Aschau – Machen Pläne zur Waffenproduktion die Anwohner nervös? Nachgefragt bei Christian Weyrich (CSU), dem Bürgermeister von Aschau.
Rüstungsansiedlungen sorgen oft für Unruhe. Hat sich in Aschau der Pulverdampf schon gelegt?
Den gab es nicht. Der Standort ist tief verwurzelt, schon seit den 30er-Jahren. Die Pulverindustrie ist hier seit vielen Jahren ein wichtiger Arbeitgeber. Sie hat ihren Platz in der Gemeinde.
Wie kam es dazu, dass nun Europas modernstes Pulverwerk in Aschau entsteht?
Die Erweiterung hat sich seit Beginn des Ukraine-Krieges angekündigt. Nachdem die Welt wieder angefangen hat, instabiler zu werden, ist der Betrieb hochgefahren worden. Bei uns im Werk sind die Standortfaktoren optimal, vor allem für Betriebe, die bestimmte Genehmigungen benötigen. Wir haben ausreichend Fläche, und auch die Fachkräfte sind vorhanden.
„Aschau Werk“ ist der offizielle Name eines Gemeindeteils?
Ja. Es gibt hier keinen Bebauungsplan, nur einen Flächennutzungsplan. Das hat sich schon seit den 30ern entwickelt mit Industrieansiedlungen und Wohnbaracken. Heute besteht im Westen des Areals ein reines Industriegebiet, Richtung Osten ist es gemischt, und ganz im Osten haben wir ein Wohngebiet.
Wie viele Arbeitsplätze bringt das neue Werk?
Rund 400. Ursprünglich gab es hier 600 Arbeitsplätze bei Rheinmetall, durch die jüngsten Erweiterungen sind es jetzt schon knapp 900. Mit dem Werk werden wir auf 1.300 kommen.
Ist Rheinmetall der wichtigste Arbeitgeber in Aschau?
Mit den 1.300 werden sie es sein. Momentan ist das noch ZF Lifetech mit 900 bis 1.000. Die stellen Gasgeneratoren für Airbags her, auch das ist pulverbasiert. Die meisten Ansiedlungen hier beruhen auf der Pulverindustrie.
Können Sie verstehen, dass in Hallbergmoos die geplante Ansiedlung des Drohnenherstellers Helsing für Unruhe gesorgt hat?
Grundsätzlich ja. Überall, wo es Veränderungen gibt, entsteht Unruhe, und dort ist es eine Veränderung von null auf hundert. Wenn wir ein neues Gewerbegebiet ausweisen, gibt es bei uns auch eine Bürgerinitiative. Es ist normal, dass sich was regt, und dann noch bei diesem Thema.
Besteht in Aschau keine Sorge, als Rüstungsstandort ein potenzielles Ziel zu sein?
Wenn es einen Aggressor geben würde, dann wäre es auf alle Fälle weit unter der militärischen Eingriffsschwelle. Eher Manipulation oder Sabotage. Natürlich, man kann das Risiko nicht auf null reduzieren, und wir produzieren hier auch keine Papierflieger. Aber das Risiko ist überschaubar, und wir haben Sicherheitsvorkehrungen.
Andere Rüstungsunternehmen halten ihre Standorte geheim.
In Zeiten von Google Maps und der medialen Begleitung solcher Bauvorhaben gestaltet sich Geheimhaltung schwierig – die Standorte sind möglichen Aggressoren sicherlich bekannt.
Als 2022 die Zeitenwende ausgerufen und die Bundeswehr mit viel Geld ausgestattet wurde, gab es da den Gedanken: „Das ist gut für Aschau“?
Natürlich. Weil es bei uns viele Arbeitsplätze in diesem Bereich gibt. Das ist für die ganze Region wichtig. Wir haben hier ein Kreiskrankenhaus, das defizitär ist. Oder die Automotive-Industrie, die kränkelt. Für den ganzen Landkreis ist es wichtig, dass wir Arbeitsplätze schaffen.
Marc Beyer