Ein bemerkenswertes Konzert

von Redaktion

Zum Bericht „Kontrapunktische Raserei“ (Kultur in der Region):

Was, so fragt sich der Konzertbesucher, hat der angesehene 18.-Jahrhundert-Interpret Giuliano Carmignola Schlimmes getan, dass er nach einer als eindrucksvoll sensibel wahrgenommenen Interpretation von Haydn und Mozart derart abgefertigt wird? Offensichtlich sind dem Rezensenten mit seiner Disqualifizierung der Kompositionen („diese ja nicht besonders gewichtigen Werke“) die Intentionen der Programmmacher ganz und gar entgangen. Haydns Nr. 1, im Übrigen alles andere als eine Bagatelle, war bewusst seinem Mozart-Pendant gegenüber gestellt worden. Und das Haydn-Violinkonzert liegt in einer Carmignola-CD vor, an der sich jeder orientieren kann. Dass schließlich die Mozart-Sinfonie an diesem Abend in bemerkenswerter Weise dargeboten wurde, konnte auch dem nicht entgehen, dem das demokratische Kriterium von Applaus verdächtig ist. Man musste nur in die Pausengespräche hineinhören, um zu wissen, dass hier viel musikalischer Sachverstand versammelt war. Aber bei dieser merkwürdigen Rezension galten offensichtlich andere Maßtäbe: „Ein schlanker schöner Mann mit gestutztem Vollbart“, der auch noch Musik des 18. Jahrhunderts virtuos darbot, war wohl jenseits der Toleranzschwelle des Kritikers. Und so wurde dem Künstler und Könner allerlei Peioratives nachgeworfen, dass er „mit viel Temperamentsgebolze“ Haydn und Mozart aufpeppte und im „Umarmungsüberschwang“ Applaus herauskitzelte. O, wäre Carmignola doch im Mönchsgewand der Benediktiner erschienen! Vielleicht hätte das den Rezensenten zufriedengestellt und wir hätten eine dem Konzert angemessene Rezension bekommen, dann hoffentlich ohne dass Goethe („veloziferisch“!) hier auch noch völlig unmotiviert strapaziert worden wäre.

Klaus Volquartz

Prien

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