Aschau am Inn – Der Mittelpunkt von Europa lag am Mittwochnachmittag (22. Juli) in Aschau am Inn (Landkreis Mühldorf, 3.200 Einwohner): Nicht weil Ministerpräsident Markus Söder zur Grundsteinlegung der Nitrochemie-Erweiterung kam, sondern weil hier das Fundament für die konventionelle Verteidigungsfähigkeit von Deutschland und der EU gelegt wurde: Für 350 Millionen Euro baut der Rüstungskonzern Rheinmetall in Aschau am Inn die größte und modernste Pulverfabrik. „Die NATO ist nicht kampffähig ohne dieses Werk in Aschau“, brachte Rheinmetall-Vorstandsvorsitzender Armin Papperger die Bedeutung des Bauvorhabens auf den Punkt.
Söder posiert mit
Rüstungsobjekten
Den strategischen Wert symbolisierten nicht nur seine Anwesenheit, sondern auch über 50 Pressevertreter, viele aus dem europäischen Ausland.
Sie lieferten sich beim Festakt zum Teil einen erbitterten Kampf um die besten Fotomotive. Söder vor einem Panzer, Söder mit der Waffe in der Hand – der Ministerpräsident erfüllte die Aufgabe erwartungsgemäß souverän, posierte vor Rüstungsobjekten einer Ausstellung und ließ sich Produkte von Rheinmetall erklären. Sogar Panzer hatte der Konzern auffahren lassen.
Hoch waren die Sicherheitsregeln vor Ort, doch wer die Schleusen hinter sich gebracht hatte, erlebte eine Grundsteinlegung, die von einer lockeren Atmosphäre geprägt war. Im Festzelt machten die Mitarbeitenden der Rheinmetall-Tochter Nitrochemie die größte Gruppe aus. Wie es sich für einen bayerischen Festakt gehört, spielte die Musikkapelle Aschau den Ministerpräsident ins Zelt. Er kam auf die Minute genau, mit ihm Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Rheinmetall setzt auf Aschau am Inn und auf den Industriestandort Bayern, machte Vorstandsvorsitzender Papperger deutlich, der aus Düsseldorf angereist war, aber im Freistaat seine Wurzeln hat. Der Rüstungskonzern will die Digitalisierung voranbringen, die Drohnenproduktion fördern und bis 2030 jährlich 20.000 Tonnen Pulver für Waffen herstellen. Und diese werden in der Zeitenwende als Folge neuer weltpolitischer Herausforderungen für die Aufrüstung dringend gebraucht, unterstrich auch Söder. Staatssekretär Schmid betonte für den wichtigsten Kunden, die Bundeswehr: Die neue Pulverkammer sei ein wichtiger Baustein, damit Deutschland seiner tragenden Rolle in der konventionellen Abschreckung gerecht werden könne.
„Nie wieder Krieg!“ Um dieses Ziel zu erreichen, müsse sich Deutschland vorbereiten, abschrecken, sich wehrhaft zeigen und im Ernstfall auch wehrhaft sein, so Hauptredner Söder. Denn der Frieden, das habe der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine gezeigt, entstehe nicht mehr von selbst. „Wir müssen stark genug werden, um unsere Freiheit verteidigen zu können“, so der Ministerpräsident.
In Aschau am Inn werde für die Resilienz von Deutschland und Europa sowie für die Autonomie gebaut. Außerdem entstehen neue Arbeitsplätze im ländlichen Raum: Denn hier soll der Personalstamm um 700 bis 800 Stellen auf bis zu 1.400 aufgestockt werden. Das Werk hat eine lange Tradition: Hier wurde laut Papperger schon 1953 Pulver hergestellt, seit 1994 gehört der Standort zur Rheinmetall-Gruppe.
Das Großprojekt
„Firepower“
Der Vorstandsvorsitzende unterstrich die besondere Rolle des Werks Aschau im Großprojekt „Firepower“: Mit Kapazitätserweiterungen wie in Aschau am Inn solle die Munitionsversorgung der Bundeswehr sowie der Streitkräfte von NATO und EU gesichert werden. Bis 2030 werde im Gesamtkonzern eine Produktionskapazität von jährlich 20.000 Tonnen Pulver angestrebt.
Über ein Fünftel komme dann aus Aschau. 650 Millionen Euro investiere Rheinmetall in diesen Geschäftsbereich, unter anderem auch ansässig im schweizerischen Wimmis. Das Umsatzziel der in Aschau am Inn produzierten Treibladungen liege bei etwa 700 Millionen Euro im Jahr.
„Lassen wir es krachen“, betonte Söder in Anspielung auf das Produkt, für das die nun startende Erweiterung im Industriegebiet gedacht ist. Und fügte fast ein wenig melancholisch hinzu: „Möge nichts passieren.“
Weitere Bilder von der Werkseröffnung finden Sie auf ovb-online.de