausbildung abgeschlossen und wurde direkt übernommen.

Was macht eine milchwirtschaftliche Laborantin?

Die Ausbildung ist sehr vielseitig und umfasst sowohl den chemischen als auch mikrobiologischen Bereich. Dazu gehört zum Beispiel auch, Hemmstoffproben zu nehmen oder die Fett-, Eiweiß- und pH-Werte zu untersuchen. Wir begleiten praktisch den gesamten Weg der Milch – vom Landwirt bis zum fertigen Produkt im Kühlregal – und kontrollieren dabei ständig die Qualität, damit das Produkt am Ende einwandfrei und sicher für den Verbraucher ist.

Hat die Arbeit in der Molkerei Ihren Blick auf Lebensmittel verändert?

Ja, vor allem beim Mindesthaltbarkeitsdatum. Nur weil ein Produkt abgelaufen ist, bedeutet das nicht automatisch, dass es schlecht sein muss. Außerdem sieht man besonders in der Molkerei, wie viele Menschen an einem einzigen Produkt mitarbeiten. Das beeindruckt mich immer wieder.

Was möchten Sie als Milchkönigin erreichen?

Ich möchte meinen Beruf und die Molkereien gut repräsentieren. Vor allem möchte ich den Verbrauchern zeigen, wie viel Leidenschaft hinter den Produkten steckt und dass die Branche mehr Wertschätzung verdient.

Was können Verbraucher konkret tun?

Am wichtigsten ist, bewusst regionale Produkte zu kaufen. Damit unterstützt man die heimischen Landwirte direkt und trägt dazu bei, dass die Betriebe erhalten bleiben.

Warum ist regionale Milchproduktion aus Ihrer Sicht so wichtig?

Weil wir in Bayern sehr viele Landwirte haben, die unterstützt werden sollten. Wenn Verbraucher regionale Produkte kaufen, helfen sie dabei, die Betriebe zu erhalten. Außerdem weiß man dann auch, wo die Milch herkommt. Zudem haben wir in Bayern, gerade im Landkreis Mühldorf, eine hohe Molkereidichte.

Wie reagieren die Menschen in Ihrem Umfeld darauf, wenn Sie erzählen, dass Sie Milchkönigin sind?

Meine Freunde und meine Familie freuen sich sehr für mich. Wer damit aber keine Berührung hat, weiß zuerst gar nicht, was das eigentlich ist. Ich habe auch schon die Frage gehört, ob ich jetzt nur noch Milch trinke.

Welches Milchprodukt landet bei dir am häufigsten auf dem Tisch?

Decker: Das ist schwierig, weil ich tatsächlich viele Milchprodukte esse. Joghurt und Käse gehören auf jeden Fall dazu – und die Butter darf natürlich auch nicht fehlen!Theresa Gruber

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