Den Inhalt einer Buamahosntaschn verfilmt

von Redaktion

Große Freude am König-Karlmann-Gymnasium in Altötting: Eine fünfte Klasse hat für ihr kreatives Filmprojekt den mit 1.000 Euro dotierten „Dialektpreis Jugend 2026“ gewonnen. Direkt am Morgen nach der feierlichen Verleihung in München erzählten die frischgebackenen Preisträger im Klassenzimmer von ihrem Erfolg.

Altötting/München – Wer am Mittwochmorgen (29. Juli) das Klassenzimmer der 5f am König-Karlmann-Gymnasium betrat, blickte in strahlende Gesichter. Viele der Schützlinge von Deutschlehrer Raimund Hofmann waren wie schon am Vorabend festlich in Tracht zum Unterricht erschienen.

Aus der Hand
des Ministers

Der Anlass für die gelöste Stimmung könnte kaum schöner sein: Am Dienstagabend hatte Finanz- und Heimatminister Albert Füracker den Altöttinger Schülerinnen und Schülern in der Allerheiligen-Hofkirche in München persönlich den begehrten „Dialektpreis Jugend“ des Freistaats Bayern überreicht. Begonnen hatte die Erfolgsgeschichte ganz unspektakulär im regulären Deutschunterricht. Auf dem Lehrplan stand die Erarbeitung des Dialektgedichts „A Buamahosntaschn“ von Helmut Zöpfl. Die Klasse beschloss, das Gedicht zu verfilmen. Wie die Schülerin Maria Wagner rückblickend erzählt, wurden für die Dreharbeiten die im Gedicht vorkommenden Requisiten Stück für Stück ins Bild gesetzt: „Wir haben halt das, was man gesagt hat, auf einen Tisch gelegt und gefilmt. So zum Beispiel auch eine ‚Schiaßbudnrosn‘.“

Als Deutschlehrer Hofmann schließlich auf den vom Heimatministerium ausgelobten Dialektpreis aufmerksam wurde, ergänzte die Klasse ihr Filmprojekt spontan um einen vorangestellten Einspieler. Darin erklären die Kinder auf humorvolle Weise, warum Dialekt für sie Heimat bedeutet – etwa weil man den eigenen Opa oder die Kühe daheim sonst gar nicht verstehen würde. So entstand ein knapp zweiminütiger Siegerclip.

Dass sie am Ende tatsächlich gewinnen würden, hatten die Kinder gar nicht unbedingt erwartet, wie Maria lachend erzählt: „Herr Hofmann hat auch immer gesagt: ‚Na, wir werden wahrscheinlich nichts gewinnen.‘ Und dadurch war man dann noch mehr erfreut.“

Mit dem Bus ging es schließlich am Dienstag gemeinsam mit Schulleiter Georg Kronhuber nach München. Die Aufregung vor dem Auftritt in der historischen Allerheiligen-Hofkirche war groß. Schüler Fabian räumt schmunzelnd ein: „Bevor es auf die große Bühne ging, war man schon ein bisschen nervös, aber dann hat das eigentlich gepasst.“ Maria und ihre Mitschülerin Lena vertraten die Klasse und überreichten Staatsminister Füracker auf der Bühne eine gesegnete Wetterkerze für stürmische Zeiten.

Neben der offiziellen Würdigung durch den Minister und der Laudatio von Dr. Rudolf Neumaier, dem Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, blieb den Fünftklässlern vor allem das Treffen mit dem bekannten Social-Media-Koch Noah Hansen im Gedächtnis. Stolz berichtete Fabian, dass sogar gemeinsame Erinnerungsfotos für TikTok und Instagram entstanden seien.

In der 5f gehört Bairisch für die meisten zum Alltag. Auf die Frage, ob zu Hause Dialekt gesprochen werde, hob der Großteil der Klasse spontan die Hand. Dennoch unterscheidet sich der Sprachgebrauch je nach Lebensbereich. Maria erzählte, dass sie beim Fußballtraining lieber Hochdeutsch spreche, damit alle sie gut verstehen könnten. Mitschüler Fabian offenbarte ein ganz eigenes Schicksal innerhalb der Familie: „Ich bin eigentlich die einzige Person aus der Familie, die nicht Bayerisch sprechen kann. Eigentlich sprechen meine Eltern auch Bayerisch, aber ich kann irgendwie nicht Bayerisch sprechen – nur Hochdeutsch.“

Gefragt nach ihren Lieblingswörtern, antwortete eine Schülerin wie aus der Pistole geschossen mit einem beherzten „Oida!“, während ein anderes Mädchen lachend das Wort „Oachkatzlschwoaf“ reinrief.

Einig waren sich die Kinder vor allem darin, dass das gemeinsame Filmen der lustigste Teil des ganzen Projekts war – selbst wenn Aufnahmen wegen kleiner Sprechfehler oder anderen Pannen wiederholt werden mussten.

Preisgeld wandert
in die Klassenkasse

Das Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro wandert nun erst einmal in die Klassenkasse. Da die Truppe auch im kommenden Schuljahr als 6f zusammenbleibt, ist noch reichlich Zeit für die gemeinsame Verplanung. Einig war sich die Klasse bereits darüber, dass mindestens ein gemeinsames Eisessen fest eingeplant ist.

Auf die scherzhafte Frage, ob sie sich nach diesem großen Erfolg nun statt Deutsch lieber Bayerisch als eigenes Unterrichtsfach wünschen würden, gab es im Klassenzimmer große Zustimmung und ein lautes Lachen. Der prämierte Bewerbungsfilm der Altöttinger Fünftklässler ist für alle Interessierten online zu bewundern.

Alpin FM ebenfalls ausgezeichnet

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