Am Höhepunkt der Hitzewelle wird der Trinkwasserbrunnen auf dem Friedhof zum Segen. Auf dem Rückweg von einer Beerdigung bekommt dieses Bild für mich aber auch eine tiefere Bedeutung. Der Friedhof ist für die trauernden Menschen an diesem Tag ein Ort des schmerzlichen Abschieds und der Trauer. Zugleich ist er ein Ort der Erinnerung, der Liebe und der Hoffnung. Hier wird spürbar: Das Leben ist kostbar und zerbrechlich und doch getragen von einer Verheißung, die über den Tod hinausreicht. „Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird niemals mehr Durst haben, vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt.“ Diese Worte sagte Jesus in der Mittagshitze zu einer Frau am Brunnen. Die Quelle, von der er spricht, ist Gottes Liebe. Sie versiegt nicht, wenn Tränen fließen, Fragen offenbleiben oder wir einen geliebten Menschen vermissen. Sie schenkt Trost, richtet auf und lässt Hoffnung wachsen. Vielleicht kann uns der Brunnen auf dem Friedhof daran erinnern, immer wieder nach dieser tieferen Quelle zu suchen. Einer Quelle, die Herz und Seele erfrischt und uns darauf vertrauen lässt: Der Tod hat nicht das letzte Wort, sondern das Leben.Foto Uschi John