Gott ist auch hinter Gittern ein Thema

von Redaktion

Pater Walter Kirchmann ist seit Februar als Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Mühldorf am Inn im Einsatz. Bei seinen wöchentlichen Besuchen öffnet der Geistliche mit viel Empathie nicht nur schwere Türen, sondern vor allem die Herzen der Inhaftierten.

Mühldorf am Inn – Mit nach Hause nehmen darf er die Gefängnisschlüssel zwar nicht, aber in der Justizvollzugsanstalt (JVA) besitzt Pater Walter Kirchmann durchaus Schlüsselgewalt. Diese wurde ihm von Johann Holzleitner, dem Leiter des allgemeinen Vollzugsdienstes in Mühldorf am Inn, eingeräumt. „Das ist schon ziemlich cool und ein großer Vertrauensbeweis“, freut sich Kirchmann, der seit Februar 2026 als neuer Gefangenenseelsorger in Mühldorf am Inn arbeitet.

In der Kreisstadt sind Untersuchungshäftlinge, aber auch Männer, die eine Strafhaft absitzen müssen, untergebracht. Das Gefängnis weist 74 Belegungsplätze auf.

Sozial-pastorale
Sprechstunde

Pater Kirchmann ist der einzige katholische Pfarrer, der einmal wöchentlich für zwei Stunden den Gefangenen eine sozial-pastorale Sprechstunde anbietet. „Die Zusammenarbeit mit Pater Kirchmann verläuft reibungslos. Wir sind froh, ihn als Seelsorger zu haben“, bekundet Holzleitner. Die Religionszugehörigkeit oder auch der Atheismus einzelner Gefangener spielt für den Salesianerpater keine Rolle. Er unterstreicht: „Ich spreche mit jedem Inhaftierten, natürlich auch unabhängig davon, welche Straftat er begangen hat.“

Aber wie kam Pater Kirchmann, Pfarrer in Waldkraiburg, eigentlich zu dieser besonderen Aufgabe? Das lief ganz unspektakulär über eine Stellenausschreibung des Ordinariats ab, berichtet der 61-Jährige. Er gibt zu: „Schon beim Lesen des Inserats spürte ich sofort, das ist was für mich.“ Die Stellenausschreibung habe ihn regelrecht „verfolgt“, denn, so Pater Kirchmann, er sei immer offen für Neues. Sein Bauchgefühl, im Gefängnis am richtigen Platz zu sein, erwies sich keineswegs als trügerisch. Jetzt, nach sechs Monaten Gefängnisseelsorge, fällt das Fazit durchweg positiv aus: „Ich komme wirklich gerne jede Woche hierher“, betont der Pfarrer, der sich für die einzelnen Lebensschicksale und Biografien der Inhaftierten interessiert. Die Menschen können in der Sprechstunde ihr Herz ausschütten. Der Geistliche ist für deren Sorgen und Nöte da.

Und so sind seitens der Gefangenen nicht nur einmal Tränen geflossen. Natürlich haben nicht alle Insassen mit dem Glauben und mit Gott etwas am Hut, aber durchschnittlich melden sich bei jeder Sprechstunde zwischen drei und fünf Personen an.

Ein Gefangener kann jedoch nicht spontan zu Pater Kirchmann in den Besprechungsraum kommen. „Bei Interesse muss der Betreffende rechtzeitig einen Antragsschein ausfüllen“, erklärt der Leiter des allgemeinen Vollzugsdienstes. Der Pfarrer ist bemüht, die Gesprächszeit für den Inhaftierten angenehm zu gestalten, soweit dies in einem Gefängnis machbar ist. „Ich bringe immer kleine Kekse mit, das lockert die Atmosphäre gleich auf“, weiß Kirchmann mittlerweile aus Erfahrung. Angst, mit dem Gefangenen allein in einem Raum zu sein, hat er nicht. Es sei auch noch nie zu einer brenzligen Situation gekommen.

Und hier hakt Johann Holzleitner ein: „Sollte am Tag der Seelsorge ein Inhaftierter aggressiv sein, dann wird er zum Pater gar nicht vorgelassen.“ Außerdem ist Walter Kirchmann mit einem Funkhandy ausgerüstet, und eine Videokamera gibt es im Zimmer sowieso. Der Seelsorger erzählt von den kleinen Wünschen der Gefangenen, die sich auf einen Rosenkranz oder einen Kalender beziehen. Beides habe er für seine Gesprächspartner schon öfter besorgen können. Wenn sich der 61-Jährige die Lebenswelten der Inhaftierten anhört, dann kommt er manchmal zu dem Entschluss: „Vielleicht hätte der eine oder andere gar keine Straftaten begangen, wäre ihm frühzeitig ein Mensch zur Seite gestanden.“

Ein Gefangener, der aufgrund von Drogendelikten in der JVA landete, führte schon mehrere seelsorgerische Gespräche, die Pater Kirchmann so zusammenfasst: „Der Mann schlug vor, nach seiner Haftentlassung mit mir in Waldkraiburg in eine Schule zu gehen, um dort die jungen Menschen aufzuklären, was Drogen und Beschaffungskriminalität alles anstellen können. Quasi als Negativbeispiel, wie er selbst sagt.“ Kirchmann würde sich für diese Kooperation zur Verfügung stellen. Gott sei in den wöchentlichen Sprechzeiten immer wieder ein Thema, gerade auch dann, wenn sich Inhaftierte an ihre Kindheit erinnern. Im Besprechungsraum des Gefängnisses befindet sich hinter einer Tür ein katholischer Altar. Dort könnte der Pfarrer eine Messe halten. Dieser Wunsch sei bisher noch nicht geäußert worden, doch gemeinsame Gebete gebe es gelegentlich.

Stillschweigen
über die Gespräche

Was der einzelne Gefangene dem Seelsorger anvertraut, wird wie ein Beichtgeheimnis behandelt. „Über die Inhalte der Gespräche bewahre ich Stillschweigen“, bekräftigt Pater Kirchmann, der jedem Inhaftierten freundlich entgegenkommt.

Denn die Menschenwürde, so der Geistliche, sei unantastbar, was auch im Gefängnis gelte.

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