Freising/Gilching/München – Den entscheidenden Schritt hat man in Hallbergmoos erst vor wenigen Wochen gemacht. In einem Bürgerentscheid votierte eine deutliche Mehrheit für die Ansiedlung des Verteidigungsunternehmens Helsing. Schon im nächsten Jahr will das Start-up im Landkreis Freising mit dem Bau einer „Resilience Factory“ beginnen. So nennt Helsing seine Werke, in denen KI-gesteuerte Hightech-Drohnen produziert werden. Da es sich um militärische Schlüsseltechnologien handelt, sind solche Fabriken im Ernstfall ein potenzielles Ziel für Angriffe.
Der Rüstungsriese hat viel Zeit in die Überzeugungsarbeit vor Ort investiert. Ein wichtiges Argument: Der Schwerpunkt wird in Hallbergmoos auf Forschung und Software-Entwicklung liegen. Mit explosiven Stoffen wird hingegen nicht gearbeitet werden.
Die Helsing GmbH, die ihren Firmensitz in München hat, ist der jüngste und derzeit aufstrebendste Player unter bayerischen Rüstungsunternehmen. Der Freistaat ist ein Hotspot der nationalen Rüstungsindustrie, rund ein Drittel aller Unternehmen ist hier angesiedelt. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) schätzt den Jahresumsatz auf vier Milliarden Euro. Der Schwerpunkt liegt auf der militärischen Luftfahrt, Panzern, Lenkflugkörpern sowie Antriebstechnik – und eben auf dem Bau von Drohnen, deren Entwicklungsschub die Kriegsführung zuletzt massiv verändert hat. Am Fliegerhorst Erding entsteht seit dem Frühjahr das „Defense Lab“, ein Innovationszentrum der Bundeswehr, in dem Zukunftstechnologien wie Drohnen und ihre Abwehr entwickelt werden sollen. Bundeswehr, Wissenschaft, Start-ups und Industrie sollen sich vernetzen.
In Gilching im Landkreis Starnberg hat mit Quantum Systems ein weiteres Unternehmen seinen Sitz, das sich auf die Produktion unbemannter Flugkörper spezialisiert hat. Quantum ist (als einziger deutscher Vertreter) eines von 18 Gründungsmitgliedern einer Allianz, zu der sich vergangene Woche je neun Vertreter der Drohnenindustrie aus der EU und der Ukraine zusammengeschlossen haben. Bereits kurz nach Beginn des Krieges lieferte man erste Aufklärungsdrohnen an Kiew und richtete eine Werkstatt ein. Es folgten eine eigene Fabrik in der Ukraine und zuletzt ein Joint Venture mit dem ukrainischen Konzern Frontline Robotics.
In München hat der deutsch-französische Konzern KNDS seinen Sitz, der den Kampfpanzer Leopard 2 oder die Panzerhaubitze 2.000 produziert. Obwohl der Börsengang jüngst gescheitert ist, ist die Bundesregierung weiter entschlossen, bei KNDS einzusteigen. In Taufkirchen stellt Hensoldt Radarsysteme und Sensoren für Flugabwehrsysteme, Flugzeuge, Drohnen und Schiffe her. Die Renk-Gruppe, die Getriebe für Panzer, Fregatten oder Eisbrecher produziert, hat ihre Zentrale in Augsburg. In Schrobenhausen fertigt der Konzern MBDA die bunkerbrechenden Marschflugkörper Taurus.
Zurück nach Halbergmoos. Hier sitzt auch die Eurofighter Jagdflugzeug GmbH, die die Konstruktion und Herstellung des Kampfflugzeugs steuert. Montiert wird der Eurofighter 60 Kilometer weiter nördlich in Manching. Hier unterhält der Airbus-Konzern sein größtes militärisches Luftfahrtzentrum in Deutschland. Marc Beyer