Rosenheim/Raubling – So unglaublich es klingen mag, aber dass BORA-Gründer Willi Bruckbauer und Teamchef Ralph Denk im Konferenzraum an einem Tisch sitzen, ist eine Premiere. „Wir haben uns noch nie auf diese Art zusammengesetzt“, meint Bruckbauer beim exklusiven Gespräch mit dem OVB zehn Tage vor dem Start der Tour de France am 4. Juli.
Denn die Kommunikation zwischen Hauptsponsor und Manager des Radteams Red Bull-BORA-hansgrohe funktioniert eigentlich anders. „Wenn es etwas gibt, worüber wir sprechen müssen, reicht meistens eine kurze Nachricht oder wir treffen uns zum Radfahren“, meint Denk. Klassische Businesstreffen im Anzug und mit Laptop unter dem Arm gibt es nicht.
Dieses Beispiel zeigt sehr gut, wie die Beziehung zwischen den beiden funktioniert – über die Liebe zum Radsport. Vor rund 40 Jahren waren beide ambitionierte Rennfahrer, brachten es zur deutschen Spitze und fuhren internationale Rennen. Über den Verein RSV Götting-Bruckmühl lernten sie sich kennen, traten aber aufgrund des Altersunterschieds von sieben Jahren nie direkt gegeneinander an. „Ich war schon bei den Junioren, Ralph noch in den Jugendklassen“, erinnert sich Bruckbauer. Wer von beiden schneller war, vermögen daher beide nicht zu sagen. „Und heute fahren wir es auch nicht mehr aus“, scherzt Denk.
Für beide kristallisierte sich jedoch heraus, dass es langfristig nicht ganz zum Vollzeit-Radprofi reichen würde. So konzentrierte sich Willi Bruckbauer auf das heute bestens bekannte Küchensystem, Ralph Denk eröffnete einen Radladen. Und wieder verband die beiden eine Gemeinsamkeit – das Raublinger Werkhaus. „Willi hat das Werkhaus gegründet, ich bin dort als Mieter eingezogen“, sagt Denk. Auch heute gibt es dort noch das von ihm gegründete Radgeschäft, nun geführt von Oliver Blas.
Denn für Denk ging es wieder zurück in den Profiradsport, dieses Mal aber mit seinem eigenen Team. Und auch hier stieg Bruckbauer ein, zunächst noch als kleiner Aufnäher auf den Ärmeln, seit 2014 als Hauptsponsor. „Damals war der Radsport aufgrund der Dopingproblematik verhältnismäßig günstig“, meint Denk. Für eine große Präsenz in der weltweiten Berichterstattung reichte demnach ein kleiner Millionenbetrag, der BORA international bekannt machte. Im Nachhinein betrachtet ein wirtschaftlicher Erfolg für beide. Selbst der Einstieg von Red Bull habe daran nichts geändert. „Uns war wichtig, dass wir nicht von der Marke überrollt werden“, sagt Bruckbauer zum Einstieg des Marketing-Giganten im Jahr 2024. Zwei Jahre später sieht der BORA-Geschäftsführer diesen Punkt als erfüllt an. „Wir können immer noch handeln, wie wir möchten, haben aber jetzt ganz andere Möglichkeiten“, meint er.
Denn nicht nur das Team-Budget wuchs. Auch die Infrastruktur und die Betreuung der Fahrer von der Jugend bis zu den Profis wurden schlagartig verbessert und erlauben es den beiden, vom Toursieg zu träumen. „Mann gegen Mann fährt Tadej Pogacar momentan in einer eigenen Welt“, prognostiziert Denk mit Blick auf den Start der diesjährigen Tour in Barcelona. „Aber langfristig hoffen wir, dass jemand aus unserer aktuellen U19 oder U23 in der Lage sein wird, die Tour de France zu gewinnen.“